O Schitt, Geburtstagsgrüße von Ravensburger Richterin

Vorwurf vor dem Landgericht -Mit unerlaubtem Drogenhandel mehr als 160 000 Euro verdient

Friedrichshafen/Ravensburg (sig) „Dä Schwob wird erschd mit 40 gscheit“, sagt der Volksmund. Zwei Tage nach seinem 40. sitzt ein Langenargener vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts, angeklagt wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln. Richterin Martina Hirsch gratuliert nachträglich – zum Geburtstag.

Seit fünf Jahren Marihuana vertickt

Seit 2005 betreibe er ein gewerbliches Geschäft mit Marihuana in Friedrichshafen und Langenargen, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, der sich gestern zum Prozessauftakt auskunftsfreudig zeigt. Ob er im Lauf der Verhandlung die Chance beim Schopf packt und die Namen seiner Hintermänner nennt, wie ihm die Vorsitzende empfiehlt? Die Gelegenheit wäre jetzt günstig und würde sich strafmildernd auswirken, wirbt sie.

Spirale nach unten

Der in Weingarten geborene Angeklagte wächst mit drei Geschwistern auf, verlebt eine schöne Kindheit, macht den Hauptschulabschluss und besucht die Berufsschule. Bei ZF ist er als Handelsfachpacker beschäftigt, nutzt die Chance zur Weiterbildung zum Disponenten und bezeichnet dies als „einmalige Chance“. Was nicht alle in der Firma so sehen, vor allem Ältere nicht, die ebenfalls auf seinen Posten scharf sind und stänkern. Er fühlt sich nicht wohl. Zum Stressabbau raucht er Marihuana, konsumiert Cannabis. An Silvester 2000 trennt er sich von seiner Frau, mit der er einen Sohn hat. Privater Stress kommt dazu, seit 2002 ist er geschieden. Ihn übermannen Depressionen, er wird 2001 in die Psychiatrie nach Gengenbach eingewiesen. Ab Mitte 2002 konsumiert er „dann und wann“ wieder. Wieviel? Ein bis zwei Joints in der Woche. Nach und nach steigert er den Konsum, fragt aktiv im entsprechenden Umfeld nach Betäubungsmitteln nach. Zwischen 2005 und 2008 konsumiert er regelmäßig Marihuana. Als 2008 sein Lieferant verhaftet wird, stellt er seinen Konsum abrupt ein. Mitte 2009 greift gelegentlich wieder zu.

Stoff in Haribo-Tütchen

Warum er wieder angefangen hat, will die Vorsitzende wissen? Es war viel los in der Firma, sagt er, der in seiner Freizeit aktiv in einem Langenargener Verein ist und zu seinem Sohn regelmäßig Kontakt hält. Seit 2002 raucht er, gibt er Drogen mit Gewinn auch an Bekannte ab. „Jeder hat verschiedene Bekannte gehabt“, sagt er über seine Kunden. Ab Februar 2005 bezieht er regelmäßig alle sechs bis acht Wochen von dem Vereinsmitglied – das 2008 verhaftet wird – Marihuana. Mehrfach verschweiste Päckchen zu zweimal 100 Gramm, später zweimal 250 Gramm. Eine Menge, soviel, „ich wusste gar nicht wohin damit“, sagt er. Mit der Abnahme von 250er Packungen steigert er seinen Konsum. Denn der Stoff liegt herum wie in „Haribo-Tütchen“. Wenn was da ist bedient er sich. Mit dem Vereinskollegen, der behauptet, er könne problemlos Stoff beziehen, tut er sich zusammen, konsumiert er. Der tägliche Konsum hindert ihn nicht daran, zur Arbeit zu gehen. Er beaufsichtigt per Computer den Lagerbetrieb, problemlos.

Angeblich beachtlichen Umsatz gemacht

24 Einzeltaten wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. So oft soll er Drogen mit einem Bruttoerlös von insgesamt 161 900 Euro veräußert haben, über 20 Kilogramm, erworben von zwei zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilten Beziehern. Der Prozess wird am 21. Juli fortgesetzt.

Foto: Edith Ochs pixelio

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