Nachgefragt: Wer ist eigentlich Tatjana Wolf?

Im Gespräch mit Landtagskandidaten im Wahlkreis Konstanz

Konstanz. Wählen oder nicht wählen und wenn ja, wen wählen? Diese Frage stellt sich den Wahlberechtigten in Baden-Württemberg am 27. März bei der Landtagswahl. Parteibindungen sind bei Wahlentscheidungen immer weniger wichtig. Während ein Teil der Wahlberechtigten eher strategisch wählt oder sich spontan für eine Partei entscheidet, spielt bei anderen die Persönlichkeit des Kandidaten eine große Rolle.

See-Online: Stellen Sie sich doch bitte einmal kurz vor: Verraten Sie uns Ihr Alter, wo Sie geboren sind, Ihren Beruf und wo und wie Sie leben.

Tatjana Wolf: 44 Jahre, geboren in Kassel, aufgewachsen in Bad Wildungen, Rechtsanwältin. Ich miete in der Händelstraße eine Wohnung im Haus eines sympathischen älteren Ehepaars.

See-Online: Weshalb haben Sie sich entschieden, ausgerechnet in Ihre und in keine andere Partei einzutreten?

Tatjana Wolf: Ich bin ja nicht mit 16 eingetreten, sondern mit Ende 30. Meine Partei entspricht meiner Lebenssituation: Freiberuflerin, selbständig und freiheitsliebend. Ich mag es nicht, wenn man mir sagt, mach das, mach jenes nicht. Ich möchte selbst bestimmen. Die FDP ist die Partei, die mir und der Gesellschaft den Raum zur Entfaltung lässt.

See-Online: Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Ministerpräsidentin wären?

Tatjana Wolf: Mein Steckenpferd ist die Gesundheitspolitik. Sie ist sehr komplex. Ich würde Baden-Württemberg gerne weiter zu einer Gesundheitsregion ausbauen, die national und international anerkannt ist, Medizintourismus anzieht und die Patienten davon profitieren, dass sich die Gesundheitsberufe in ihr optimal entfalten können.

See-Online: Partei- und Regierungsprogramme könnten wir im Internet lesen. Wir möchten Sie deshalb lieber persönlich ein bisschen näher kennenlernen. Sind Sie mit ein paar persönliche Fragen einverstanden?

Tatjana Wolf: Ja, klar.

See-Online: Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Politik Kommunikation ist? Macht es Ihnen Spaß, unter Menschen zu sein?

Tatjana Wolf: Ja und ja. Dass ich gern unter Menschen bin, bringt schon mein Beruf mit sich. An manchen Tagen telefoniere ich den ganzen Tag. Ich habe auch ein paar Ehrenämter. Manchmal muss ich erst den Schweinhund überwinden, um am Abend noch mal rauszugehen. Wenn ich unterwegs bin, macht es mir immer Spaß.

See-Online: Sind Sie gern draußen an der frischen Luft?

Tatjana Wolf: Ja. Ich komme nur selten dazu. Früher sind wir gesurft. Ich segle gern. Im Sommer gehen wir um sechs oder sieben Uhr noch mal raus auf den See. Etwas trinken, baden, das ist genial. Ich habe einen sportlich ambitionierten Partner. Die Schienerberg-Tour mit dem Rad mache ich manchmal gern, manchmal fluche ich auch. Das Beste sind die Einkehrpausen.

See-Online: Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag. Sie können nicht einkaufen. Was darf in Ihrem Kühlschrank an einem Sonntag auf gar keinen Fall fehlen?

Tatjana Wolf: Das Frühstücksei. Das gibt es nur sonntags. Und Orangensaft. Dann bauch‘ ich immer etwas Herzhaftes, gute Wurst.

See-Online: Wo haben Sie Ihre besten Ideen? Vielleicht unter der Dusche?

Tatjana Wolf: In der Badewanne. Oder, wenn ich raus komme auf den See oder kurz nach dem Aufwachen noch im Bett.

See-Online: Wie wichtig sind Ihnen Freunde? Wir meinen nicht politische Freunde, sondern Menschen, die Ihnen wirklich nahe stehen.

Tatjana Wolf: Ich habe nur wenig wahre Freunde, die sind für mich dafür aber umso wichtiger. Die erkenne ich auch daran, dass sie immer für mich da sind, obwohl ich eine grottenschlechte Beziehungspflegerin bin. Gute Freunde sind ein Spiegel. Sie sagen, was passt und was nicht.

See-Online: Wie wichtig ist emotionale Intelligenz und die Fähigkeit zu Empathie? Oder sind Sie ein reiner Verstandsmensch, dem Emotionen nicht so wichtig sind?

Tatjana Wolf: Emotionale Intelligenz ist wichtig. Erste Eindrücke sind entscheidend. Viele erste Entscheidung sind richtig. Es gibt Intuition. Ich höre oft auf sie und überprüfe Verstandesentscheidungen. Es muss beides, der Verstand und das Gefühl, stimmen.

See-Online: Viele Menschen haben ein Lieblingszitat oder einen Lieblingsspruch wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen…“ . Haben Sie auch so einen Satz?

Tatjana Wolf: Ich hatte schon mal so eine Frage. Etwas, das ich öfter sage und denke, ist: „Öfter geht mehr als man denkt.“ Man muss es nur ausprobieren.

See-Online: Besitzen Sie ein Smartphone?

Tatjana Wolf: Nee. Ich wünsch‘ mir aber eins, besonders seit ich an Weihnachten mit der Deutschen Bundesbahn gefahren bin und alle anderen die aktuellen Fahrpläne hatten, nur ich nicht. Aber ich bin ja kommunikativ.

See-Online: Lesen Sie Nachrichten lieber online oder in gedruckten Zeitungen?

Tatjana Wolf: Morgens schalte ich den PC an und lese online. Ich lese erst einmal quer. Was Konkretes lese ich lieber auf Papier. Ich drucke immer alles aus, auch E-Mails, obwohl ich weiß, dass es weder ökonomisch noch ökologisch ist.

See-Online: Nutzen Sie in Ihrer Freizeit Twitter oder Facebook oder finden Sie für sich persönlich soziale Netzwerke und Mikroblogging nicht ganz so wichtig?

Tatjana Wolf: Bis jetzt nutze ich sie gar nicht. Ich halte nichts von persönlichem Seelenstriptease und Zwang zur Dauerpräsenz. Schon durch E-Mails ist die Kommunikation sehr schnell geworden. Ich muss mich bei meiner Arbeit konzentrieren, und muss jedes Mal ein- und auschecken, wenn ich mich ablenken lasse.

See-Online: Wissen Sie welche Rolle Facebook in Tunesien spielte, Stichwort „Revolution im Internet“?

Tatjana Wolf: Nicht im Detail. Aber Facebook war der Multiplikator.

See-Online: Auch im Fall von „Stuttgart 21“ spielte sich viel im Internet ab. Nachrichten verbreiten sich über Twitter fast in Echtzeit. Haben Sie im Internet schon einmal fluegel.tv geschaut?

Tatjana Wolf: Nee. Klingt aber spannend, in fluegel.tv muss ich mal reinschauen. In Echzeit Bilder sehen, bedeutet sich selbst objektiv eine Meinung bilden zu können. Sonst geht es immer über einen Autor und die Meinung des Autors ist dazwischen. Bei Live-Bildern ist das anders.

See-Online: Apropos schauen: Gehen Sie lieber ins Kino oder schieben Sie eine DVD ein? Welchen Film sollten wir uns unbedingt einmal anschauen?

Tatjana Wolf: Lieber gemütlich zu Hause auf der Couch mit Decke, Chips und Bier. Ich mag Krimis. Am Sonntag gehört der „Tatort“ dazu. Ein paar Filme muss man auf der großen Leinwand sehen. Mehrmals angeschaut habe ich mir „Jenseits von Afrika“ und „Jenseits der Stille“.

See-Online: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welchen Headliner, welche Band oder welchen internationalen Künstler, würden Sie gern einmal im Bodensee-Stadion live spielen hören?

Tatjana Wolf: Hugh Masekela

See-Online: Jetzt doch noch zwei politische Fragen. Was halten Sie von Volksentscheiden?

Tatjana Wolf: Ich bin dafür. Das war ich schon immer. Ich finde es gut, wie es die Schweiz macht. Das funktioniert. Bei Projekten wie Stuttgart 21 kommt es darauf an, die Bürger mitzunehmen. Mehrheitsentscheidungen müssen aber anschießend akzeptiert werden und dürfen nicht wieder durch Aktionen gekippt werden. Es braucht Planungssicherheit. Im Falle von Stuttgart 21 ist es zu spät. Hier gibt es bereits eine verbindliche Entscheidung.

See-Online: Was haben Sie aus den Ereignissen in Zusammenhang mit Stuttgart 21 gelernt?

Tatjana Wolf: Dass man die Leute frühzeitig einbeziehen muss. Es gibt aber nicht nur eine Bring- sondern auch eine Hohlschuld. Die Bürger müssen auch frühzeitig die ihnen angebotenen Informationen abholen.

See-Online: Letzte Frage: Warum sollten wir ausgerechnet Sie wählen?

Tatjana Wolf: Gute Frage. Auf meiner Homepage habe ich geschrieben, weil ich problemlösungsorientiert bin. Mein Beruf bringt es mit sich, unterschiedliche Streitpositionen zu schlichten und vernünftige Vorschläge zu machen. Ich leiste gern Sacharbeit. Und noch einen Grund gibt es: Der Liberalismus besteht aus Wirtschaftsliberalismus, Schutz der Bürgerrechte und Sozialliberalismus. Wirtschaftsliberalismus und Schutz der Bürgerrechte sind richtig und wichtig. Aber auch der Sozialliberalismus ist wichtig. Wir müssen schauen, dass die Schwächsten und die Stärksten ihren Platz in der Gesellschaft haben. Alle müssen sich wieder finden, nur dann bleibt der Konsens in der Gesellschaft erhalten. Mein Anliegen ist es daher auf die Ausgeglichenheit der drei Schwerpunkte zu achten.

Mehr über die Politik der FDP gibt es unter http://www.tatjana-wolf.de/

Das Gespräch mit Tatjana Wolf führte Waltraud Kässer an einem frühlingshaften Freitag im Februar bei einer Tasse guten Kaffees im Besprechungszimmer der Kanzlei in der Konstanzer Mainaustraße.

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