OB-Wahl Konstanz: Zwei Männer und zwei Frauen stellten sich Piraten vor

Sylvia Grossmann (53) disqualifizierte sich selbst – (Noch) parteiloser Mykola Neumann bekundet ernsthaftes Interesse – Sabine Reiser frei von Berührungsängsten

Konstanz. Die Piratenpartei will in einer Online-Befragung ihre Mitglieder entscheiden lassen, ob die Partei bei der OB- Wahl am 1. Juli einen Bewerber oder eine Bewerberin unterstützt. Das haben die Piraten am Samstag bei einer Kreismitgliederversammlung beschlossen. Vier mögliche Bewerber, die sich für eine OB-Kandidatur interessieren, zwei Männer und zwei Frauen, nutzten die Chance, um sich der jungen Partei, vorzustellen. Der Konstanzer Anwalt und Mediator Mykola Neumann war einer von ihnen. Er sagte, er denke darüber nach, in die Partei einzutreten. Weiter erklärte er, dass er seine Bewerbung abgeben und kandidieren möchte, wenn er 100 Unterstützer findet. So viele Unterschriften muss jeder Kandidat abgeben. Unter den möglichen Bewerbern für den Job im Rathaus, die sich vorstellten, war kein Mitglied der Piratenpartei.

Mykola Neumann Alternative zu etablierten Parteien

Mykola Neumann (47) steht den etablierten Parteien skeptisch gegenüber. Er meint, dass es Veränderungen braucht. Mit den Zielen der Piratenpartei kann sich der Jurist identifizieren. Klar ist, der 47-jährige meint es ernst. Bei Forsa und Allensbach kommen die Piraten aktuell auf 13 und 10 Prozent. Konstanz war bei den vergangenen Bundes- und Landtagswahlen in Baden-Württemberg eine Hochburg der Piratenpartei.

Sylvia Grossmann machte andere schlecht

Einzelhändlerin Sylvia Grossmann (53), die an der Konstanzer Uni Politik studiert hat, nutzte die Chance, sich den Piraten vorzustellen ebenfalls. Grossmann sagte, sie sei SPD-Mitglied, bezahle aber ihre Beiträge nicht. Sie hatte schon vor 16 Jahren in Konstanz kandidiert. Sie sagte in ihrer Vorstellung unter anderem, Horst Frank regiere zu „absolutistisch“. Das Konstanzer Stadtmarketing würdigte sie als „Katastrophe“ herab und ihre Mitbewerberin Sabine Reiser bezeichnete sie im Hinterzimmer des Café Einblick gar als „Opportunistin“. Grossmann empörte sich auch über den langjährigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Leipold, der sie vor 16 Jahren kritisiert hatte, weil sie ihre Partei überrascht hatte und neben dem von der SPD favorisierten Bewerber antrat. Als Stadtführerin kenne sie die Stadt. Außer Kritik an anderen hatte sie wenig zu bieten. Auf einen Flyer will sie verzichten.

Johannes Brand, einer von 80.000 Konstanzern

Johannes Brand (58), selbständiger Handwerker, sagte, die 100 Unterschriften habe er wahrscheinlich schnell zusammen. Er sagte, fachlich sei er wahrscheinlich nicht geeignet. Er habe einen Hauptschulabschluss und eine Lehre gemacht. Der Konstanzer ist parteilos und wünscht sich mehr Menschlichkeit. Er sieht sich als einen „Kandidaten aus dem Volk“, der das Pflaster auf dem Münsterplatz für eine Unverschämtheit und die Brücke am Bahnhof für eine Art teuren Schildbürgerstreich hält. Er sprach von mehr Wohnungen in Konstanz. Wachstum sieht er kritisch. Brand, der Konstanz – was nicht negativ gemeint ist – aus der Froschperspektive sieht, sagte, er habe bisher grün gewählt, vielleicht seien die Piraten eine Alternative.

Sabine Reiser, Verwaltungsfachfrau unter Piraten

So wie Sebastian Turner in Stuttgart hat auch Sabine Reiser (50), die dem bürgerlichen Lager zuzuordnen ist, keine Berührungsängste mit der Piratenpartei. Sie sagte, sie habe sich noch nicht endgültig entschieden, ob sie kandidieren wolle. Sie führe gerade viele Gespräche und lerne die Stadt kennen. Sie ist Juristin und ist beim Regierungspräsidium Stuttgart für Städtebauförderung zuständig. Sie sagte, sie arbeite seit 20 Jahren in der Verwaltung. In dieser Zeit habe sich sehr viel geändert. Sie nannte die Schlüsselbegriffe Transparenz und Bürgerbeteiligung. Konstanz sieht sie auf einem guten Weg, das RIS gebe es schon länger und der Livestream wäre die Fortsetzung. Sie sagte, sie wolle als unabhängige Bewerberin antreten, wolle als Persönlichkeit überzeugen, brauche aber Unterstützung. Sie habe bereits einen Wahlkampf aus eigener Tasche finanziert, in Konstanz sei das nicht möglich. Eine Faustregel heißt: Ein Wahlkampf kostet einen Euro je Einwohner. Die Piraten wollten von ihr unter anderem wissen, ob sie die Finanzierung ihres Wahlkampfes transparent machen würde und Spender nennen, die zehn Prozent oder einen noch höheren Anteil ihres Wahlkampfes finanzieren würde. Die Juristin sagte, damit hätte sie kein Problem. Ihr größtes Handicap: Sie ist Mitglied der CDU.

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