OB Horst Frank verurteilt Missbrauch des Konstanzer Fastnachtsumzugs durch Neonazis

Veranstalter des Narrenumzugs distanzierten sich Freitagnachmittag nicht von mit marschierenden Rechten

Konstanz. Die Vereinigung Konstanzer Narrengesellschaften, die den Konstanzer Sonntagsumzug organisiert hatten, haben es nicht getan. Dafür hat es jetzt der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank gemacht. Er hat es in einer Erklärung verurteilt, dass rechtsradikale Kräfte den Konstanzer Fastnachtsumzug für ihre Propaganda instrumentalisiert und missbraucht hatten. Immerhin 25.000 Menschen sollen am vergangenen Wochenende zugeschaut haben.

OB verurteilt Nazi-Auftritt

Oberbürgermeister Horst Frank erklärte: „Die Konstanzer Fasnacht wird weit über Konstanz hinaus als buntes und fröhliches Treiben geschätzt, bei dem die ganze Stadt auf den Beinen ist und Jung und Alt gemeinsam feiern. Ich verurteile es auf das Schärfste, dass der traditionsreiche Fasnachtsumzug in diesem Jahr von rechtsradikalen Kräften für ihre Propaganda instrumentalisiert und missbraucht wurde. Wir werden alles tun, um einen solchen Missbrauch künftig zu verhindern. Mit der Polizei sind wir dabei in einem engen Kontakt. Unser Bürgeramt wird die Veranstalter sensibilisieren, bei der Organisation und Durchführung ihrer Veranstaltungen speziell dieses Thema gezielt in den Blick zu nehmen.“

Ärger wegen Dauerbeschallung

Sensibilisierung dürfte allerdings nicht nur beim Sonntagsumzug nötig sein. Für Unmut bei Anwohnern zum Beispiel rund um den Münsterplatz oder an der Marktstätte sorgte an dieser Fastnacht auch die Dauerbeschallung durch Lautsprecherwagen. Die Musik aus der Konserve hat mittlerweile offenbar Guggenmusiken, deren Auftritte Höhepunkte der Konstanzer Fastnacht sind, aus den Gassen und von den Plätzen vertrieben.

Plombe an Lautsprecher

Nicht auszuschließen ist es, dass sich nicht alle an die vorgegebene Begrenzung der Lautstärke gehalten haben, hieß es seitens der Stadt. Vor der Fastnacht hatte es Gespräche zwischen Bürgeramt, Polizei und Veranstaltern gegeben. Die Stadt schließt nicht aus, dass es im kommenden Jahr schärfere Auflagen geben könnte. Möglich wäre es auch, das Lautsprecherwagen verplombt würden, um so mechanisch zu verhindern, dass die Regler zu weit aufgedreht werden.

Sperrzeiten für Gastronomen

Auch wenn Bewohner der Altstadt einen anderen Eindruck hatten, so ist in der Fastnacht auch längst nicht jede Nacht eine Freinacht gewesen. Die einzige Freinacht habe es vom Schmotzigen Dunschtig auf den Freitag gegeben. Vom Rosenmontag auf Fastnachtsdienstag war Sperrzeit um 5 Uhr. In allen übrigen Nächten galten, zumindest für Gastronomen, die regulären Sperrzeiten, in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 3 Uhr, in der Nacht von Freitag auf Samstag um 2 Uhr und in der Nacht von Sonntag auf Montag um 1 Uhr.

Ausfallbürgschaft für Narrentreffen

Sensibilisiert sein dürfte mit Blick auf die Fastnacht auch der Kämmerer. Fürs Narrentreffen hatte die Stadt eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 100.000 Euro übernommen. Bevor Geld weitergereicht wird, müssen die Narren aber erst einmal eine detaillierte Abrechnung vorlegen, in der Einnahmen und Ausgaben aufgelistet sind.

Kosten fürs Saubermachen der Stadt

Die zusätzlichen Kosten für die Sonderreinigungen der Stadt, für das Aufstellen und Abbauen zusätzlicher Müllcontainer und die Entsorgung des Mülls in der Fastnacht, liegen nach Auskunft der Stadt bei 14.000 Euro.

2 Kommentare to “OB Horst Frank verurteilt Missbrauch des Konstanzer Fastnachtsumzugs durch Neonazis”

  1. Marcus Nabholz (Narrengesellschaft Kamelia-Paradies)
    24. Februar 2012 at 16:11 #

    Bei einem Fasnachtsumzug , der für jedermann offen ist, lässt es sich fast nicht vermeiden, dass sich solche Idioten einmischen. Diese Gruppe hat sich wohl auf der Marktstätte kurz vor Ende des Umzugsweges eingeschmuggelt. Uns Veranstaltern jetzt den schwarzen Peter zuschieben finde ich unfair! Wir wollen und können nicht die ganze Altstadt für den Umzug absperren. Das würde unsere Kapazitäten von Ordnungspersonal und auch die Kosten sprengen.
    Wir wollen auch in Zukunft, dass jeder mitmachen kann, das ist ja der Reiz des Konstanzer Umzugs. Vor allem Familien mit Kindern geben sich sehr viel Mühe mit ihren Kostümen und haben einen riesen Spass, dabei zu sein.
    Ich persönlich distanziere mich auf jeden Fall von dieser Gruppe und ich denke dass ich auch im Namen meiner Präsidentenkollegen der Vereinigten Konstanzer Narrengesellschaften spreche. Uns jedoch die Schuld am Auftritt dieser Gruppe zu geben finde ich überzogen.

  2. Walter Krombach
    25. Februar 2012 at 15:11 #

    Getroffene Hunde blellen bekanntlich: Der OB hat doch nicht den Narrengesellschaften die Schuld für den Nazi-Auftritt zugeschoben, sondern dankenswerterweise diesen Auftritt scharf verurteilt, nachdem das offenbar die Narrengesellschaften nicht für nötig befunden haben. Sich darüber jetzt auch „im Namen der Präsidentenkollegen“ noch aufzuregen, erfordert eigentlich eine weitere Verurteilung – diesmal dieser (hoffentlich nur unsensiblen und nicht sogar bewussten?)) Einstellung der Narren-Oberen/Obernarren.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.