Mieterbund rechnet mit Mieterhöhungen für 650 verkaufte Konstanzer Wohnungen

Nach dem Deal zwischen Landesbank Baden-Württemberg LBBW und Patrizia noch wenig Konkretes

Konstanz. Vor zwei Wochen berichtete der Spiegel über den gespaltenen Immobilienmarkt in Deutschland. Während in einigen Regionen Rekordpreise erzielt würden, verfallen die Preise anderswo. Konstanz zählt zu den hochpreisigen Städten. Zu spüren bekommen dürften das in Zukunft voraussichtlich auch die Mieter in 650 Konstanzer Wohnungen, die die Landesbank Baden-Württemberg LBBW an die Patrizia verkaufte. Der Mieterbund fürchtet nun Mietsteigerungen. Genaues weiß aber auch der Mieterbund noch nicht. Anders als in der vergangenen Woche drischt er aber nicht so wie es der Landtagsabgeordnete Ulrich Müller (CDU) getan hatte, auf die Landesregierung ein.

Mieterbund informiert auf Facebook

Die Landesbank Baden-Württemberg LBBW habe entschieden, 650 Konstanzer Wohnungen an eine Gruppe privater Investoren unter Führung der Patrizia Immobilien AG aus Augsburg zu verkaufen, die neuer Vermieter werden wird, heißt es sachlich auf der Facebook-Seite des Mieterbunds Bodensee.

Spätfolge der Finanzkrise

Es folgt eine Erklärung: Auch die LBBW hatte sich vor der Finanzkrise verspekuliert und musste mit viel Geld durch die öffentliche Hand gerettet werden. „Diese Rettung gab es nicht umsonst“, so der Mieterbund. Zu den Auflagen zählte, dass die Bank, an der auch die Sparkassen beteiligt sind, ihre Wohnungen verkaufen musste. Eine Bietergemeinschaft unter Beteiligung von Städten und öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften kam nicht zum Zug. Der Mieterbund wertet das nicht.

Maximaler Gewinn

Der Mieterbund warnt aber schon einmal alle Betroffenen vor: „Die Patrizia AG ist dem Deutschen Mieterbund leider gut bekannt. An ihren bisherigen Tätigkeitsschwerpunkten ist die Gesellschaft dadurch aufgefallen, dass Sie die Mieten stark erhöht und die Investitionen in die Wohnungen verringert hat. Ziel der Gesellschaft ist es, so viel Geld wie möglich aus den Wohnungen zu ziehen, diese in Eigentumswohnungen umzuwandeln und teuer zu verkaufen“, heißt es in einer Mitteilung des Mietervereins. So handeln freilich alle Wirtschaftsunternehmen. Das Unternehmen habe zwar eine Sozialcharta unterschrieben, heißt es weiter. Doch die reiche kaum weiter als der gesetzliche Mieterschutz.

Mietverträge gelten weiter

Weiter informiert der Mieterbund darüber, wie es kurzfristig weiter geht. „Was heißt das für Sie als Mieter?“ Kauf bricht nicht Miete, so der Mieterbund. Der bevorstehende Eigentümerwechsel habe keinen Einfluss auf den Mietvertrag. Der bleibt weiterhin gültig. Zum Thema Mieterhöhung erklärt der Mieterbund: „Sie müssen damit rechnen, dass Ihr neuer Vermieter die gesetzlichen Möglichkeiten zur Mieterhöhung voll ausnützt.“ Modernisierungsmaßnahmen, auch zum Energiesparen könnten unter bestimmten gesetzlichen Bedingungen auf die Mieter umgelegt werden. Das könne ebenfalls zu Mietsteigerungen führen.

Mieterbund rät zum Gang zum Anwalt

Der Mieterbund rät: „Unterschreiben Sie keine Vereinbarung mit dem neuen Vermieter, ohne sich vorher fachkundig beraten zu lassen. Mitglieder des Mieterbunds erhalten kostenlose Mietrechtsberatung.“ Weiter empfiehlt der Mieterbund: „Prüfen Sie, ob Ihre Rechtsschutzversicherung auch das Mietrecht abdeckt.“ Mieterbund Mitglieder seien bereits versichert.

Zeche zahlen Mieter

Die Zeche für das Zocken am Finanzmarkt müssen nun mutmaßlich Mieter bezahlen. Konstanz wurde im Spiegel-Artikel übrigens in einem Atemzug mit Hamburg, München und Heidelberg genannt. Wohnen in Konstanz ist nicht nur in Wohnungen der Patrizia teuer, während Immobilien anderswo in Deutschland laut Immobilienverband Deutschland (IVD) in diesem Jahrtausend bereits bis zu 30 Prozent ihres Wertes verloren haben. Betroffen vom Hochpreisniveau in Konstanz sind auch die Mieter – mit oder ohne Mietspiegel.

 

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