Meine Volkszählerin ist gestern da gewesen!

Frisch gezählt, kleinste Geheimnisse verraten – Bitte keine Vorratsdatenspeicherung

Konstanz. „Reinlassen musst Du gar keinen!“ Das hat mir ein Freund so geschrieben. „Nur den Fragebogen persönlich übernehmen“, mahnte er. Am Dienstagnachmittag kam sie dann, die Volkszählerin. Sie war nett. Mehr Informationen als mein Smartphone über mich sammelt, in meinem Google-Kalender stehen oder das Finanzamt und die Rentenkasse über mich haben, hat sie nicht bekommen.

Volkszählerin rein gelassen

Es war sehr lustig. Nachdem die Volkszählerin ursprünglich zwischen 16 Uhr und 19.30 Uhr kommen wollte, hatten wir uns per Mail dann doch auf einen Termin um 16 Uhr verständigt. Sie klingelte just in time. Meine Volkszählerin wohnt im Paradies und, wenn sie nicht gerade das Volk zählt, arbeitet sie als Tagesmutter. Weil sie sehr sympathisch gewesen ist, durfte sie sogar mit in die Wohnung bis an den Schreibtisch.

Kreuzchen hier und da

Wie viele Leute in der Wohnung leben, wollte sie wissen. Dies Frage hatten wir eigentlich schon auf dem Fragebogen beantwortet, den alle Wohnungsbesitzer ausfüllen mussten. Das Geburtsdatum? Schul- und Hochschulabschluss? Beruf? Migrationshintergund und dann die Frage nach der Konfession. Evangelisch. Wo bitte als freiberufliche Journalistin das Kreuzchen machen? Wie hätte ich eintragen können, dass ich sehr gute PR-Texte mache und von Public Relations lebe, da das Blog zu wenig Geld einbringt? Niemand wollte wissen , dass ich Mitglied einer politischen Partei bin, aber bei der letzten Bundestags- und Landtagswahl aus unterschiedlichen Gründen  jeweils eine andere Partei gewählt habe. Das hätte ich ihr auch nicht verraten.

Alles aus  Höflichkeit

Fragen über Fragen. Muss man sich den Volkszählern gegenüber ausweisen? Nein. Muss sich der Volkszähler ausweisen? Ja. Ich hätte auch den Namen meiner Volkszählerin notieren können, wenn ich gewollt hätte. Hätte ich die Volkszählerin in die Wohnung lassen müssen? Nein. Aus Datenschutzgründen sei es nicht nicht empfehlenswert, heißt es, aus Höflichkeitsgründen aber schon, fand  ich ganz spontan. Auch das Klingelschild hätte ich entfernen dürfen. Hab es nicht gemacht.

Noch monatelang Zeit zum Zählen

Muss man zu Hause sein? Eher nicht. Leicht hätte es passieren können, dass ich gestern einen Termin auswärts gehabt hätte. Die Ankündigung des Besuches wäre dann wahrscheinlich in die große Ablage gerutscht. Die Befragungen würden sich bis mindestens November 2011 hinziehen, heißt es. Solange wird es ja wohl nicht dauern. Meine Volkszählerin muss nur knapp über hundert Menschen interviewen. Bisher war sie schon bei etwa 20. Die meisten waren freundlich. Mit vielen vereinbarte sie einen persönlichen Termin.

Online oder Papierbogen ausfüllen

Meinen Fragebogen hätte ich der Volkszähler nicht mitgeben müssen. Ich hätte ihn per Post schicken oder bei der örtlichen Erhebungsstelle abgegeben können oder ihn sogar online ausfüllen können. Bei der Onlineübermittlung wäre die IP-Adresse gespeichert worden.

Höheres Honorar für die Volkszählerin

Füllt der Volkszähler, in meinem Fall die Volkszählerin, mit dem Befragten zusammen den Fragebogen aus, bekommt der „Zähler“, in meinem Fall wiederum die Volkszählerin, 7,50 €. Hätte sie mir den Fragebogen nur persönlich vorbeigebracht, hätte sie grade einmal 2,50 € bekommen und der Staat hätte 5 € gespart. Das wollte ich aber nicht. Immerhin musste sie vom Paradies in die Altstadt radeln.

Nein zur Vorratsdatenspeicherung

Weh getan hat die Volkszählung nicht. Dass ich noch immer genauso wie einen Greenpeace-Beitrag auch evangelische Kirchensteuer zahle, weiß das Finanzamt sowieso und dass ich ein Hochschulstudium abgeschlossen habe, muss ich ja nicht verheimlichen, weil es sowieso bei Facebook steht. Wem ich Mails schicken und von wo aus ich mit wem mobil telefoniere, geht dagegen niemand etwas an. Die Vorratsdatenspeicherung ist, so finde ich, viel schlimmer als die Volkszählung. Ich habe im Internet schon dagegen unterschrieben.

Foto: Gerd Altmann PIXELIO www.pixelio.de

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