Mühlen in und um Friedrichshafen

Ernst Haller Ex-Geschäftsführer der Messe stellte Buch vor

Friedrichshafen (sig) In der Sparkasse wurde gestern Abend das Buch „Mühlen in und um Friedrichshafen“ von Ernst Haller vorgestellt. Das im Verlag Robert Gessler gedruckte Werk beschreibt 14 ehemalige Mühlen auf dem heutigen Stadtgebiet von Friedrichshafen.

Autor Ernst Haller, ehemaliger Geschäftsführer der Messe, veröffentlichte bisher Arbeiten zur einheimischen Fasnacht, zur Geschichte des Weinbaus und der Luftfahrt sowie zur Entwicklung der Friedrichshafener Messe.

Mit seinem neuen Buch findet eine langjährige Forschungsarbeit zur Geschichte der einstmals für das Wirtschaftsleben der Regionen so bedeutenden Mühlen ihren Abschluss. Die Dokumentation beschreibt die Geschichte der Mühlen von ihrer ersten urkundlichen Erwähnung bis hin zu manchen Fällen mit einem tragischen Ende. Aufgezeichnet wurden Namen und Schicksale von Müllerfamilien mit vielen interessanten Episoden.

Vierzehn Mühlen gab es um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, in den damals noch selbständigen Orten und in Friedrichshafen. Heute haben Mühlen Seltenheitswert. Da in neuerer Zeit das Interesse an historischen Mühlen zunimmt, wachsen auch die Bestrebungen, die heute noch vorhandenen Mühleneinrichtungen zu erhalten.

Die Mühle in Fischbach, die bis 1993 in Betrieb war, verfügt über eine funktionierende Inneneinrichtung mit Wasserrad. Verbunden mit Führungen wird sie regelmäßig zum Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von historischer Bedeutung ist die Mühle in Kluftern, die sich heute noch etwa in einem Zustand wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts befindet. In Ittenhausen gibt es derzeit Bestrebungen, ein verlassenes Mühlengebäude zu restaurieren und es mit neuem Leben zu erfüllen.

Mehr als ein Jahrtausend prägten Mühlen entscheidend das Wirtschaftsleben in Oberschwaben. Die in dem Buch von Ernst Haller aufgeführten Mahlmühlen können alle auf ein Alter zwischen rund 200 und 1100 Jahre zurückblicken. Von den nahezu 100 Mühlen im ehemaligen Oberamt Tettnang und dem Altkreis Überlingen, die es um die Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert noch gab, sind 97 Prozent dem Mühlensterben zum Opfer gefallen. Nur in Langenargen arbeitet noch die Mühle von Albrecht Karge, in Oberboshasel, an der Deggenhauser Aach die „Talmühle“ von Elmar Pfisterer und die Getreidemühle von Ulrich Wolf in Neufrach. Gleichzeitig hat in den vergangenen Jahren das Interesse an historischen Mühlen allgemein deutlich zugenommen.

Wenn Mühlen Geschichten erzählen

„Einst waren landauf, landab die klappernden Wassermühlen lebensnotwendig für alle“, schreibt Ernst Haller. Allein an dem relativ kleinen Bachlauf der Brunnisach befanden sich früher sieben und an der wasserreicheren Rotach gar über 20 Mühlen. Ob Mahlmühle, Sägemühle oder Ölmühle, alle haben sie eine Jahrhundert alte Geschichte zu erzählen.

Die Hauptzeit urkundlicher Mühlennennungen in Oberschwaben fällt im Wesentlichen in die Zeit des 15. Jahrhunderts. Mühlenfachleute gehen aber davon aus, dass viele der erstmals urkundlich erwähnten Mahlmühlen bereits älteren Ursprungs sind. Genau diese Erkenntnis wird mit den Daten der Ersterwähnung bei den meisten der im Buch beschriebenen 14 Mühlen bestätigt. So datieren die Mühle in Ittenhausen auf 1198 und die Fischbacher Eichenmühle auf 1242. Da Mühlen vom Mittelalter bis zum Beginn der Industriealisierung hohe wirtschaftliche Bedeutung hatten und auch für diese Zeit einen hohen technischen Standard aufwiesen, findet sich darüber umfangreiches und meist lückenloses Material in den Archiven.

Das Buch stellt vor allem die Mühlen in Zeit und Umfeld ihrer Existenz vor. Eine recht wechselvolle Geschichte, mit vielen Höhen und Tiefen, auch verbunden mit menschlichen Schicksalen, liegt hinter ihnen. Inzwischen sind aber auch hier, wie bei fast allen Mühlen im Lande, die Räder zum Stillstand gekommen.

Möglicherweise haben aber die beiden Mühlen Fischbach und Kluftern doch noch eine Zukunft als Mühlenmuseum, vermutet Ernst Haller.

Info: „Mühlen in und um Friedrichshafen“ von Ernst Haller, 128 Seiten, erschienen im Verlag Robert Gessler, Ladenpreis 11,80 Euro, erhältlich im Buchhandel, ISBN 978-3-86136-138-1.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.