Nach Labor-Test: Reichenau-Gemüse frei von Ehec-Erregern

Nachfrage auch nach Tomaten und Gurken von der Reichenau brach trotz Test ein – Antibiotika helfen Erkrankten nicht

Kreis Konstanz. Die Reichenau Gemüse eG hat Gemüse von der Insel von einem unabhängigen Labor mikrobiologisch untersuchen lassen. Weder auf Tomaten, Eichblattsalat, Fenchel, Böumenkohl, Radicchio oder  Gurken sind Ehec-Erreger gefunden worden. Trotzdem vernichten die Gemüsebauern weiterhin täglich 50.000 Gurken. Die Kunden kaufen nicht mehr. Das sagte Christian Müller, stellvertretender Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG.

Verzicht auf rohes Gemüse

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt derzeit weiterhin vorsorglich Tomaten, Salatgurken und Blattsalate nicht roh zu verzehren. Diese Warnung gelte insbesondere auf in Norddeutschland erhältliche Ware. So steht es auf der Website des Robert-Koch-Instituts. Bei einem Vortrag am Donnerstagabend in Konstanz informierte der Arzt Dr. med. Stefan Bushuven über „Multiresistente Keime“, auch über Ehec. Der Mediziner hat den den Zuhörern empfohlen, auf rohes Gemüse zu verzichten und sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu halten. Auch den Verzehr von Reichenauer Gurken wollte der Arzt nicht empfehlen.

Keine Gülle oder Mist auf der Reichenau

In Zusammenhang mit Ehec informiert die Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG auf ihrer Website unter „Aktuell“: „Reichenau-Gemüse wird gänzlich ohne Einsatz von Gülle, Mist, Klärschlamm oder ähnlichen organischen Düngern kultiviert.“ Das Beregnungswasser, mit dem Gemüse im Freilandanbau gewässert werde, müsse Mindeststandards und Mindestqualitäten aufweisen. Die Reichenau-Gemüse stelle ihren Gärtnern über die eigene Beregnungsanlage untersuchtes Beregnungswasser zur Verfügung. „Das Wasser kommt aus dem größten Trinkwasserspeicher Europas, dem Bodensee“, heißt es auf der Webiste Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG.

Labor-Test von Reichenau-Gemüse

Der stellvertretende Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG Christian Müller sagte, auch in „normalen“ Zeiten würden turnusmäßig Rückstandanalysen gemacht. Im Fokus seien Pflanzenschutzmittel Anders ist die Lage zur Zeit. Wegen der Ehec-Infektionen gaben die Reichenauer Laboruntersuchungen in Auftrag. Die Prüfberichte hat die Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG aktuell ins Internet gestellt. Weder auf Tomaten, Eichblattsalat, Fenchel, Radicchio, Blumekohl noch Gurken sind Ehec-Erreger gefunden worden. Das berichtet auch Fruchthandel Newsnet.  Beprobt worden sind auf der Reichenaus alle Betriebe, die zur Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG gehören. Am Freitag fehlten bei Gurken allerdings noch wenige Ergebnisse. Der Grund: Die Labore seien überlastet, so Christian Müller.

50.000 Gurken täglich vernichtet

Trotzdem ist die Nachfrage nach Gemüsesorten, von deren Verzehr abgeraten worden ist, um 80 Prozent eingebrochen. Er hat wenig Hoffnung, dass sich an der Situation etwa ändert, so lange die Quelle der Infektion noch nicht gefunden ist. Nach Aussage von Christian Müller müssen die Reichenauer Gemüsebauern täglich 50.000 Gurken entsorgen. Bei Temperaturen von 25 Grad und Sonnenschein sind die Wachstumsbedingungen für Salat, Tomaten, Gurken & Co auf der Gemüseinsel im Moment ideal. Wenn die Verbraucher das Gemüse liegen lassen, bleibt den Produzenten nichts anders übrig, als die Erzeugnisse zu vernichten. Die Schadenssumme könnten die einzelnen Betriebe aktuell noch nicht beziffern.

Laufend weitere Tests des Gemüses

Um die Verbraucher zu informieren und zu belegen, dass auf Gemüse von der Insel Reichenau weiterhin keine Ehec-Erreger gefunden worden sind, gingen die Kontrollen und Laboruntersuchungen weiter. Verbraucher finden die Ergebnisse der Tests auf der laufend aktualisierten Website der Reichenau-Gemüse-Vertriebs eG. Mehr können die Gemüsebauern nicht tun – und Sicherheit gibt es eigentlich nicht. „Natürlich esse ich Gurken“, sagte Christian Müller wenig überraschend. Das Vertrauen vieler Verbraucher sei aber dahin.

Hygieneregeln einhalten

Der Arzt Dr. med. Stefan Bushuven hatte am Donnerstagabend bei einem in einem wissenschaftlich fundierten Vortrag auf Einladung der Piratenakademie nicht nur über „Multiresistente Keime“ aufgeklärt, sondern auch Fragen zu Ehec beantwortet. Er riet dringend zum Verzicht auf Rohmilch und empfahl auch den Verzicht auf rohes Fleisch. Er plädierte für Prävention und die Einhaltung von Hygieneregeln in der Küche. Zum Schneiden von Gemüse und Fleisch sollte nie dasselbe Messer verwendet werden. Vor allem aber helfe häufiges Händewaschen – und Händewaschen nach dem Gang auf ein WC ist unerlässlich.

Bestimmte Zahl von Erkrankungen normal

Weiter sagte Bushuven, dass die Erkrankung eines Kleinkinds im Hegau nicht in Zusammenhang mit den gehäuft auftretenden Fällen stehen müsse – dass ein bestimmter Prozentsatz Kinder erkrankten, sei nichts außergewöhnliches. Auf gar keine Fall sollten sich Patienten, die unter blutigem Durchfall leiden, selbst therapieren, so Bushuven, der als Arzt am Singener HBH-Klinikum arbeitet. Der Arzt warnte Patienten: Die Gabe von Antibiotika würde die Erkrankung nur verschlimmern, da andere Keime abgetötet würden und sich der Ehec-Erreger deswegen noch schneller ausbreiten könnte.

Reuters meldet: http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE75209T20110603

Foto: wak

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