OB Sabine Becker stellt Überlinger Einbahnreglungen auf Prüfstand

Überlinger Oberbürgermeisterin will Entscheidung über Verkehrskonzept noch 2011 – Modus Consult ermittelt Auswirkungen der Planungsfälle

Überlingen. Am liebsten noch im Dezember möchte die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker den Gemeinderat über die Verkehrsführung in Überlingen entscheiden lassen. Bei einem Bürgerbeteiligungsprozess sind drei mögliche neue Varianten erarbeitet worden. Die Kernstadt könnte zu einer echten Fußgängerzone, einem verkehrsberuhigten Bereich (Verkehrszeichen „Spielstraße“) oder einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich (Tempo 20) werden. Auch Einbahnstraßenschilder könnten bald abmontiert werden.

Einbahnregelungen kein Tabu

Derzeit ermittelt das Büro Modus Consult Zahlen und errechnet Auswirkungen der Planungsfälle auf Überlinger Wohngebiete. Wenn es Sabine Becker tatsächlich gelingt, dass der Gemeinderat noch in diesem Jahr eine Entscheidung trifft, hätte sie nach drei Jahren Amtszeit geschafft, was ihrem Vorgänger, Alt-OB Volkmar Weber, in acht Jahren nicht gelungen ist: Ein neues Verkehrskonzept für Überlingen umzusetzen. Die bisherigen Einbahnreglungen sind für Sabine Becker dabei kein Tabu.

Zuerst die Bürger – jetzt rechnen die Planer

„Der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich mit Tempo 20 wäre fast der Ist-Zustand“, sagt Sabine Becker See-Online. Sie macht keine Hehl daraus, dass sie gern einen Schritt weiter kommen würde. Der Moderationsprozess durch Horn Consulting ist längst beendet. Die Bürger haben sich beteiligt. Die Beteiligung der Bürger hatte die Oberbürgermeisterin vor ihrer Wahl 2008 versprochen. Die Ergebnisse sind drei mögliche Planfälle, die die Bürger vorgeschlagen haben. Noch fehlen dem Rathaus die belastbaren Zahlen darüber, wie sich mögliche Varianten der Verkehrsregelung auf Überlinger Wohngebiete und die Gesamtstadt auswirken. Am 27. Oktober hat es Verkehrszählungen in Überlingen am Friedhofskreisel, am Franziskaner Tor und beim Brunnen im Bereich Christoph- und Klosterstraße gegeben. Am liebsten würde Sabine Becker den Rat noch im Dezember einen Beschlussvorschlag vorlegen. Für die Oberbürgermeisterin wäre ein Verkehrskonzept für Überlingen ein persönlicher politischer Erfolg.

Widersprüchliche Interessen

Die Stadt zu befrieden, ist nicht einfach. Die Oberbürgermeisterin steht unter Beschuss. Sie reagiert gelassen. Auch, wenn es Bürgerinitiativen, die unterschiedliche Sonderinteressen vertreten, und einzelne betroffene Anwohner anders sehen: Sabine Becker will das Verkehrsproblem nicht aussitzen, sie möchte die beste Lösung für die ganze Stadt und sie will sie schnell. Sabine Becker zählt die Namen der vielen Bürgerinitiativen auf. Klar ist: Was im Interesse der Anwohner der Owinger Straße wäre, widerspricht den Interessen der Anwohner der Zahnstraße. Die Forderungen der einzelnen Bürgerinitiative seien nachvollziehbar. Die Oberbürgermeisterin redet davon, dass sie auf die Bürger hören möchte. Sabine Becker sagt: „Es gibt K.O.-Fragen, die bestimmte Varianten ausgeschlossen haben.“ Auch deswegen sind jetzt nur noch drei Planfälle übrig. Bis Mitte November hat Modus Consult noch Zeit um auszurechnen, wie sie sich auswirken würden.

Verkehr gerecht verteilen

Sabine Becker sagt, es gehe darum, den Verkehr „gerecht zu verteilen“. „Vor Jahrzehnten wurde geplant, dass die Zahnstraße eine Ausfallstraße sein soll“, sagt sie. Trotzdem wurde kein „Stich“ zur B 31 gebaut. Die Zahnstraße zur Ausfallstraße zu machen sei nicht die beste Entscheidung gewesen. Die Situation hat sich seither immer weiter verschärft – immer mehr Menschen sind in das Neubaugebiet gezogen. „Ich kann es nicht mehr umdrehen“, sagt die Oberbürgermeisterin, die als die Entscheidung fiel, noch nicht im Amt war. Die Stadt könne nicht einfach einer Gruppierung folgen, sagt sie in Richtung der WOGE ZaNeLi. Es sei nicht o.k., dass die Stadt für alles herhalten müsse. Die Einbahnreglungen in Überlingen sind für Sabine Becker keine „heiligen Kühe“. Sie schließt es nicht aus, dass die beidseitige Befahrbarkeit der Einbahnstraßen vielleicht doch die bessere Lösung wäre.

Erst die Grundsatzentscheidung

Die Behauptung, dass die Oberbürgermeisterin planlos handelt, lässt sich nicht aufrecht erhalten. Sobald klar ist, wofür sich Überlingen entscheidet, nach der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats für ein Verkehrskonzept, werden weitere Entscheidungen folgen. Sabine Becker spricht von P&R, Pendelbussen und auch davon, dass das Parken im Parkhaus Stadtmitte erheblich teurer werden müsse als das Parken am Rande der Stadt. Auch ein intelligentes Parkleitsystem könnte die Stadt dann endlich anschaffen. Das Ziel müsse sein, dass die Autos nicht bis in die Mitte der Stadt fahren. Würde die Fußgängerzone in der Spitalgasse anfangen, wäre der ZOB plötzlich direkt an der Fußgängerzone.

Keine Entscheidung wäre schlechteste Entscheidung

Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre es, wenn der Gemeinderat kneifen würde und alles lassen würde wie es ist. So deutlich würde es Sabine Becker niemals sagen. Nichts zu verändern, würden die Bürger nicht akzeptieren. Die Verkehrsproblematik würde die Stadt endlos weiter beschäftigen – womöglich bis zur nächsten OB-Wahl 2016. Alleine entscheiden kann die Verwaltung aber nichts. Dass Bürger bei so vielen widerstreitenden Interessen einen Bürgerentscheid auf den Weg bringen könnten, dürfte schwer werden. Überlingen steht ein harter Winter bevor.

Fotos: wak

6 Kommentare to “OB Sabine Becker stellt Überlinger Einbahnreglungen auf Prüfstand”

  1. Herbi
    31. Oktober 2011 at 19:29 #

    Gut zu wissen, dass nach 3,5 Jahren auch endlich mal die Einbahnstraßen auf den Prüfstand gestellt werden.

  2. Loewe
    31. Oktober 2011 at 19:43 #

    Bahnt sich da etwa ein Wunder in Überlingen an?

    Hoffentlich wird dabei auch bedacht, dass die gesetzlich zulässigen Immissionswerte für Reine Wohngebiete nicht mehr überschritten werden.

  3. Iris
    31. Oktober 2011 at 19:51 #

    @Frau Kässer,

    haben Sie sich evtl. verschrieben?
    Hat das tatsächlich Frau Becker bzgl. den Einbahnstraßen so geäußert?

  4. Wilhelm
    31. Oktober 2011 at 20:12 #

    Die WOGE Zaneli hat weder die Schuld ausschließlich bei der Stadt gesucht noch war in den letzten Jahrzehnten überhaupt von den vorhandenen Einbahnstraßen in irgendeinem Konzept die Rede.
    Dieser Rückblick und diese Sch…hausparolen der letzten 50 Jahre helfen niemanden weiter.

    Der GEMEINDERAT steht nun aber definitiv für die ZUKUNFT in der VERANTWORTUNG!

  5. eikju
    31. Oktober 2011 at 23:21 #

    Verkehrsentscheid zwischen „skylla und charybdis“

    Wer nach 4 Jahren kontroversester Diskussionen hofft, daß
    in den nächsten Monaten das „goldene Kaninchen aus dem
    Hut“ gezaubert wird, der kennt Überlingen nicht.

    Dabei wäre es Frau Becker wirklich zu wünschen, endlich mal über ihren Schatten springen zu können, einen Schatten, der ihr in 2009 ein so böses Bein gestellt hat und der sie seither stark belastet. Aber mit einem Gemeinderat, der bei der Verteidigung der eigenen Interessen nur harte Bandagen kennt, dürfte das wohl kaum zu machen sein. Sein Motto : „Wir sind das Volk “ und — eine Stadt, die Schweden und Inquisition überstanden hat, wird auch die eher
    „cosmetic-liken“ Strategien einer frischen OB überstehen.

    Wir leben in einer wunderschönen Stadt, die von zeitweise reichlich vielen Traumtänzern geprägt ist (s. Bestuhlung Seepromenade, Pferdekutschen mit echten „Äpfeln“, Gartenschauphantasien auf nur 35 m Flächenbreite, zunehmende Scharen lobbyierender sogen. Landschaftsarchitekten usw.) Den Selfmade-Phantasien sind keine Grenzen gesetzt, denn die Bürger / Touris wollen (angeblich) ständig unterhalten sein — „ panem et cirsensis !“

    Eines wage ich jedenfalls zu prophezeien : Sollte unserer OB der
    große Verkehrs-Wurf wider Erwarten doch noch in 2012 gelingen,
    hat sie gute Chancen auf Jobabsicherung. Liebe Überlinger, Ihr habt also die Wahl zwischen „skylla und charybdis“.

  6. wak
    1. November 2011 at 08:56 #

    @Iris Nein, ich habe mich nicht verschrieben, weder, was die Einbahnstraßenregelung noch was den Zeitpunkt angeht. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit OB Becker und ich habe nichts geschrieben, was sie nicht auch so gesagt hätte. Wobei ich darauf hinweisen möchte, sie sagte auf den Prüstand stellen und prüfen heißt ja erst einmal, dass das Ergebnis offen ist.

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