Museumschef Tobias Engelsing äußerte sich

Vier Tage vor dem Bürgerentscheid wird Wahlkampf hoch emotional

Konstanz (wak) Vier Tage vor dem Bürgerentscheid erreicht der hoch emotionalisierte Wahlkampf in Konstanz seinen Höhepunkt. Weiter geht bis Sonntag aber auch die sachliche Auseinandersetzung. Offenbar treibt die Sorge um die finanzielle Machbarkeit des Projekts immer mehr und Konstanzer um.

Frage der Finanzierbarkeit im Fokus

Entsprechend geäußert hatten sich zuletzt Stadtrat Jürgen Leipold (SPD), der Vorstand des Stadtsportverbands, der erklärte, ein KKH betreffe alle Konstanzer, und aktuell auch der Direktor der Städtischen Museen, Tobias Engelsing. Am Montag hatte die Onlinezeitung SeeMoZ in einer Reihe auch die Stellungnahme Engelsings veröffentlicht. Gegenüber der Onlinezeitung hatte Engelsing – juristisch wasserdicht formuliert – unter anderem erklärt, dass ihn neben den Chancen auch die „Fragen nach den finanziellen Risiken“ bewegen. Günther Schäfer, Sprecher der Initiative Nein zu Klein Venedig, sprach in einer Pressemitteilung „von einer sensationellen öffentlichen Stellungsnahme“ des Chefs der Museen.

Engelsings Stellungnahme im Wortlaut

Gesagt hatte Engelsing wörtlich: „Zum KKH gibt es Gemeinderatsbeschlüsse, an die ich als Amtsleiter dienstrechtlich gebunden bin. Insoweit verweise ich als Leiter der Museen auf die Beschlusslage. Als Bürger dieser Stadt sehe ich jedoch die unbedingte Notwendigkeit eines Konzerthauses für die Philharmonie. Beim konkret zur Abstimmung stehenden Projekt bewegen mich neben den Chancen aber auch die Fragen nach den finanziellen Risiken und danach, ob das Kongressgeschäft künftig im erhofften Umfang blühen werde. Für den 21.3. wünsche ich meiner Heimatstadt, dass viele Wahlberechtigte abstimmen und das Quorum für Ja oder Nein erreicht werde.“

Finanzielle Risiken

Klartext geredet hatte zum Thema Finanzen bereits der Kämmerer der Stadt, Hartmut Rohloff, und in der vergangenen Woche auch noch einmal die SPD. Inklusive des KKK und des Klinikums, würde die Stadt bis in drei Jahren 143 Millionen Euro Schulden anhäufen, rechnete die SPD vor. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Jürgen Leipold, warnte vor geringeren Einnahmen und größeren Ausgaben: Im Verwaltungshaushalt fehlen laut Leipold 2011 aufgrund geringerer Zuweisungen aus dem kommunalen Finanzausgleich und höherer Zahlungsbeträge bereits voraussichtlich 14 Millionen Euro. Die Stadt Bochum musste aufgrund ihrer finanziellen Lage den Neubau eines Konzerthauses für die Bochumer Symphoniker bereits auf Eis legen.

KKH -jetzt?

Zweifel darüber, ob ein Konzerthaus ein Zukunftsprojekt ist, haben zudem nicht nur Konstanzer Wahlkämpfer: Dr. Martin Tröndle, Juniorprofessor, für Kulturbetriebslehre und Kunstforschung an der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen, hatte jüngst behauptet, Deutschlands Konzert- und Opernhäusern drohe angesichts einer massiven Überalterung des Publikums schon in naher Zukunft ein dramatischer Niedergang. Mehr als 6000 Konstanzer haben bereits Briefwahlunterlagen beantragt und viele haben sich schon entschieden.

Ein Kommentar to “Museumschef Tobias Engelsing äußerte sich”

  1. Fenedig
    17. März 2010 at 16:18 #

    Herrn Tröndle’s „Forschungsergebnisse“ korrelieren mit dem Gesamtpaket Klein-Venedig nur randständig. In seiner Publikation probiert er einen allgemeinen musikalischen Rundumschlag als Momentaufnahme. Viele seiner Thesen liessen sich (üblicherweise) von anderen Kulturwissenschaftlern zumindest relativieren. Es ist andererseits bei seinen „Befürchtungen“ kulturpädagogisch wiedermal sinnvoll zu fragen, wie sich die Bedingungen der Musikerziehung an den Schulen unseres Kulturlandes entwickeln, was ist wie zu fördern, wie kann der multimediale Musiküberhang, dem gerade die Jugend im Wortsinn „auf Schritt und Tritt“ ausgesetzt ist, in die Kulturdiskussion einbezogen werden. Wenn allerdings ein „Z-Juniorprofessor“ an einer bestimmten Sparte der Musikkultur selbst zu zweifeln begänne, dann unterschätzte er die Kraft der Herren Orlando di Lasso-Monteverdi-Purcel-Vivaldi-Händel-Mozart-Beethoven-Verdi-Denbussy, Schönberg-Bartok-Penderecki-Henze-Rihm-(Frau) Gubaidulina und wie sie alle heissen die Jahrhunderte hindurch: Komponisten, Instrumentalisten (-innen), Sänger (-innen), Orchester, Dirigenten (-innen), usw. Herr Engelsing seinerseits betont (als Bürger) die Notwendigkeit eines Konzerthauses für Konstanz. Wenn er – kongressbezogen – bei Klein-Venedig nicht alles so arg euphorisch sehen möchte, so stellt er doch die Sinnfälligkeit des gesamten Projekts nicht in frage. Und dass bei allen Finanzierungsvorlagen auch immer Risiken bestehen, bezweifeln selbst die euphorischsten Befürworter nicht, sehen jedoch im Gesamtpaket – im Gegensatz zu den Gegnern – deutlich mehr Chancen als Risiken für die Stadt der Zukunft.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.