Mieterbund Bodensee kritisiert ungerechtes Müll-System

Die meisten Mieter fragten wegen Nebenkosten nach – Weber sieht neue Müllgebühren in Konstanz kritisch

Herbert WeberKonstanz. Der Deutsche Mieterbund Bodensee kratzt an einer Schallmauer. Im hundertsten. Jahr seines Bestehens will der Verband, der Mieter aus dem Kreis Konstanz und dem westlichen Bodenseekreis vertritt, die Marke von 7000 Mitgliedern erreichen. Das kündigte der Verbandsvorsitzende Stadtrat Herbert Weber auf der Delegiertenversammlung der Organisation in Konstanz an.

Bei einem Drittel der Fälle ging’s um „zweite Miete“

4774 Mal holten sich 2010 Mieter Rat bei den Experten des Mieterbunds. 1400 mietrechtliche Schreiben richtete der Verband im Namen seiner Mitglieder an Hausverwaltungen und Vermieter. „2010 war für uns Jahr der Rekorde,“ berichtet Weber stolz über die geleistete Arbeit. Knapp ein Drittel der Mieterfragen drehte sich um die „zweite Miete“. Mieter wollen wissen, ob sie wirklich alle Nebenkosten zahlen müssen, die ihnen in Rechnung gestellt werden. Viele Abrechnungen weisen Fehler auf, weiß Weber. Er empfiehlt daher, jede Abrechnung überprüfen zu lassen.

Mieter spüren Grundsteuererhöhung

Mieter müssen sich auf steigende Heizkosten einstellen. Um mindestens vier Prozent wird die warme Wohnung teurer, ergab der bundesweite Betriebskostenspiegel des Mieterbunds. In Konstanz wirke die Grundsteuer kostentreibend. Der Gemeinderat habe die Steuer um fast ein Drittel erhöht, so Weber.

Sorge um „Müllgerechtigkeit“

„Ungerechter, aber nicht billiger“, könnten die Müllgebühren für Konstanzer Mieter werden. Die Entsorgungsbetriebe der Stadt wollen die Gebühren anders erheben. Während sie bislang direkt von den Mietern und Eigentümern an die Entsorgungsbetreibe bezahlt werden, sollen sie künftig im Rahmen der Nebenkostenabrechnung von den Vermietern eingezogen werden. Berechnunsgrundlage soll das Müllgefäß und nicht mehr die Größe des Haushalts sein.

Teurer für Mieter in großen Wohnanlagen

Weber sieht eine „Zwei-Klassen-Gebühr“ auf die Mieter zu kommen. „Wer in großen Wohnanlagen lebt, zahlt die Müllgebühr künftig nach seiner Wohnfläche. Eigentümer von großen Villengrundstücken können dagegen sparen, indem sie kleinere Müllbehälter ordern“, kritisiert Weber. Die Wohnfläche habe mit dem Abfallaufkommen gar nichts zu tun. Daher sei sie als Maßstab zur Umlage der Gebühren ungeeignet.

Im kommenden Jahr feiert der Mieterbund Bodensee sein 100-jähriges Jubiläum. Daher tritt der baden-württembergische Mietertag in Konstanz zusammen, kündigte Weber an.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.