Neue Mobilfunk-Debatte in Überlingen beginnt

Bürgermeister Ralf Brettin verschafft sich erst einmal ein Update

iphone_ganz_neu_frei_1024Überlingen (wak) Nach einem Gespräch mit Mobilfunkbetreibern möchte sich Überlingens Bürgermeister Ralf Brettin erst einmal noch tiefer über den Sach- und Diskussionsstand in Überlingen informieren und sich weiter in die Mobilfunk-Historie einarbeiten. Fest steht für ihn aber schon jetzt, dass sich auch der Gemeinderat noch einmal mit dem Thema Mobilfunkversorgung der Überlinger Altstadt befassen wird.

Mobilfunk kommt nicht wieder in die Schublade

Spätestens seit der vergangenen Woche weiß der Bürgermeister noch genauer darüber Bescheid wie die Mobilfunkbetreiber die aktuelle Mobilfunkversorgung in der Stadt einschätzen. Überrascht sei er nicht, dass es einen „Überlinger Schwellenwert“ gibt, sagte Bürgermeister Brettin. Jede Stadt verfahre anders. Brettin, der erst seit dem 1. Oktober im Amt ist, erklärte, er wolle sich nun erst einmal informieren. Er versprach das Thema nicht beiseite zu legen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass sich auch der Gemeinderat noch einmal mit dem Thema Mobilfunkversorgung der Überlinger Innenstadt beschäftigen wird.

Überlinger Schwellenwert liegt unterhalb des Grenzwertes

Mobilfunkgegner, die sich in Initiativen zusammengeschlossen hatten, drängten den früheren Überlinger Oberbürgermeister Volkmar Weber massiv zum Handeln. Weber bemühte sich, es allen Recht zu machen. Auch der Gemeinderat nahm die Sorgen der Mobilfunkgegner, die sich wegen der Strahlenbelastung durch Sendeanlagen um ihre Gesundheit sorgten, in der Vergangenheit sehr ernst und beauftragte Dipl.-Ing.Norbert Honischs Büro für Umweltstress-Analytik mit einem teuren Gutachen über die Strahlenbelastung in Überlingen. Am Ende verständigten sich die Beteiligten auf einen so genannten Überlinger Schwellenwert, der weit unterhalb des deutschen Grenzwertes liegt und den der Gemeinderat abgenickt hat.

Kein UMTS in der Stadt und die Folgen für Smartphonebesitzer

Nein sagten die Überlinger damals auch zu einer UMTS-Sendeanlage unter dem Dach des Rathauses. Mobilfunkanbieter erklärten bereits mehrfach, dass mit den in Überlingen geltenden Vorgaben eine vernünftige Mobilfunkversorgung der Innenstadt nicht möglich sei. Der Trend ist klar: Immer mehr Mobilfunkkunden besitzen ein Smartphone und wollen auch Daten übertragen, so dass mehr Kapazität nötig ist.

Überlingen muss sich entscheiden

Überlingen steht demnächst vor der Entscheidung, entweder strahlungsarme Stadt mit miserablem Mobilfunkempfang in der Altstadt zu bleiben und sich so von der mobilen Datenautobahn abzuhängen oder, wie andere Städte auch, den Ausbau des Mobilfunks nicht weiter zu behindern. Nach Auskunft der Deutschen Telekom beschwerten sich vor allem im Sommer Handybesitzer, weil sie von ihren Hotelzimmern aus in Überlingen nicht mobil telefonieren oder im Internet surfen konnten.

Jüngere nutzen Multimediahandys

Handys gehören – wohl auch bei Feriengästen – längst zum Alltag. 60 Prozent der Handybesitzer telefonieren laut einer aktuellen Umfrage von Stiftung Warentest mehrmals oder mindestens einmal täglich. Internet, Musikspieler, E-Mail, Spiele und GPS nutzen die Handybesitzer dagegen laut der Online-Umfrage von Stiftung Warentest, an der sich mehr als 6000 Handybesitzer beteiligt haben, kaum, obwohl die meisten der Befragten ein Multimediahandy mit verschiedenen Zusatzfunktionen besitzen. Liegen könnte das – wie in Überlingen – auch am schlechten Empfang. Die Jüngeren nutzen laut der Umfrage eher als Ältere Multimediahandys oder Smartphones und dürften schon deswegen auch in Überlingen ein größeres Interesse am Ausbau des Mobilfunknetzes haben.

Neue Handyfunktionen für Touristen interessant

Zu einem interessanten Ergebnis kommt auch eine Umfrage der E-Plus-Gruppe, die beispielsweise auch die Kur und Touristik GmbH aufhorchen lassen müsste. Immer mehr Handybesitzer begeistern sich demnach für mobile Dienste wie Navigation, Wettervorhersage oder Informationen rund um den aktuellen Aufenthaltsort. Verantwortlich für den neuen Trend seien moderne Smartphones mit großen, berührungsempfindlichen Bildschirmen. Wer sich in Überlingen aber mobil über die Stadt informieren möchte, die Navigationsfunktion beim Stadtspaziergang nutzen oder den Wetterbericht übers Internet abrufen will, braucht aufgrund der geringen Datenübertragungskapazität in der Stadt allerdings sehr viel Geduld, wenn die Verbindung zwischendurch nicht sogar ganz abbricht.

Ein Kommentar to “Neue Mobilfunk-Debatte in Überlingen beginnt”

  1. abumater
    23. Dezember 2009 at 12:44 #

    Als am 7. Dezember vor 174 Jahren die erste Dampflock in Deutschland mit 28 Km/h die kleine Strecke zwischen zwei Städten hin und herfuhr, sollen Damen angesichts der Geschwindigkeit in Ohnmacht gefallen sein und man überlegte ernsthaft, ob nicht deswegen die Errichtung einer Bretterwand notwendig sei…
    Vielleicht wäre eine solche Bretterwand ja auch für Überlingen die Lösung: Alle Handygegner bekommen von der Stadtvverwaltung kostenlos ein kleines Brett gestellt, was sie sich dann zum Schutz vor Handystrahlen jeweils vor den Kopf halten können…

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