Ministerpräsident Kretschmann verabschiedet grünen Konstanzer OB

Oberbürgermeister gibt nach 16 Jahren Amtskette zurück – FGL-Stadträtin „Menschen leben gern hier“

 Zum Abschied bekam der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann einen Rucksack und vom Konstanzer Gemeinderat ein Fahrrad geschenkt. Nacht 16 Jahren Amtszeit sagt der erste grüne Oberbürgermeister im Land tschüs. Er will jetzt erst einmal eine Radtour machen.

Who ist Who verabschiedeten Horst Frank

Zu seiner Verabschiedung am Samstagvormittag im Konstanzer Ratssaal gekommen waren neben Kretschmann die beiden grünen Oberbürgermeister aus Freiburg und Tübingen, Dieter Salomon und Boris Palmer, sowie Landesverkehrsminister Winfried Hermann und viele Oberbürgermeister und Bürgermeister aus der Region. Auch Kollegen aus dem Städtetag, Gäste aus den Partnerstädten und der Schweiz hatten die Einladung angenommen. Noch einmal spielte Jazz-Professor ganz zum Schluss Bernd Konrad sein Stück „Mein langer Atem“. Es war ein heiterer, launiger Morgen. Nachdem auch Horst Frank gesprochen hatte, gab der erste grüne OB Deutschlands die Amtskette zurück. Ab sofort trägt Horst Frank nur noch Schal. Der Schal war sein Markenzeichen.

In Konstanz Geschichte geschrieben

Ein Sonnenblumenstrauss schmückte den Ratssaal. Die Septembersonne strahlte durch die bunten Butzenscheiben. „Horst Frank ist der lebende Beweis dafür, dass in Konstanz öfter Geschichte geschrieben wird“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der als erster Laudator ans Rednerpult trat. Verschmitzt wies der grüne Ministerpräsident mit Blick auf geschichtsträchtige Ereignisse in der Stadt gleich noch auf die Verbrennung des Reformators Jan Hus hin, der in Konstanz während des Konzils auf dem Scheiterhaufen endete. Frank, dem ersten grünen OB in der Stadt und im Land, drohte ein solches Schicksal nicht, auch wenn sich anfangs manche nicht vorstellen konnten, dass Konstanz von einem grünen OB regiert werden sollte. Kretschmann sagte, er stehe auf den Schultern „solcher grüner Pioniere wie Horst Frank“ einer ist.

Abschied von der Weltrevolution

Der grüne Ministerpräsident stellte fest, Konstanz geht es gut. Der prophezeite wirtschaftliche Niedergang blieb aus und im Stadtgarten wächst auch kein Hanf. Der Ministerpräsident sprach über Nachhaltigkeit, Bürgerbeteiligung und die Zukunftswerkstätten. „Horst Franks Leitgedanke ist zum Leitgedanken der Stadt geworden“, sagte Kretschmann. Noch vor einigen Jahrzehnten, die jetzt aber vorbei seien, hätten er und Horst Frank an die Weltrevolution geglaubt. Revolutionen gingen aber leise von statten.

Menschen leben gern in Konstanz

Christiane Kreitmeier stellte die Frage, was von Horst Frank, der 16 Jahre lang von 1996 bis 2012 OB in Konstanz gewesen ist, bleibt. Die Stadträtin aus der Fraktion der Freien Grünen Liste hatte eine Powerpoint Präsentation mit kurzen Statements zusammengestellt. Die Grüne macht Horst Frank das vielleicht größte Kompliment, das ein Oberbürgermeister bekommen kann. Sie sagte: „Menschen leben gern hier.“ Auch die FGL-Stadträtin redete von Bürgerbeteiligung und Mobilitätsforen. „Die Stadt hat sich verändert, sie ist grüner geworden“, so Kreitmeier.

Verdienstmedaille der Universität für Frank

Uni-Rekor Ulrich Rüdiger hielt eine „excellente“ Rede, die nicht nur von „Science and Paradise“ handelte, sondern auch davon, dass die Universität in der Stadt angekommen sei. Horst Frank erhielt zum Abschied die Verdienstmedaille der Universität. OB Helmut Himmelsbach, Stellvertreter des Präsidenten des Deutschen Städtetages kritisierte, dass es in Bayern und Baden-Württemberg eine Altersgrenze für Oberbürgermeister gibt. Der Münchner OB, Städtetagspräsident Christian Ude, sei nur deswegen nicht zur Verabschiedung gekommen, weil er sich im Wahlkampf befinde. Der Münchner OB will Bayerns Ministerpräsident werden. Für dieses Amt gibt es keine Altersgrenze. Auch Horst Frank hätte keine ganze Amtsperiode mehr bleiben können – er entschied zu gehen, als es im grünen Rathaus und Land gerade ganz gut lief. Dieses Zeitpunkt hat er nicht verpasst. Und das ist gut für ihn.

Warteschleifenmusik live

Bewegt zeigte sich der scheidende Oberbürgermeister Horst Frank, als ihm die Konstanzer Kinder ihr Lied „Wir sind die Konstanzer Kinder“ live gesungen haben. Lauter Applaus brandete auf. „Ja, ich bin gerührt“, erklärte Horst Frank anschließend. Für die Festgäste, die es nicht gewusst hatten, sagte er: „Das ist unsere Warteschleifenmusik. Das ist ungewöhnlich.“ Konstanz sei eine ungewöhnliche Stadt.

Kommunalpolitik am nächsten bei den Menschen

Seine Macht als Oberbürgermeister sei nur eine geliehene gewesen, sagte Horst Frank. „Ohne die Menschen wäre das alles nichts.“ Die Kommunalpolitik sei direkt bei den Menschen. Sie habe unmittelbar mit den Bürgern zu tun. Weiter sagte der OB, er sei froh gewesen, dass er nach seiner Wahl nicht nach zwei oder zweieinhalb Jahren schon wieder im Wahlkampf gewesen sei.

Frank bedankt sich bei Kritikern

Horst Frank, der sich auch bei seinen engsten Mitarbeitern bedankte, erinnerte daran, dass die Verwaltung kein Selbstzweck ist. Danke gesagt hat Horst Frank auch jenen, die nicht nur Lobreden auf ihn gehalten, sondern ihn auch kritisiert haben. Vielleicht hätte der OB, wie es dem einen oder anderen passiert, sonst die Bodenhaftung verloren. Seinem Nachfolger Uli Burchardt wünschte er die Gelassenheit, die er selbst erst nach vielen Jahren hatte.

Spiel’s noch mal Bernd

Den letzten Auftritt am Samstagmorgen hatte Bernd Konrad. Der Jazz-Professor hatte schon vor 16 Jahren zur Amtseinführung des OB gespielt. Das Stück hieß damals „Langer Atem“. Zum Abschied spielte Konrad nun noch einmal für Horst Frank, zuerst auf dem Saxophon und improvisierte dann auf der Klarinette. Das Stück hieß wieder „Langer Atem“, wenn es dieselbe Tonfolge gewesen wäre, wäre das wohl eher zufällig.

Konstanzer Köche

Nach der Verabschiedung mit vielen launigen Bemerkungen lud der OB die Gäste zu Fingerfood in den Rathaushof ein. Nach den Konstanzer Kindern waren die Konstanzer Köche an der Reihe. Angerichtet hatte das Who ist Who der Konstanzer Gastro-Szene. Für alle Konstanzer Bürgerinnen und Bürger waren dann am Nachmittag zu einem Bürgerfest in den Rathausinnenhof eingeladen.

 

 

2 Kommentare to “Ministerpräsident Kretschmann verabschiedet grünen Konstanzer OB”

  1. Wo.Becker
    8. September 2012 at 20:59 #

    Ein Fahrrad als Geschenk???

    Was soll er denn damit?

    Wo der Ex-OB sich doch als OB recht fahrradfeindlich in seinen Entscheidungen entpupt hat.

    Egal.

    Sollte er im Bereich Konstanz Probleme mit der Fahrradinfrastruktur haben, kann er sich ja an den
    Ansprechpartner für Radverkehrsfragen in Konstanz wenden
    ( AnSpRad(at)email.de. bzw.
    http://www.konstanz.de/umwelt/01604/03256/04006/index.html ).

    Das Handbuch für „Neubürger und Erstbesucher der Stadt“ hat er ja schon im Jahr 2010 bekommen. Ob er es gelesen hat?

    Wenn es weg ist, er es verlegt hat, so kann er es ja unter
    http://www.konstanz.de/umwelt/01604/03256/04076/index.html aus dem Netz holen.

    Dann men ab nach Münster Herr Frank.
    Da gibt es auch fahrradtechnisch viel zu sehen und Kultur sowie studetisches Leben ist auch wahrzunehmen.

  2. dk
    9. September 2012 at 13:45 #

    … vom Konstanzer Gemeinderat ein Fahrrad geschenkt. … Seinem Nachfolger Uli Burchardt wünschte er die Gelassenheit, die er selbst erst nach vielen Jahren hatte. … „Langer Atem“ …

    Das Tolle am Radfahren ist die zügige Geschwindigkeit, so dass man sich automatisch immer etwas (mehr oder weniger) selbst fordert und der Fahrtwind bei Hitze sehr angenehm wirkt. Etwas Belastung wechselt meistens mit erholendem „Ausrollen-lassen“ ab; der Wechsel ermöglicht eine wesentlich längere Bewegungszeit und damit Trainingseffekte: in relativer kurzer Zeit (1-2 Wochen) hat sich meine Atmung durch Lungen-Training wesentlich verbessert; man atmet auf jeden Fall tiefer durch, vielleicht auch länger, jedenfalls ohne zu hecheln (dann sollte man den kleinsten Gang wählen bzw. evtl. absteigen und schieben).

    Bedeutend gelassener geworden bin ich, weil durch Radfahren die Fitness so erhöht worden ist und man sich wieder „jünger“ fühlt. Richtig depressiv hat gemacht, wenn man als „total unsportlich“ erst mit Jogging sehr weit kommt und dann durch einen Unfall am Fussgelenk unerwartet einige Jahrzehnte gealtert fühlt. Auch die geistige Produktivität, Konzentrations-, Gedächtnis-Leistung und geistige Belastungsfähigkeit haben stark zugenommen; ganz als 20-30 Jähriger fühle ich mich aber noch nicht.

    Der Zeitgeist muss sich stark geändert haben: noch nicht vor allzu langer Zeit wurde „gelassen“ eher mit „faul und träge“ gleich gesetzt oder sogar allgemeiner mit fehlender Intelligenz und Dummheit. Die „moderne Zeit“ scheint durch die Themen „Alterung der Gesellschaft“, Schäden durch zu intensive Belastungen im Arbeits- und Wirtschaftsleben und anderen Erscheinungen des medizinischen Raubbaus an der Gesundheit ein leichtes Umdenken ermöglicht zu haben.

    PS.
    Es gibt eine höhere Anzahl von Waldwegen, die gut verdichtet mit feinem Kies verdichtet sind, was dann vom Komfort fast an Asphalt-Wegen herankommt; andere sind eher nur 15min von mir befahrbar.
    Umgekehrt gibt es wenige Strecken bei häufig benutzen Asphalt-Wegen und (Haupt-) Strassen, deren Reparatur-Flickerei und Randbereich zum Bürgersteig unebener sind (inkl. versenkten Gullis) und kräftig durchschütteln. Kein Problem: es gibt immer noch genügent komfortable Nebenstrassen und ausserdem träumt man irgendwann von einem Mountain-Bikerad: für die intensiven Waldwege und die Hügel von Kreuzlingen bis nach Herisau (Richtung Säntis).
    In einem Artikel aus den NeuenBL wurde dargestellt, wie hoch die Kosten z.B. für einen Bäcker sind, der im dünn besiedelten Flachland seine Waren zu jedem Dorf verteilen möchte. Es müssen viele Nebenstrassen dabei gewesen sein: die Lebensdauer des Auto wurde etwas halbiert und die normalen Reparaturen mehr als verdoppelt. Es ist unbekannt, was ein gelassener Zeitungsartikel bewirkt hat.

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