Nach Taximorden tragen Taxis am Bodensee Trauerflor

Welke Blumen erinnern am Tatort in Hagnau an Mord an Taxifahrerin

Hagnau (wak) Sicherheit gibt es nicht, sagt ein Taxifahrer. Er ist am Dienstagmittag zum Tatort nach Hagnau gekommen. Er ist fassungslos und auch ein bisschen wütend, dass so etwas an einem solch belebten Ort passieren konnte. Die 32 Jahre alte getötete Taxifahrerin kannte der Mann persönlich. Er sagt, sie sei nicht nur eine Kollegin gewesen, sondern eine Freundin.  Er fordert jetzt eine Art Webcam im Auto, die automatisch ein Bild von jedem Fahrgast macht und es in die Zentrale mailt. Ein Pfefferspray zur Selbstverteidigung dürfe er nicht mit an Bord haben, sagt er.

Auf der Strandbadstraße nur Fahrräder

Schwere, feuchte schwarzgraue Wolken hängen über dem Bodensee. Auf dem Parkplatz vor dem Hagnauer Rathaus stehen die Busse der Fernsehstationen. Zwei Tage nach der Festnahme des Taximörders informieren die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Hagnau die Medien. Auf dem schmalen Sträßchen, das vom Ortsrand zum Campingplatz und zum Strandbad führt. Trotz des Auflaufs von Medienmenschen sind keine Fernsehteams zu sehen, sondern nur Fahrradfahrer unterwegs. Autos müssen hier langsam fahren. Auf dem Sträßchen gilt Tempo 30. Auf den Schildern stehen Namen wie „Seeblick“ oder „Alpenblick“.

Scheinbare Camper-Idylle

Dauercamper haben sich in Hagnau wahrscheinlich schon die besten Plätze reserviert. Wohnmobile mit Satellitenschüsseln auf dem Dach und große Hauszelte reihen sich aneinander. Der Blick auf den Bodensee ist frei. Nur das Rauschen der Bundesstraße 31 stört die Camper. An einen Tatort erinnert hier auf den ersten Blick nichts.

Vorbei am markanten Strandbadgebäude

Wenige Schritte weiter beginnt das Strandbadgelände. Das Strandbad ist ein öffentlicher Badeplatz – Eintritt frei. Die Fassade des Strandbadgebäudes ist mit einem kräftigen Rot getüncht. Die Straße, auf der die Fahrradfahrer in Richtung Kirchberg, Immenstaad und Friedrichshafen unterwegs sind, knickt ein paar Meter weiter scharf nach links ab.

Weg zum Tatort

Auf dieser Strecke war am Mittwoch vergangener Woche auch die 32 Jahre alte Taxifahrerin aus Friedrichshafen unterwegs, die mitten in dieser scheinbaren Strandbad- und Campingplatzidylle brutal ermordet wurde. Das grausame Verbrechen hat die Menschen in Hagnau fassungslos gemacht.

Taxifahrerin auf Autofähre ahnungslos

Mit ihrem Mörder, der um 9 Uhr am Stadtbahnhof in Friedrichshafen zu ihr ins Taxi gestiegen war, fuhr die Taxifahrerin am Mittwoch zuerst auf dem Landweg zur Insel Mainau. Mit der Autofähre Konstanz-Meersburg setzte das Taxi zwei Stunden später – es war die 11 Uhr Fähre – wieder ans nördliche Seeufer nach Meersburg über. Zu diesem Zeitpunkt ahnte die Frau noch nicht, dass der mit russischem Akzent sprechende Fahrgast neben ihr ein eiskalter Mörder sein könnte, der wenige Stunden zuvor eine 44-Jährige in Singen brutalst mit einem Messer verletzt und vergewaltigt hatte. Nach der ersten Tat hatte sich der Mörder nur eine frische Jeans und ein neues T-Shirt angezogen.

Erster Notruf um 11.41 Uhr

Die Fähre legte um 11.15 Uhr fahrplanmäßig in Meersburg an. An Bord sollen die beiden, mutmaßlicher Mörder und späteres Opfer, miteinander herumgeshakert haben. Dem Fährepersonal fiel nichts Ungewöhnliches auf. Die Frau hatte da nicht einmal mehr eine Stunde zu leben. Um 11.41 Uhr ging bei der Polizei in Friedrichshafen ein Notruf ein. Um 11.55 Uhr war die 32 Jahre alte alleinerziehende Mutter, die zwei Kinder im Grundschulalter hinterlässt, tot. Der Notarzt konnte ihr nicht mehr helfen. Der mutmaßliche Mörder hatte die Taxifahrerin mit einem Springmesser tödlich am Hals verletzt. An der linken Hand hatte die Frau Abwehrverletzungen – eine Chance hatte sie nicht.

Schutzlos imTaxi

Die Bodenseeregion stand angesichts der brutalen Verbrechen unter Schock. Die Menschen waren verunsichert. Angst hatten, bis der mutmaßliche Mörder am Sonntagabend gefasst war, vor allem aber die Taxifahrerinnen und die Taxifahrer. Gegen einen Gewalttäter, der zu ihnen ins Fahrzeug steigt, können sie sich kaum wehren. Auch die 32 Jahre alte Frau war ihrem Mörder schutzlos ausgeliefert und helfen konnte ihr offenbar auch niemand.

Letzte Ausfahrt Rettungszufahrt Strandbad

Am Tatort liegen noch Blumen und rote Grablichter brennen. Ein Kollege der Frau, der gekommen ist, um der Toten zu gedenken, blickt ratlos um sich. Er kann nicht verstehen wie das Verbrechen an diesem Ort passieren konnte. Auf dem Asphalt sind noch Markierungen der Polizei zu sehen. Das Taxi stand, als es am Tattag entdeckt wurde, vor einem geschlossenen schweren Tor. Das Taxi war, bevor die Straße eine scharfe Kurve nach links macht, nach rechts in eine kleine Sackgasse eingebogen. Die Fahrt endete vor dem Tor, der Rettungszufahrt zum Strandbad.

Mutmaßlicher Mörder schweigt

Der Taxifahrer sagt, der Täter wollte hier sicher nicht hin. Das sei kein Platz, an dem ein Straftäter eine Frau vergewaltige. Der Taxifahrer mutmaßt, dass die 32-Jährige abgebogen sein könnte, um Strandbadbesucher auf sich aufmerksam zu machen. Auf der Autofähre, wo ihr viele Menschen hätten helfen können, war sie noch arglos. Irgendwo auf der Strecke zwischen Meersburg und Hagnau muss der mutmaßliche Mörder das Messer gezückt haben. Der Tatverdächtige sitzt jetzt in Konstanz in Haft. Der Mann, der vor zehn Jahren aus Sibirien nach Deutschland kam, schweigt.

Webcam an Bord

Der Taxifahrer, der am Dienstag zum Tatort gekommen ist, sagt, Notrufe, die die Zentrale entgegen nimmt, oder Notknöpfe nützten nichts. Wenn ein Kollege den Knopf drücke, kämen nur über Funk Anfragen aus der Taxizentrale oder von Kollegen aus dem Lautsprecher, die wissen wollten, ob der Betreffende ein Problem hätte. Der Taxifahrer beklagt, dass Passanten einen Taxialarm eher ignorieren als nachzuschauen. Sinnvoll fände er eine versteckte Nottaste unterm Lenkrad, die ein Fahrer drei Sekunden lang gedrückt halten müsste und die einen Notruf direkt zur Polizei senden würde. Vorstellen könnte sich der Taxifahrer auch eine Kamera, die automatisch ein Foto von jedem Fahrgast macht und es übers Internet an die Zentrale schickt. Doch wie viel Sicherheit würde ein Schnappschuss bringen, auf dem ein Fahrgast vielleicht eine Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen hat und eine dunkle Sonnenbrille trägt? Datenschützer wären wahrscheinlich empört, obwohl Google ganz selbstverständlich Straßenzüge abfotografiert und sich mit Handydaten längst Bewegungsprofile von Mobiltelefonierern erstellen lassen. Was wäre verhältnismäßig? Was brächte mehr Sicherheit? Sein Pefferspray habe ihm die Polizei abgenommen, sagt der Taxifahrer. Er macht den Eindruck, als ob er dafür kein Verständnis hat.

Taxis tragen Trauerflor

Die Taxis am Bodensee tragen nach dem Mord Trauerflor. Die Kollegin sei einfach nur nett gewesen, sagt der Taxifahrer. Die Stadt Friedrichshafen und die Gemeinde Hagnau haben am Montag ein Spendenkonto für die Hinterbliebenen des Mordopfers eingerichtet. Die Frau hatte zwei kleine Kinder. Die Spenden sollen ausschließlich den Kindern der alleinerziehenden Mutter zugute kommen.

Hier geht es zu einem Beitrag über die Spendenaktion.

Fotos: wak

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