Neue Tourismus GmbH ist Klatsche für angeschlagene IBT

Stadt Konstanz stellt sich hinter IBT – Kreise am Bodensee wollen „Deutschen Bodensee Tourismus GmbH“ gründen

Konstanz. Ein Riss geht durch die Touristiker. Der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT) steht schon seit langer Zeit in der Kritik. Für Negativschlagzeilen gesorgt hatte die IBT in der Vergangenheit zum Beispiel mit einem unprofessionellen Internetauftritt, der nach dem Launch im Web zunächst nur Spott erntete. Die Seite war alles andere als nutzerfreundlich. Mittlerweile hat die IBT nachgebessert. Das Vertrauen in Geschäftsführerin Daniela Pahl-Humbert ist bei vielen ihrer Kollegen und auch bei Kommunalpolitikern anscheinend aber nicht mehr sehr groß. Statt die IBT besser aufzustellen, sie zu professionalisieren und sie personell und finanziell besser auszustatten, möchten die drei Landkreise am deutschen Bodenseeufer nun lieber eine neue „Deutschen Bodensee Tourismus GmbH“ gründen. In Konstanz stösst die Idee auf Ablehnung.

Tourismus am deutschen Ufer besser aufstellen

In einer Medienmitteilung informierte das Konstanzer Landratsamt, darüber dass die drei deutschen Bodensee-Landkreise, die derzeit bereits „unmittelbar Gesellschafter der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT)“ sind, und der Landkreis Sigmaringen „mehr für den Tourismus am deutschen Ufer“ tun möchten. Eine Arbeitsgruppe von Kommunalpolitikern aus den drei Landkreisen empfehle einvernehmlich die Neugründung einer „Deutschen Bodensee Tourismus GmbH“. Die Neuorganisation solle „eng mit der IBT zusammenarbeiten“. So sehe eine Empfehlung aus, die den vier Kreistagen in Kürze zur Beschlussfassung vorgelegt werde.

Kreise reagieren auf Mängelbericht

„Der Tourismus auf der deutschen Bodenseeseite ist schlechter organisiert als in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein“, heißt es in der Mitteilung. Dies sei eines der Ergebnisse des zweijährigen „Positionierungsprojektes“, das unter Federführung der IBT erstellt wurde. Auf Initiative der drei Landräte Frank Hämmerle (Konstanz), Elmar Stegmann (Lindau) und Lothar Wölfle (Bodenseekreis) habe sich eine Gruppe von Oberbürgermeistern und Bürgermeistern, die unter anderem Vorstandsfunktionen in regionalen Tourismusorganisationen innehaben, sowie Vertreter des Landkreises Sigmaringen mit den Landräten getroffen, um die Frage zu erörtern, welche Konsequenzen aus der Feststellung des Positionierungsprojektes zu ziehen sind. Nach intensiver Diskussion und Abwägung verschiedener Möglichkeiten kam es, wie das Konstanzer Landratsamt mitteilte, zu dem Vorschlag. Noch vor der Sommerpause soll eine Entscheidung fallen.

Vorbildlich Schweizer Kantone und Vorarlberg

Vorbild seien die Tourismusorganisationen in den schweizerischen Kantonen, im Fürstentum Liechtenstein oder auch dem Land Vorarlberg. Gleichzeitig solle eine klare Aufgabentrennung zwischen den internationalen Vermarktungsbemühungen der IBT und den nationalen Interessen auf der deutschen Seite erfolgen. Deren Vermischung habe in der Vergangenheit immer wieder zu Unzufriedenheiten bei den internationalen Partnern der IBT geführt.

Konstanzer OB Horst Frank nicht einverstanden

Die Stadt Konstanz hat mittlerweile zur Pressemitteilung des Landkreises Konstanz ihrerseits Stellung genommen. In der Konstanzer Medienmitteilung hieß es: „Oberbürgermeister Horst Frank ist irritiert darüber, dass die Stadt Konstanz die mit ihren Tourismusbetrieben einen Großteil des Wirtschaftsfaktors Tourismus im Landkreis Konstanz ausmacht, nicht zu diesem Treffen eingeladen wurde bzw. um ihre Meinung gefragt wurde.“

Stadt befürchtet Schwächung

Die Stadt Konstanz mit ihren Tourismusbetrieben lehne den Gedanken der Neugründung einer „Deutschen Bodensee-Tourismus GmbH“ ab, da sie eine Schwächung der Internationalen Bodensee-Tourismus GmbH (IBT) und damit eine Zersplitterung der Kräfte im touristischen Marketing befürchtet. Diese Einschätzung decke sich auch mit der Meinung des mit Tourismusexperten besetzen Aufsichtsrats der IBT, der bereits Anfang des Jahres die folgende Empfehlung ausgesprochen habe: „Der Aufsichtsrat spricht sich im Interesse der Arbeitsfähigkeit der IBT GmbH, der Internationalität und der Relevanz der Tourismuswirtschaft für den Bodenseeraum für eine einheitliche, selbständige Organisation der Tourismusförderung rund um den See aus, vorzugsweise für einen internationalen und einen deutschen Teil unter dem Dach der IBT GmbH.“ Dieser Sichtweise habe sich auch der Internationale Bodensee Verkehrsverein (IBV) angeschlossen, der als Gesellschafter der IBT die bedeutendsten Tourismusunternehmen am Bodensee vereine.

Konstanz will auf IBT setzen

Aus Sicht der Stadt Konstanz sei der Zusammenschluss des Tourismus Marketings unter dem Dach der IBT Voraussetzung, dass das im November 2009 gestartete Interreg IV-Projekt „Positionierung der Tourismusregion Internationaler Bodensee zur Optimierung des Destinationsmanagements“ umgesetzt werden könne. Dieses Projekt sei in den vergangenen zwei Jahren intensiv durch Vertreter des Tourismus, Projektpartner und touristische Unternehmen sowie Hochschulen rund um den Bodensee aus vier Nationen vorangetrieben und entwickelt worden. Im Positionierungsprojekt seien „strategische Leitlinien entwickelt, genauso wie konkrete Projekte für die Erschließung neuer, internationaler Märkte sowie zur Verlängerung der Saisonzeiten“ entwickelt worden. Von Touristikern in anderen Städte war hingegen hinter vorgehaltener Hand immer wieder zu hören, die Zeit der IBT sei abgelaufen. Zu groß war offenbar zuletzt die Unzufriedenheit.

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