Meine Bodensee Gazette

Bevor Konstanz am Schmotzigen Dunschtig außer Rand und Band gerät, stellen wir fest: In Konstanz gibt es in diesem Jahr eine hohe Akzeptanz für das Glasverbot. Einschränkungen für Dauerbeschallung durch Musik aus der Konserve (!) und eine Begrenzung des Lärms auf 85 dB stösst dagegen auf Kritik. Weshalb eigentlich?

Die Konstanzer Straßenfasnacht lebt von den vielen Mäschgerle, die durch die Altstadt und die Niederburg ziehen. Guggenmusiken und Fasnachtskapellen gehören wie das Schnurren und der große Umzug am Sonntag dazu. Auch gegen ein bisschen Schabernack und tanzende, ausgelassen feiernde Narren ist nichts einzuwenden. Wenn Musikkapellen aber von Lautspecherwagen übertönt werden, hat das mit ursprünglichen Konstanzer Straßenfasnacht nichts mehr zu tun.

Unterwegs sind leider auch in Konstanz nicht mehr nur die fröhlichen großen und kleinen Mäschgerle, sondern auch die Anderen. Diese Gruppe der Anderen gefährdet die Straßenfasnacht. Dass Geschäftsinhaber ihre Läden regelrecht verrammeln und Anwohner aus ihren Wohnungen am Münsterplatz, in der Niederburg oder der Altstadt flüchten, ist ein Alarmzeichen.

Sachbeschädigungen und die nächtliche Dauerbeschallung mit Spießer-Schlagern müssen Anwohner sicher nicht von Mittwochabend nach dem Butzenlauf bis noch Stunden nach der Fasnachtsverbrennung in der Nacht zum Aschermittwoch hinnehmen. Allein in der Altstadt und in Stadelhofen wohnen 11.500 Menschen, vor deren Haustüren diejenigen kotzen, die ihre Räusche in Allmansdorf, Staad, Litzelstetten oder Singen ausschlafen.

Die Gruppe der Anderen randaliert übrigens nicht nur an der Fasnacht. Die Anderen grölen auch in anderen Nächten durch die Stadt. Anlässe für Randale gibt es viele – vom Weihnachtsmarkt bis zum Oktoberfest. Die Anderen instrumentalisieren die Fasnacht nur.

Der SWR berichtete am Sonntag, dass immer mehr Fastnachts-Veranstalter unter einer anscheinend größer werdenden Zahl solcher Gäste leiden, „die nur auf eines aus sind: Alkohol trinken und Randale. Die Polizei verstärke daher ihre Sicherheitsvorkehrungen, Security gehöre inzwischen zu jeder Veranstaltung.

Die Friedrichshafener Polizei berichtete dazu ebenfalls am Sonntag passenderweise von einem solchen Vorfall während der Fasnacht. Ein  ein 35-jähriger Mann habe bei einer körperlichen Auseinandersetzung auf einer Fasnetsveranstaltung in Friedrichshafen am frühen Samstagabend eine Kopfplatzwunde und ein starkes Hämatom erlitten. Der Mann sei bei einem Toilettengang mit einer bislang unbekannten Personengruppe in Streit geraten, in dessen Verlauf er von einem Unbekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen wurde. Der übrigens selbst alkoholisierte 35-Jährige musste nach der Attacke im Krankenhaus Friedrichshafen behandelt werden. In Langenargen wurde eine junge Frau am Rande einer Fasnetsparty nach einem Fasnetsumzug vergewaltigt. In Konstanz mussten Mäschgerle im vergangenen Jahr zusehen, wie Rechtsradikale den Konstanzer Fastnachtsumzug für ihre Propaganda instrumentalisiert und missbraucht hatten.

Der SWR zitiert Achim Zitzer von der Landespolizeidirektion Freiburg, der dem SWR sagte, die Hemmschwelle, gegen Gesetze zu verstoßen, sinke. „An den närrischen Tagen gibt es deutlich mehr Kriminalität als sonst“, sagt der Polizeidirektor laut SWR. Auch Zitzer kommt gegenüber dem SWR auf die Gruppe der Anderen zu sprechen. Er wird mit folgenden Worten zitiert:  „Wir stellen fest, dass närrische Brauchtumsveranstaltungen zunehmend auch ein problematisches Klientel anziehen, das allein den Event sucht und sich nicht an die Spielregeln hält.“ Die Fasnacht werde zur Plattform für Kriminalität. 

Wer also erreichen möchte, dass die Konstanzer Straßenfasnacht und das närrische Treiben vom Schmotzigen Dunschtig bis Fasnetsdienstag weiterhin positiv wahrgenommen wird, sollte froh sein, dass die Stadt wachsam ist und Spielregeln aufgestellt hat. Wer sich empören will, könnte sich ja über die empören, die die Fasnacht durch ihr rücksichtsloses Verhalten beschädigen. 

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