Mord auf dem Säntis

Konstanzer Stadttheater kündigt Theater nach einem wahren Verbrechen an

Konstanz (wak) Wenn das Konstanzer Stadttheater nach der Sommerpause in seine neue Spielzeit startet, steht 2011 auch ein Mord auf dem Spielplan. Im Rahmen des 23. Internationalen Bodenseefestivals will Theaterintendant Christoph Nix den „Mord auf dem Säüntis“ inszenieren. Den Stoff liefert ein wahrer Mord, der vor fast 90 Jahren auf dem Schweizer Berg tatsächlich geschah.

Theatermord auf dem Berggipfel

Wahre Verbrechen üben auch auf den Konstanzer Theaterintendanten, der von Haus aus Jurist ist, einen besondere Faszination aus. Nix wütet. Er spekuliert: Eifersuchtsdrama? Wahnsinnstat? Noch befindet sich der Theatermann im Stadium der Recherche. „Was passierte damals wirklich auf dem Säntis?“, fragt der Theaterregisseur. Ähnlich aufregend wie das Stück selbst ist der Ort der Aufführung, den Nix ins Auge gefasst hat. Aufgeführt werden soll es auf dem Säntisgipfel 2501 Meter über dem Meer.

Zwei Tote auf dem Schweizer Berg

1882 wurde der Säntis zum Wetterberg. Die meteorologische Kommission der Schweizer Naturforschenden Gesellschaft errichtete eine Wetterstation. Ein Zimmer des Berggasthauses diente von da an erst einmal als Telegrafenbüro. Am 21. Februar 1922 spielte sich in der Einsamkeit hoch oben auf dem Berg eine Tragödie ab – der Mord auf dem Säntis. Die Opfer waren der Wetterwart Heinrich Haas – der auf dem Gipfel seinen Dienst tat – und seine Frau Maria Magdalena. Täter war – so ist es überliefert – der St. Galler Schustergeselle Gregor Anton Kreuzpointner. Er hatte 1919 die Stelle von der Meteorologischen Zentralanstalt nicht erhalten, auch weil damals für den einsamen Ort ausdrücklich ein Ehepaar verlangt war.

Verbindung brach ab

Vier Tage lang kamen keine telegrafischen Berichte mehr vom Gipfel. Zwei Säntisträger – die erste Säntis Schwebebahn wurde erst ab 1933 gebaut und 1935 eröffnet – fanden die Opfer. Das Ehepaar wurde mit Dum-dum-Munition erschossen. Niemand hatte von dem Drama, das sich auf dem Gipfel des Säntis abspielte, zuvor auch nur etwas geahnt. Im Winter war die Wetterstation auf dem Berg oft tage- oder sogar wochenlang völlig abgeschnitten von der Außenwelt im Tal.

Unklares Mordmotiv

Kreuzpointner, er soll ein hervorragender Skifahrer gewesen sein, war nach dem Mord geflohen. Er erhängte sich später in einer Alphütte. Über die Motive des Säntismords wurde seither immer wieder spekuliert. Bargeld und Trachtenschmuck waren gestohlen. Die Stöpsel an der Telegrafenverbindung waren, so heißt es, heraus gerissen. Vielleicht, so sagte es Nix, gab es ein politisches Motiv? Haas war Sozi. Im Film „Der Berg“ hatte Markus Imhoof 1992 seine eigene Version vom Mord erzählt. Die Fantasie von Nix hat wohl beides befeuert: Die wahre Begebenheit und die Interpretation des Filmemachers.

Von Frauen und Männern

Streng genommen passt das Stück wohl inhaltlich gut zum Titel, der die ganze kommende Spielzeit überspannt: „Ladies and Gentlemen, kämpfen wir noch?“, heißt es da. Im Mittelpunkt stehen starke Frauen- und Männerfiguren. Ulrike Maria Stuart, Bonnie & Clyde, Mutter Courage und ihre Kinder, Michael Kohlhaas, die Kameliendame, König Lear und eben auch das Ehepaar Haas und sein Mörder. Das das am Kriminalstück interessierte Theaterpublikum muss sich allerdings gedulden – bis Mai kommenden Jahren. Los geht es mit der neuen Spielzeit im Oktober erst einmal mit Die Geier Wally und Woyzeck.

Foto: Arthur Seegert PIXELIO

www.pixelio.de

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