Nachtkritik über Konstanz am Meer. Ein Himmelstheater

Am Freitag feierte das Openairtheater auf dem Konstanzer Münsterplatz Premiere. Zuschauer und Kritiker haben sich zum ersten Mal selbst ein Bild vom eigens anlässlich des Konziljubiläums geschriebenen Stück gemacht. Während Anwohner bereits nach den Proben genervt reagieren und behaupten, das Stück sei vor allem lauter als frühere Aufführungen und sie könnte nicht einmal mehr den Fernsehkommentator bei den Fußball-WM-Spielen verstehen, sind die Meinungen über das sommerliche Freilufttheater geteilt.

Länger als Spielfilmlänge

2 Stunden 45 Minuten dauert die Erzählung des Theaters, die die Zuschauer vor dem Bühnenbild von Beate Faßnacht in das Konstanz von 1414 zurückversetzt. Für das von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott verfasste Stück zum 600. Jubiläum des Konstanzer Konzils, das Johannes von Matuschka inszenierte, hat es nach der umjubelten Premiere nicht nur Lob gegeben.

Die Auftragsarbeit der Stadt Konstanz

Als Auftragswerk für das Konziljubiläum der Stadt Konstanz haben Theresia Walser und Karl-Heinz Ott einen, wie es in einer Mitteilung des Theaters heißt, „ebenso tiefsinnigen wie heiteren Text“ geschrieben, in dessen Mittelpunkt zwei einfache Bürger der Stadt Konstanz stehen: Hintz und Kuntz. Diese beiden sollen für die bedeutenden Gäste einen Baldachin halten und erleben so die „große Geschichte“ hautnah mit. Natürlich nicht, ohne sie im Wirtshaus weiterzuerzählen.

Die Handlung

Hintz und Kuntz stehen also 1414 seit Stunden am Ufer des Bodensees und warten auf das Schiff des Königs, das – längst überfällig – im Nebel des Sees nicht auftaucht. Und als der König mit seiner Frau schließlich Konstanz erreicht, müssen nicht nur die stürmischen Wogen der Ehe geglättet werden, sondern auch die zwischen den am Konzil teilnehmenden Ländern. Auch der Papst bleibt davon nicht ausgenommen – und außerdem gibt es da noch dieses brennende Problem mit Jan Hus.

Im warmen Wirtshaus macht sich währenddessen Martha Haefelin Hoffnung, vom Treiben des Konzils zu profitieren. Eine Schiffsflotte will sie aufbauen, die von Konstanz bis zum fernen Meer Handel treibt.

Aufführung am historischen Ort

Der Berliner Regisseur Johannes von Matuschka inszeniert das Stück auf der Open-Air-Bühne am Münsterplatz und damit nahe des Ortes, wo einst das Konzil tagte.

Kritik auf Nachtkritik

Auf dem Portal Nachtkritik ist bereits eine Theaterkritik erschienen. Elisabeth Maier schreibt unter anderem: „Der viel versprechende Ansatz, den das Autoren-Paar wagt, versandet schließlich in plattem Sommer-Lachtheater.“ Die Kritikerin spricht davon, dass es auch Längen im Stück gibt und Stefan Leibolds „ohrenbetäubende musikalische Pauken- und Tubakompositionen manchen tiefsinnigen Moment“ ersticken.

Weitere Termine: Di. 01.07. / Do. 03.07. /Sa. 05.07. / So. 06.07. / Mi. 09.07. / Do. 10.07. / Fr. 11.07. / Sa. 12.07. / Di. 15.07. / Mi. 16.07. / Fr. 18.07. /
Konnstanz am Meer2
Konstanz am Meer3
Fotos: Pressefotos von Ilja Mess

 

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Ein Kommentar to “Nachtkritik über Konstanz am Meer. Ein Himmelstheater”

  1. Franz Sauerstein
    30. Juni 2014 at 09:08 #

    „…und außerdem gibt es da noch dieses brennende Problem mit Jan Hus.“

    Made my day.

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