Nichts als ein böser Verdacht

Warnung vor mobilfunkfreien Zonen

(wak) Lasst uns doch endlich mit Euren Initiativen für ein „Strahlungsarmes Leben“ in Ruhe! Sätze wie diese fallen eher selten. Der Schluss, dass es nur Mobilfunkgegner gibt, wäre aber trotzdem falsch. Doch während die Mobilfunkgegner lauthals vor elektromagnetischen Feldern warnen und sich erschrockene Oberbürgermeister, Bürgermeister und Stadträte gern auf die Seite von Mobilfunkskeptikern schlagen, leiden Handy- und Netbookbesitzer leise.

Bloße Behauptung: Mobilfunk gefährdet Ihre Gesundheit

„Mobilfunk ist aus dem modernen Leben fast nicht mehr wegzudenken“, schreibt zum Beispiel die Bürgerinitiative „Strahlungsarmes Leben“ im Konstanzer Teilort Litzelstetten. Weiter heißt es auf der Homepage der Initiative aber: „Doch werden Handybenutzer, Anlieger von Mobilfunkstationen sowie Nutzer und Nachbarn von kabellosen Haussendeanlagen wie DECT, WLAN und Bluetooth in ihrem Recht auf vorsorglichen Gesundheitsschutz nach Grundgesetz Artikel 2 und 20 massiv eingeschränkt.“ Das ist aber nur ein böser Verdacht. Denn es ist alles andere als bewiesen, dass es tatsächlich ein Gesundheitsrisiko durch elektromagnetische Felder gibt. Ein Schnurlostelefon älterer Bauart strahlte nachweislich mehr als eine Mobilfunkantenne.

Ein Erfolg auch der älteren Herren

In Litzelstetten soll jetzt eine Mess-Station der Bundesnetzagentur aufgestellt werden, die die Strahlen-Belastung im Konstanzer Ortsteil aufzeichnet. Drei ältere Männer, unter ihnen der Ortsvorsteher Rudolf Riedle, lächelten in der vergangenen Woche zufrieden in eine Reporter-Kamera, als sie die aus ihrer Sicht erfreuliche Nachricht verkündeten.

Auch Konstanzer OB möchte die Messstation

Auch der grüne Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank meldete sich noch am selben Tag flugs mit der Feststellung zu Wort, auch er unterstütze die Aufstellung einer Automatischen Mess-Station der Bundesnetzagentur, mit der die Strahlen-Belastung im Konstanzer Ortsteil aufgezeichnet werden könne. Der Oberbürgermeister erklärte mit Nachdruck, dass sich die Stadt beim Thema Mobilfunk keinesfalls nur „zurücklehnt“, wie es in einem Zeitungsartikel geheißen hatte. Sie sei durchaus aktiv. Und als Beweis führt der Konstanzer Oberbürgermeisters auch gleich noch an: „So folgte das städtische Baurechtsamt dem Votum des Ortschaftrates Litzelstetten und lehnte den Bau einer Anlage 2007 ab, um eine Massierung von Mobilfunkanlagen zu verhindern.“

Mobilfunkbetreiber bekam Recht

Gegen die Ablehnung seines Antrags legte der Mobilfunkbetreiber damals Widerspruch ein und erhielt vom Regierungspräsidium Freiburg auch Recht, da die beantrage Anlage planungsrechtlich zulässig war. Die Stadt war verpflichtet, die Genehmigung zu erteilen. „Das Beispiel in Litzelstetten verdeutlicht, dass eine Stadt unter den gegebenen rechtlichen Rahmenbedingungen nur geringe Spielräume hat, beim Thema Mobilfunkanlagen regulierend einzugreifen“, heißt es denn auch folgerichtig in der Erklärung des Konstanzer Oberbürgermeisters.

Keine Änderung der Landesbauordnung

Daran wird sich vorerst auch nicht ändern. Als die Landtagsfraktion der Grünen gemeinsam mit der SPD einen Antrag im Landtag eingebracht hatte und die Landesbauordnung ändern wollte, um den Kommunen mehr Rechte bei der Genehmigung von Sendemasten einzuräumen, wurde dieser Antrag mit den Stimmen von CDU und FDP aber abgelehnt. Der Konstanzer Oberbürgermeister erklärte explizit, dass er das bedauere.

Keine Hinweise auf Gesundheitsgefährdung in Frankreich

Aktuelle wissenschaftliche Studien geben aber keine Hinweise auf gesundheits-beeinträchtigende Effekte durch elektromagnetische Felder. Offen seien derzeit – was auch Mobilfunkbefürworter einräumen – noch einige Fragen bezüglich möglicher Langzeiteffekte. Zu diesem Ergebnis kam zuletzt auch ein Bericht der französischen Behörde für Umwelt und Arbeitsschutz (L’Agence francaise de securite sanitaire de l’environnement et du travail, AFSSET). In dem 489-seitigen Report bewertet die Expertenkommission mögliche Risiken durch hochfrequente elektromagnetischen Felder im Frequenzbereich zwischen 9 Kilohertz und 300 Gigahertz, der unter anderem zum Betrieb von Mobiltelefonen, WiFi-Sendern, Mikrowellen oder drahtlosen Geräten genutzt wird. AFSSET ist eine staatliche Einrichtung, die an die französischen Minister für Umwelt, Gesundheit und Arbeit berichtet. Hauptziel von AFSSET ist der Schutz der menschlichen Gesundheit.

Unentdeckte Risiken eher unwahrscheinlich

Sämtliche Erkenntnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte sind in die Festlegung von Grenzwerten eingeflossen. Seit 1990 mussten die Grenzwerte für den Mobilfunk nicht mehr geändert werden – die rund 500 neuen Forschungsarbeiten pro Jahr haben immer mehr bestätigt, dass das bestehende Bild in der Wissenschaft stimmt. Es dürfte demnach nicht zu erwarten sein, dass bedeutende gesundheitliche Effekte elektromagnetischer Felder bis heute unentdeckt geblieben sind.

Auch nordische Länder sehen keinen Handlungsbedarf

Dass es keine wissenschaftlichen Hinweise gibt, dass elektromagnetische Felder in den derzeit genutzten Feldstärken negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, geht auch aus einer gemeinsamen Stellungnahme der zuständigen Landesbehörden aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden hervor. Die nordischen Behörden ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass derzeit keine weiteren Maßnahmen zur Reduzierung elektromagnetischer Felder getroffen werden müssten.

Leben mit miserablem Handyempfang

Trotzdem reicht ein böser Verdacht, um Städte und Regionen von der mobilen Kommunikation abzuhängen. Besitzer von internetfähigen Smartphones wie dem I-Phone mit ihren Flatrates schauen dort in die Röhre. An die Übertragung von Daten in angemessenem Tempo, einer Geschwindigkeit, die an DSL heran reicht, ist oft gar nicht zu denken und sogar der Handyempfang ist miserabel. Dass eine dramatisch schlechte Mobilfunkversorgung und das Verharren in der Steinzeit des Kommunikationszeitalters zu einem klaren Standort-Nachteil werden könnte, wird dennoch kaum diskutiert.

Bedarf mobiler Datenübertragung steigt

„Wir können nur sagen, der Bedarf, mobil Daten zu übertragen, ist kontinuierlich gestiegen“, so Udo Harbers, Pressesprecher der Region Süd der Deutschen Telekom. Wo nur GSM und zur Datenübertragung Edge zur Verfügung stehe, entspreche der Anteil des Datenverkehrs 20 Prozent. Steht UMTS bereit, liege er bereits heute bei 40 Prozent. Bei HSDPA werde das mobile Internet für Nutzer sogar noch attraktiver. Die Schere zwischen mobilfunkfreundlichen Städten wie Friedrichshafen, das T-City ist, und abgehängten Regionen, wo wie in Überlingen Mobilfunkgegner besonders viel Gehör finden, dürfte noch größer werden.

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.