Notfalls will der Konstanzer Südkurier den Tarifverbund aufkündigen

Die Redaktion soll noch einmal beim Sparen helfen – Krise der Printmedien

Konstanz. Die Südkurier GmbH ist von der Stuttgarter Konzernmutter, wie man im Konstanzer Oberlohn erfahren kann, aufgefordert worden, im kommenden Jahr mindestens 900.000 Euro einzusparen. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck erwarte, dass sich die Redaktionsmitarbeiter an den Konsolidierungsbemühungen massgeblich beteiligen, heisst es beim Südkurier weiter. Geschäftsführer Rainer Wiesner, so hört man, habe gegenüber dem Betriebsrat angeregt, über einen Verzicht des so genannten Weihnachtsgeldes für 2011, ganz oder teilweise, nachzudenken. Diese Zahlungen sind zwar tariflich als Jahresleistung zwischen den Tarifpartnern vereinbart worden. Doch die Geschäftsführung spiele offenbar mit dem Gedanken, die Mitgliedschaft im Verband der Südwestdeutschen Zeitungsverleger aufzukündigen, um sich der Verpflichtung zu entledigen, tarifliche Vereinbarungen einzuhalten.

Krise der Printmedien dauert an

Insider schätzen, dass bereits fast die Hälfte der etwa 100 Redakteurinnen und Redakteure des Südkurier gehaltsmässig unterhalb der zwischen den Tarifpartnern vereinbarten Tarife angesiedelt ist. Darin spiegle sich die anhaltende Krise der Printmedien, denen durch die digitale Revolution mit dem Siegeszug des Internets die Felle davon zu schwimmen drohen. Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck beteiligt sich zwar massgeblich – und durchaus erfolgreich – an dieser Entwicklung, hat aber offensichtlich, genau so wenig wie die meisten anderen Medienverlage, noch kein Rezept gefunden, den gedruckten Informationsprodukten einen auskömmlichen Platz zu sichern.

Erfolsgeschichte im Grossraum Karlsruhe

Zu den jüngsten Erfolgsgeschichten der Südkurier GmbH gehört die Beteiligung an www.ka-news.de, dem führenden Online-Portal der Grossregion Karlsruhe zwischen Baden-Baden, Bruchsal, Pforzheim, Bruchsal und der Südpfalz. Die Südkurier GmbH, die Mitte des vergangenen Jahres die Mehrheit an ka-news erwarb und dort auch den online-Auftritt des Südkurier herstellen lässt, bringt es auf täglich über 800.000 Besuche und ist damit zu einer führenden Anbieterin des tagesaktuellen journalistischen Angebots im Land Baden-Württemberg avanciert.

Ein Schönheitsfehler der digitalen Weiterentwicklung

Der Schönheitsfehler einer solchen Entwicklung, deren Erscheinungen wie jedes Medienprodukt auf zahlende Inserenten angewiesen ist, liegt darin, dass sie nur dort gewinnbringend funktionieren kann, wo man gegen Konkurrenz antritt. Im angestammten Verbreitungsgebiet dürfte dagegen jede gedruckte Regionalzeitung mit dem eigenem Online-Angebot in erster Linie sich selber Konkurrenz machen. Der digitale Auftritt diente dann lediglich der wenig lukrativen Abwehr von Mitbewerbern.

Schon einmal half die Redaktion mit

Schon vor gut einem Jahr haben die schreibenden Mitarbeiter des Südkurier mitgeholfen, die mangelhafte Ertragslage des Südkurier aufzubessern. Damals ging es um den freiwilligen Verzicht auf so genannte Freie Tage, auf den tariflich zustehenden Freizeitausgleich für Überstunden und Sonntagsarbeit. Inwieweit die Mitarbeiter dem Medienunternehmen damals entgegen gekommen sind, wurde von der Geschäftsleitung allerdings nie bekannt gegeben. Und die Weigerung, Geschäftszahlen offen zu legen, ist damals wie heute eine ernst zu nehmende Hürde für das Mitwirken der Belegschaft bei den Konsolidierungsbemühungen des Medienhauses.

Stefan Lutz, der Mann, der eh schon im Hause Südkurier ist

Immerhin wird nun die überraschende Entlassung von André Uzulis in einem anderen Licht gesehen. Der Dienste des gebürtigen Hannoveraners, der die Leitung der Chefredaktion erst im vergangenen Juni übernommen hatte, entledigte man sich bereits wieder zum 30. September, noch während der Probezeit. Uzulis soll „sehr überrascht“ gewesen sein, und bis heute weiss man auch in der Redaktion nicht so recht, warum der Neue nicht bleiben durfte. Möglicherweise, und das ist die neue Sicht der Dinge, handelt es sich ganz einfach um eine Sparmassnahme. Der allerneueste Chefredakteur, Stefan Lutz, 38, hatte den Spitzenjob schliesslich bereits fünf Monate inne – und er war ja eh schon im Hause.

Foto: PIXELIO S. Hofschlaeger www.pixelio.de

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