Nycomed/Takeda hat sich aus den Schlagzeilen gekauft

Pharmaunternehmen vermeidet Imageschaden – Auch Betriebsrat kann Gesicht wahren

Konstanz. Das Unternehmen Nycomed/Takeda streicht 700 Arbeitsplätze in Konstanz. Negativschlagzeilen vermeiden die Bosse aber, indem sie einem verbesserten Sozialplan zugestimmt haben. Beide Parteien verständigten sich auf den Faktor 1,5 zur Berechnung der Abfindungsbeträge und die Einrichtung einer Transfergesellschaft mit zwölf Monaten Laufzeit und 85 Prozent der Nettobezüge. Auch Betriebsrat und Gewerkschaft können mit dieser Vereinbarung ihr Gesicht wahren.

Schneller Verhandlungserfolg

Nach fast elf Stunden Verhandlungsmarathon haben sich die Parteien in dieser Woche bei Nycomed auf eine „grundsätzliche Einigung“ über die Betriebsänderung und die sozialverträgliche Umsetzung der Personalmaßnahmen geeinigt. Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz sagte am Mittwoch zwar: „Selbst die besten materiellen Bedingungen können den Verlust von 1200 Arbeitsplätzen, davon 700 in der Region, nicht aufwiegen.“ Weiter sagte er aber auch: „Im Interesse der Belegschaft ging es uns vor allem darum, den Verhandlungsprozess ergebnisorientiert zu führen und den Menschen schnell eine klare Orientierung zu geben.“

Aktuelle Situation für Betroffene belastend

Gegenwärtig sei die Situation für alle Beteiligten sehr belastend und das einseitige Angebot der Arbeitgeberseite habe die Betroffenen unter „Handlungszwang“ gesetzt. Weiter erklärte der Betreibsrat: „Wir haben deshalb sehr verantwortungsbewusst nach Lösungswegen gesucht, um eine Kompromisslinie zu finden. Wir sind uns bewusst, dass dieses Ergebnis nur die Leitplanken für den Abbauprozess bilden kann.“ Weiter sagte Rolf Benz: „Vor uns liegt aber noch viel Kleinarbeit.“ Niemand werde ohne die betriebsrätliche Unterstützung dastehen, das sei die wichtige Botschaft.

Auffangfirma für Entlassene

Über die Fakten, die geschaffen worden sind, sagte Rolf Benz: „Materiell konnten wir den neuen Sozialplan auch mit einer Laufzeit bis zum 31.12.2015 vereinbaren. Ein Abfindungsfaktor von 1,5 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr, das wichtige Angebot einer Transfergesellschaft und Zusatzregelungen für Personen, die am Arbeitsmarkt schwerer vermittelbar sind, bilden kurzgefasst die Kernpunkte, die für uns als Verhandlungskommission einen tragfähigen und machbaren Kompromiss darstellen.“ Der Faktor zur Berechnung der Abfindung entspricht dem beim Angebot zum einvernehmlichen Ausscheiden, das das Unternehmen seinen Mitarbeitern bereits – ohne Rücksprache mit der Arbeitgeberseite – vorgelegt hatte.

Gewerkschaft IG BCE zufrieden

IG BCE-Bezirksleiter Wilfried Penshorn urteilte: „Ein respektables Ergebnis, das unter enormen Zeitdruck zustande gekommen ist.“ Die Arbeitgeberseite sei wieder auf den Betriebsrat zugegangen und beide Betriebsparteien haben sich zu einem „gemeinsamen Vorgehen“ bekannt. Ein unnötiger Streit hätte den betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nicht weitergeholfen. Deshalb sei diese zügige Einigung zu begrüßen. Die weiteren Schritte würden in enger gegenseitiger Abstimmung passiere, um die „anfänglichen Verstimmungen“ nicht wieder aufkommen zu lassen. Vertrauensvolle Zusammenarbeit und Sozialpartnerschaft sind keine Schön-Wetter-Veranstaltungen, sondern müssten sich gerade in der Krise bewähren.

 

3 Kommentare to “Nycomed/Takeda hat sich aus den Schlagzeilen gekauft”

  1. daniel
    20. April 2012 at 15:26 #

    Das ist ja nicht das erstemal dass diese Firma Negativschlagzeilen macht mit Leuten entlassen. Ich kenne auch jemand der da gearbeitet hat. Es ist immens was da an Leid und Trauer unter dem Strick übrigbleibt bei den 700 Entlassungen.

    Man muss sich wirklich überlegen was für Menschen da in der Teppichetage sitzen und so eine Firma leiten von ihren eigenen Mitarbeitern keinen Respekt haben.

    Wieder einmal mehr geht es wahrscheinlich nur um Börsengewinne und Ausschüttungen alles andere ist ja mittlerweile egal geworden. Hauptsache die oben bekommen genügend Bonus ausbezahlt und die Zahlen stimmen egal wie.

    Schlimm schlimm….wenn ich da in der Chefetage arbeiten würde könnte ich glaub nicht mehr schlafen und würde mich jeden Tag schämen dort arbeiten zu gehen.

  2. Fafnir
    21. April 2012 at 07:58 #

    Ich kann dieses Gejammere von bösen Unternehmen und denen „da oben“, die den ganzen Tag lang angeblich nichts andres tun, als ihre Angestellten zu schikanieren nicht mehr hören. Wo kommt so eine Einstellung eigentlich her? Natürlich geht es um Gewinne. Was ist daran verwerflich? Ein Unternehmen, das keine Gewinne macht, kann nicht investieren und wird nicht lange bestehen bleiben. Davon hat dann niemand etwas. Takeda wurde 1781 gegründet und ist das größte Pharmaunternehmen Japans mit Niederlassungen in Europa und den USA. Mehr als 15.000 Menschen sind bei Takeda angestellt. Takeda macht mehr als 10 Milliarden Dollar Umsatz und tut mit der Herstellung von Pharmazeutika, Steuern und Arbeitsplätzen genug Gutes. Da braucht sich keiner dafür zu schämen. Daß der Konstanzer Standort geschlossen wurde, ist für Konstanz tragisch. Aber so ist das nun mal. Vielleicht wacht Konstanz jetzt so langsam mal auf. Wenn eine Firma nach der anderen abhaut und man hier Konzerthäuser, Privatkliniken und Hotels verhindert, die Straßen verrotten lässt und sich lieber um den Bau von Fahrradparkplätzen und Verkehrsverhinderungsprojekte kümmert, dann wird es Zeit, dass sich hier mal was ändert.

  3. Winfried Kropp
    22. April 2012 at 10:31 #

    Ach, Herr Fafnir. Ein Weltkonzern stört sich daran, dass in Konstanz Fahrradparkplätze gebaut werden (wo denn?) und gibt deswegen den Standort auf? Vielleicht, weil Radfahrer gesünder sind , weniger Takeda-Produkte einnehmen müssen und deshalb der Standort unrentabel wird? Unser Land und unsere Stadt braucht mehr Menschen mit ihrem ökonomischen Sachverstand. Bewerben Sie sich, kandidieren Sie!

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