Moderator kann alles außer Verkehr

Unternehmensberatung für Personalentwicklung soll coachen

Überlingen (wak) Die Unternehmensberatung Martin Horn Consulting aus Herrenberg soll den Dialog über den Verkehr in Überlingen moderieren. Am kommenden Mittwoch, 14. April, will sich der Moderator in öffentlicher Gemeinderatssitzung erstmals vorstellen. Allerdings müssen sich interessierte Bürger gedulden, bis Oberbürgermeisterin Sabine Becker am Mittwochabend nicht vor 21 Uhr den Tagesordnungspunkt 13 aufruft. Der Moderator habe zuvor noch einen anderen Termin, heißt es. Horn kann übrigens alles – außer Verkehr.

Vorschläge müssen Bürger machen

Um 19.15 Uhr beginnt die öffentliche Sitzung des Gemeinderats mit einer Bürgerfragestunde. Auch in der Stunde dürfte es wieder um das Thema Verkehr gehen. Großartige Antworten wird Oberbürgermeisterin Sabine Becker ihren Bürgern aber kaum geben. Denn Lösungsvorschläge macht die Stadtverwaltung nicht, sagt die OB. Die Ideen müssen in Überlingen vermutlich von den Bürgern selbst kommen, die sich in dem demnächst beginnenden Moderationsprozess auf Lösungen des Verkehrsproblems in der Innenstadt und in verschiedenen Quartieren einigen sollen. Auch der Moderator wird  keine Vorschläge inhaltlicher Art machen. Er könnte es wohl gar nicht. Denn Martin Horn ist kein Verkehrsplaner.

Dienstleister wirbt mit individueller Stärke

Seine Firma firmiert unter „Unternehmensberatung für Personalentwicklung“. So ist es auf der Homepage von Martin Horn Consulting zu lesen. „Unsere Produkte sind die Dienstleistungen, die wir Ihnen aufgrund unserer Erfahrungen und unseres soliden Hintergrundwissens zur Verfügung stellen können. Dabei dürfen Sie sich darauf verlassen, dass wir Sie auch in schwierigen Situationen mit unserem fachlichen Know-how und unser individueller Stärke unterstützen“, heißt es da.

Konfliktmanagement und Strategieentwicklung

Zu den Kunden Horns zählen Firmen und Organisationen aus den Bereichen Industrie, Soziale Einrichtungen und Verwaltung. Auf der Referenzliste finden sich zum Beispiel die translake GmbH in Konstanz, die Stadt Konstanz oder die Stadt Überlingen, die sich in der Vergangenheit schon Dienstleistungen von Martin Horn Consulting einkauften. Horn hat zum Beispiel Klausursitzungen von Gemeinderäten moderiert. Beratung und Training werden auf der Homepage für folgende Bereiche angeboten: Persönlichkeitsentwicklung, Als Führungskraft wirken, Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Organisationsentwicklung, Veränderungsprozesse gestalten, Strategieentwicklung in der Personalentwicklung und Systemisch arbeitender Coach. Mit diesem Werkzeugkasten will Horn auch das knifflige Verkehrsproblem in Überlingen lösen. Ziel ist es, widerstreitende Interessen und die Sonderinteressen von Bürgerinitiativen, Quartieren, Anwohnern von Einfall- und Ausfallstraße sowie Interessen der Wirtschaft und des Handels zu bündeln.

Keine Gewähr für Umsetzung

Nach Informationen von See-Online habe der Moderator sein Engagement in Überlingen davon abhängig machen wollen, dass das Ergebnis des von ihm moderierten Prozesses auch politisch umgesetzt wird. Eine Gewähr gibt es aber nicht. Einige Mitglieder des Gemeinderats werden sicher nicht jeden denkbaren Vorschlag durchwinken. Das haben einige bereits angedeutet. Auch nicht alle Vorschläge, die aus Agenda-Gruppen kamen, sind schließlich umgesetzt worden.

Konkrete Lösungsvorschläge Herkulesaufgabe

Sollte ein Vorschlag am Ende des Moderationsprozesses möglicherweise lauten: Verringerung des Verkehrs in der Altstadt, weil das der größte gemeinsame Nenner ist, müsste die Stadtverwaltung dann konkrete Lösungsvorschläge machen. Verkehrsgutachten und Lösungen liegen in Überlingen längst in der Schublade. Die T-Lösung wolle sie nicht mehr, hatte OB Sabine Becker kürzlich gesagt. Ein Tunnel wäre nicht mehr finanzierbar und für eine radikale Lösung wie die Komplettsperrung der Innenstadt gab es zumindest in der Amtszeit von OB Volkmar Weber im Gemeinderat keine Mehrheit. Auch das Thema Busse raus aus der Altstadt – eine Forderung des Wirtschaftsverbunds Überlingen (WVÜ) und der Initiative zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt – ist nicht neu. Nach dem Moderationsprozess werden voraussichtlich dann aber wieder neue Gespräche mit der RAB geführt, die wortreich erklären wird, wie viele Fahrgäste beim Umsteigen auf kleine Elektrobusse zum Landungsplatz verloren gehen würden und weshalb die Seelinie nicht am Zentralen Omnibusbahnhof beim Haltepunkt Stadtmitte enden könne…

Foto: Homepage Martin Horn Consulting

3 Kommentare to “Moderator kann alles außer Verkehr”

  1. loewe
    9. April 2010 at 00:12 #

    Der Moderationsprozess mit einem Verkehrsleihen kann ja heiter werden, da

    Frau Becker
    – die T-Lösung nicht möchte
    – unnötige Einbahnstraßen für gut befindet
    – Freude an einem Abbiegeverbot zur Friedhofstraße hat
    – die Landesstraße zur Stadtstraße abstufen lassen möchte und
    sich somit sogar mögliche Zuschüsse für eine Graben-
    oder auch langfristige Tunnellösung verbaut.
    – keinerlei Verantwortung zu übernehmen hat

    Die WVÜ und Innenstadt-Initiative
    – eine Totalsperrung ablehnen
    – eine Erreichbarkeit der Altstadt für alle Autos weiterhin
    fordern
    – lediglich Busse aus der Altstadt verschwinden sollen
    – der Verkehr in der Franziskaner- und Christophstraße sich
    schnell auflösen soll.
    – die Verantwortung die Stadtverwaltung übernehmen soll
    – keinerlei eigene Lösungsvorschläge vorhanden sind

    Da bin ich ja mal sehr auf das Ergebnis gespannt. Als Nicht-Altstadt Bewohner wünsche ich mir, dass als erstes auf die Bewohner in Überlingen geschaut wird. Der Verkehr durch die Wohngebiete ist menschenunwürdig! Irgendwann hat Überlingen keine Anwohner mehr und somit wird sich auch die Kaufkraft reduzieren.

  2. dk
    9. April 2010 at 09:42 #

    Auch zwischen Abteilungen in Wirtschafts-Unternehmen gibt es Zielkonflikte mit Vor-/Nachteilen und Entscheidungen darüber müssen dann in eine strategische UN-Planung eingebettet werden, wobei ein möglichst breiter Konsens mit den betroffenen Stellen angestrebt wird, damit die Akzeptanz und die übergeordneten Zielsetzungen erhalten bleiben. Kurz- und langfristige Engpässe können Betrieben erheblichen finanziellen Schaden zufügen (z.B. Flaschenhals der Produktion).

    Übertragen auf stadtpoliti. Verhältnisse könnte man 2 Moderationen durchführen:

    1) mit den beteiligten Interessensgruppen

    als Materialsammlung zum Problem inkl. Lösungsvorschläge inkl. Nebenwirkungen auf andere Bereiche.

    2) mit den politischen Gremien

    als Entscheidungsträger, welche die übergeordnete strategische Sichtweise zur Stadtentwicklung verkörpern und die zuvor erarbeiteten Lösungsansätze (s.1) gewichten und beraten, um zu einer optimalen Entscheidung (max. Zufriedenheit bei minimalen Bauchschmerzen) zu finden.

    Das Problem wäre dann eher die teilweise Personalunion von Gruppe 1 + 2 und politsche Eigenarten des „Lager-Wahlkampfes“ und der „mediale Selbstdarstellungs-Zwang“.

    Grüsse aus KN an Verwandte in ÜB: Verkehrsstaus bringen sogar Unbekannte näher (hier nur etwas Vergessene).

  3. sparring
    9. April 2010 at 19:19 #

    Der Gedanke von „dk“ ist garnicht schlecht. Warum bei der
    Moderation nicht die Interessengruppen erst einmal aufsplitten, um gruppenspezifische Erfahrungen und Grundlagen zu sammeln
    a) in vom Verkehr heute und morgen Betroffene
    b) in politische Entscheidungsträger (Stadt/Stadtrat).
    In einer zweiten Phase könnte dann versucht werden, einiger-maßen deckungsgleiche Teile zusammengetragen und eine echte Optimierung ins Auge zu fassen. Sollte das nicht gehen oder
    abgelehnt werden, dann kann man das Ganze auch gleich lassen.
    „wasted time !“

    — sparring —

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