Nein zu Erweiterung des Lago Parkhauses in Konstanz wahrscheinlich

Investor will 220 Stellplätze bauen – Irritation des Lago-Managers über Nein der SPD

Konstanz. Das Lago in Konstanz ist der Magnet in der Innenstadt. In diesem Jahr macht das Center voraussichtlich 100 Millionen Euro Umsatz. Täglich besuchen montags bis samstags 24.000 Kunden das Lago. An Spitzentagen kommen 50.000 bis 55.000 Besucher in die Shopping Mall. Jetzt will der Investor das Parkhaus vergrößern. Etwa die Hälfte der Kommunalpolitiker im Gemeinderat möchte genau das verhindern. Der Ausgang einer Abstimmung am Donnerstag ist offen.

Cornelius Liedtke in Mission Impossible

Am Montagabend trat Cornelius Liedtke, geschäftsführender Gesellschafter der Investorengruppe Büll & Dr. Liedtke GmbH, zusammen mit Bürgermeister Kurt Werner, Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal und Martin Wichmann vom Baudezernat seinen langen Marsch durch die Gemeinderatsfraktionen an. Der Versuch, zum Beispiel die SPD umzustimmen war offenbar aber vergeblich.

Wider den Tod der Innenstadt

1999 kauften die Investoren das Lago-Grundstück. 2000 kam die alte Sparkasse hinzu. Seither hat sich der Handel in der östlichen Altstadt immer stärker konzentriert. C&A ist in dem Quartier mit dem Magneten Lago genauso zu finden wie Intersport Gruner oder die Osiandersche Buchhandlung. Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal erinnert daran, dass sich die Stadt bewusst dafür entschieden hat, den Magneten Lago in die Altstadt zu setzen und nicht an die Peripherie. Konstanz wollte verhindern, dass die Innenstadt stirbt.

Sieben Millionen privates Geld

An das Erfolgsmodell Lago Center und hohe Besucherzahlen glaubten von Anfang an offenbar vor allem die Investoren, die ursprünglich einmal 970 bis 980 Stellplätze bauen wollten. Die Konstanzer erlaubten aber nur 710. Die Kommunalpolitiker dachten, gut 250 Stellplätze weniger täten es in Konstanz auch. Das war ein Fehler. Deswegen gibt es außerhalb der Parkhauses längst einen zusätzlichen Bedarfsplatz. Der würde aufgegeben, wenn die Investoren das Parkhaus um 220 Plätze erweitern dürften. Es gebe eine eigene Zufahrt mit einem Rolltor. Der Investor investierte nach Angaben von Friedhelm Schaal bereits 350.000 Euro in die Planung. Die Baukosten lägen voraussichtlich bei sechs bis sieben Millionen Euro, die privat finanziert würden.

Willkommen Investoren in Konstanz

Der Chef der städtischen Wirtschaftsförderung sagte es nach der Good Will Tour so: Der Investor fühle sich nicht fair behandelt. Ein Nein wäre aus seiner Sicht verheerend. Anfang Oktober wird Schaal auf der Expo Real in München sein. Er sagt: „Konstanz hat bei Investoren nicht das beste Image.“ Immer wieder gebe es Komplikationen.120 Millionen Euro würden gerade am Seerhein investiert. Doch die Investoren bräuchten das Gefühl, willkommen zu sein. Schaal bezweifelt, ob es in Folge der Parkhauserweiterung tatsächlich 1000 Fahrten mehr in der Bodanstraße geben würde. Die Verweildauer im Lago Parkhaus ist mit sechs Stunden extrem lang und die Fluktuation entsprechend gering. Und selbst wenn die Parkhauserweiterung 1000 Fahrzeuge mehr zur Folge hätte, wären die verkehrsplanerischen Voraussetzungen erfüllt, weil der Bahnhofsplatz zu einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich werden soll. Der Verkehr würde sich laut Prognosen dadurch entsprechend verringern. Der zusätzliche Verkehr wäre zu verkraften.

Gefühlter Konstanzer Mega Stau

Die Stauproblematik habe sich verkleinert, sagte Schaal. Der Verkehr staue sich mittlerweile weniger bei der Einfahrt ins Lago-Parkhaus, sondern bei der Ausfahrt. Bei der Einfahrt öffnet die Security bisher den Behelfsparkplatz, sobald es im Parkhaus nur noch 30 freie Plätze gibt. Stockt der Verkehr beim Linksabbiegen an der Ausfahrt, würden die Autos in Richtung Bahnhof und Konzilstraße geleitet. Schaal schätzt, dass Autos und Busse durchschnittlich sechs bis zwölf Minuten im Stau stehen. Nur an Extremtagen, bei schlechtem Wetter an Pfingsten, stünde der Verkehr eine Stunde. Autofahrer aus Zürich seien allerdings Schlimmeres gewohnt, so Schaal. Er redet von einem „gefühlten“ Problem.

Sealife Besucher fahren ins Lago Parkhaus

Auch Center Manager Peter Herrmann kann die Befürchtung, dass die Parkhauserweiterung zu einem Kollaps des Verkehrs führe, nicht teilen. „Die Zusatzparkplätze werden nur ins Gebäude verlegt“, sagt Herrmann. Der Überlaufparkplatz fiele weg. Herrmann redet wie Schaal von einer Optimierung des Verkehrsflusses. Die neuen Stellplätze bekämen eine zusätzliche Einfahrt. Ursprünglich wollte das Lago sogar 270 Stellplätze zusätzlich, aus bautechnischen Gründen sind es nun aber nur noch 220, um die es geht. Aus Sicht von Herrmann wäre ein Nein des Gemeinderats am Donnerstag ein Signal gegen den Einzelhandel und gegen den Tourismus. „Das Sealife hat keinen Parkplatz“, erinnert Herrmann. Das Lago sei auch Parkhaus für das Sealife und die BSB. Pro 20 Quadratemter brauche es einen Stellplatz. Das Lago liege deutlich darunter.

Überraschungsei SPD

Herrmann sagt es so: Das Nein der SPD habe ihn überrascht. Offenbar war bei einem Gespräch mit der SPD am 26. April, an dem Vertreter des Konstanzer Einzelhandels teilnahmen, ein anderer Eindruck entstanden. Zumindest gingen die Gesprächspartner nach dem Treffen anscheinend, wie sich jetzt zeigt, fälschlicherweise davon aus, dass die SPD die Parkhauserweiterung unterstützen würde. Doch die SPD taktiert offenbar. Sie möchte das Döbele Areal überbauen und dort an strategisch gutem Platz ein Parkhaus errichten und den Verkehr abfangen. Doch dafür gibt es momentan im Gemeinderat keine Mehrheit. Deshalb scheint die SPD die anderen Fraktionen und den OB nun mit einem „Nein“ abstrafen zu wollen. Sie will – so sieht es von außen betrachtet aus – den Leidensdruck möglicherweise hoch halten und so eine Überplanung des Döbele erzwingen. Die Motive der Grünen Liste, nein zu sagen, sind hingegen andere.

Keine Akzeptanz von P+R

Herrmann erinnerte daran, dass im Bereich östliche Altstadt 300 bis 400 Arbeitsplätze im Handel entstanden sind. Eine Alternative zur Parkhauserweiterung sieht er nicht. 30 bis 40 Prozent der heute schon im Lago Parkhaus abgestellten Autos hätten Schweizer Kennzeichen. Dass die Gäste, die aus Richtung Kreuzlingen aus der Schweiz kommen, zuerst mit dem Auto zu einem P+R Parkplatz ins Industriegebiet fahren, um dann mit dem Shuttlebus wieder zurück ins Zentrum zu kommen, hält er für ausgeschlossen. Herrmann sprach von einem geschenkten Parkhaus, das die Konstanzer anscheinend aber nicht haben möchten. Wahrscheinlich ist allerdings, dass es am Donnerstag knapp wird. Es könnte auch eine Mehrheit für die Parkhauserweiterung geben, vorausgesetzt, kein Ja-Sager wird krank.

2 Kommentare to “Nein zu Erweiterung des Lago Parkhauses in Konstanz wahrscheinlich”

  1. Bruno Neidhart
    22. September 2010 at 10:11 #

    Es fragt sich, welche Investoren die SPD als nächstes Ziel kürt, um die Stadtentwicklung stets zu unterlaufen. Zusammen mit der LAGO-Parkhauserweiterung kann die gesamte Verkehrsentwicklung um den Stadtkern herum neu durchdacht werden, um die Situation besonders im südlichen Teil – also Döbele-Schnetztor-Bodanstrasse – zu entschärfen. Dazu gehören z.B. auch eigene Busspuren für den öffentlichen Verkehr, die konstanzerseits nicht zu Ende gedacht sind und sich überall bewähren, wo sie eingerichtet wurden. Der Einzelhandel in der Innenstadt ist gegenüber der „lauernden Konkurrenz“ rundum, inklusive kommendes Outletcenter in der Thurgauer Nachbarschaft, auch im Sinne der Arbeitsplatzerhaltung stets zu fördern, generiert er doch damit auch die notwendigen, laufenden Steuereinnahmen der Stadt auf vielfältige Weise. Das dürfte auch im Interesse der Sozialdemokraten sein. Oder?

  2. heinz
    22. September 2010 at 10:30 #

    Wieso sieht es denn nach Ablehnung aus? Soweit ich weiß wollen von den 40 Gemeinderäten 20 (10 FGL, 7 SPD, 2 LL und 1 Frank u. Freie) dagegen stimmen, also genau die Hälfte. Die entscheidende, 41. Stimme hab aber der OB inne – und der ist eine Befürworter des Projektes. Dementsprechend müsste die Abstimmung morgen, wenn es keine Überaschung gibt, mit 21:20 FÜRdas Parkhaus ausgehen.

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