Nach Vhs-Kündigungen im Kreis Konstanz: Nach der fristlosen Serienkündigung 60 Seiten Begründung

Vhs-Leiter heute bei Landrat Frank Hämmerle – Schlagzeilen nach dem Rauswurf garantiert

Konstanz/Singen. Nach der vierten fristlosen Kündigung ist nun auch die Begründung für den Rausschmiss eingetroffen. Viel klüger sind Gabi und Reiner Schmidt, die beiden geschassten Führungskräfte der Volkshochschule (vhs) Konstanz-Singen und deren Anwalt trotzdem nicht. Heute soll ein Gespräch mit Landrat Frank Hämmerle (CDU), dem Vorstandsvorsitzenden des kommunalen Bildungsunternehmens, weiter helfen. Das Interesse der Medien ist garantiert. Nach dem Maultaschenfall dürfte demnächst die Multifristloskündigung verdienter Konstanzer vhs-Mitarbeiter Schlagzeilen machen.

Kündigungen mit Existenz-vernichtendem Charakter

Das Verdikt hatte existenzvernichtenden Charakter: Am 6. August dieses Jahres wurde Reiner Schmid, dem Verwaltungsleiter der vhs Konstanz-Singen, fristlos gekündigt, ebenso seiner Frau Gabi Schmid, der Abteilungsleiterin für den vhs- Bereich Gesundheit. Gabi Schmid war bis dahin pro Jahr für gut 400 Kurse und Veranstaltungen verantwortlich. Verbunden mit der fristlosen Kündigung war die Einstellung jeder Gehaltszahlung. Die Kündigungen der beiden Mitarbeiter wurden dann wiederholt, ebenso fristlos und zum 23. August. Die dritte, auch wieder fristlose Doppelkündigung erging zum 17. September, und inzwischen ist Anfang Oktober die vierte fristlose Doppelkündigung ausgesprochen worden, erstmals mit einer ausführlichen Begründung, die, wie man hört, weit über 60 Seiten lang sein soll.

Die Farce der dubiosen Serienkündigung

Die Farce einer solchen Serienkündigung dürfte im juristischen Hintergrund zu suchen sein: Wahrscheinlich waren die ersten zwei Doppelkündigungen schon deswegen wirkungslos, weil sie von einem vhs-Vorstand ausgesprochen worden waren, der (weil nicht rechtzeitig wieder gewählt) gar nicht mehr in Amt und Würden war. Und der dritten Doppelkündigung fehlte es an der rechtzeitigen Begründung, die „auf Verlangen“ der Gekündigten spätestens innerhalb von 14 Tagen nachgereicht werden muss. Genaueres ist bislang nicht zu erfahren. Die vhs-Vorstandschaft um Landrat Frank Hämmerle hüllt sich weitgehend in Schweigen. Lediglich der Singener Bürgermeister Bernd Häusler liess sich zu einem kurzen Statement hinreissen, in dem er „notfalls eine vierte Kündigung“ in Aussicht stellte, falls den ersten drei Doppelkündigungen die erwünschte Rechtskraft fehle.

Die neusten Prüfungen kosteten wohl weit über 30.000 Euro

Ein Fall für sich ist das Bemühen des vhs-Vorstands um ein genehmes Prüfungsergebnis der jüngsten Jahresabschlüsse. Diese Rechnungsergebnisse, die von Verwaltungsleiter Reiner Schmid seit zwei Jahrzehnten angefertigt werden, wurden bis 2004 im dreijährigen Wechsel von den Rechnungsprüfungsämtern der Städte Konstanz und Singen sowie vom Rechnungsprüfungsamt des Landkreises begutachtet. Nach einer Umorganisation der vhs im Jahre 2004 war dafür nur noch der Landkreis zuständig. Nach interner Kritik am Verfahren liess Landrat Hämmerle die Prüfung der Jahresabschlüsse ausschreiben. Das günstigste Angebot machte ein Singener Steuerberater. Er soll, wie man hört, die Begutachtung für etwa 5000 Euro erledigt haben. Und dieser Prüfer hatte ebenso wenig zu beanstanden wie vor ihm die kommunal beschäftigten Prüfer. Doch das hat dem vhs-Vorstand – aus welchen Gründen auch immer – offenbar keine Ruhe gelassen. So kam es zu weiteren, bis jetzt mindestens 30.000 Euro teuren Prüfungen (der bereits für korrekt befundenen Jahresabschlüsse). Und nun wurden wohl endlich Verfehlungen zu Tage gefördert, die den Schmids angelastet werden können. Denen aber von Hämmerle längst bescheinigt worden ist, nichts in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben..

Welche Rolle spielen Lieby und die neue Direktorin?

Angesichts der bisher bekannt gewordenen Sach- und Faktenlage halten es Eingeweihte für unwahrscheinlich, dass sich der Konflikt aussergerichtlich lösen lässt. Unklar ist, welche Rolle Jana Mühlstädt-Garczarek, die seit Mitte des Jahres amtierende, neue Direktorin der vhs spielt. Bekannt geworden ist allerdings, dass sie sich nach einer über dreimonatigen, krankheitsbedingten Ausfallzeit zu Beginn des Jahres mit Rainer Lieby, dem Hauptamtsleiter und Personalchef des Landratsamts, abgestimmt habe, in der vhs „aufzuräumen“. Selber zu erreichen ist Jana Mühlstädt-Garczarek an ihrem Arbeitsplatz praktisch nie. Sie sei, so die dortige Sekretärin, „sehr viel unterwegs“ – eine Einschätzung, die der Singener Erste Beigeordnete Bernd Häusler lebhaft unterstützt. Die neue Direktorin habe „angesichts der Ausfälle von Reiner und Gabi Schmid wahnsinnig viel“ zu tun, und sie mache “das hervorragend“. Von einer schützenden Hand der Direktorin für ihre Mitarbeiter Reiner und Gabi Schmid ist jedenfalls auch bei bestem Willen nichts auszumachen.

2 Kommentare to “Nach Vhs-Kündigungen im Kreis Konstanz: Nach der fristlosen Serienkündigung 60 Seiten Begründung”

  1. Sabine Häusler
    19. November 2010 at 09:49 #

    Auch von einer Online-Zeitung kann man doch erwarten, dass sie sich an die Regeln der Rechtschreibung hält!

  2. wak
    19. November 2010 at 10:09 #

    Der Autor schreibt nach Schweizer Regeln, also ss statt ß.

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