Oberammergau ist in Konstanz und überall

Widerstand gegen KKH, Kunstmuseum und Olympia

Konstanz/Ravensburg (wak) Widerstand gegen teure Prestige-Projekte wie ein Konzerthaus, ein Kunstmuseum oder auch olympische Winterspiele regt sich nicht nur in Konstanz. Konstanzer Konzerthaus-Gegner sehen sich mittlerweile in einem Boot mit kritischen Bürgern in anderen Städten. Auch dort sind beunruhigte Menschen aktiv, die aufgrund der immer heikler bis unerquicklich werdenden finanziellen Lage der Kommunen Millionen schweren Großprojekten mit Misstrauen begegnen.

Große Koalition von Nein-Sagern

Während in Konstanz die Initiative „Nein zu Kein Venedig“ gegen ein Konzert- und Kongresshaus kämpft, leisten in Ravensburg Bürger Widerstand gegen ein neues Kunstmuseum. In Garmisch-Patenkirchen lehnt zumindest eine Minderheit die Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2018 ab. Die Koalitionen der Nein-Sager sind an allen Orten groß: In Konstanz strampeln Mitglieder von SPD, Linken, Piratenpartei, Grünen und politisch Unabhängige gemeinsam. In Ravensburg, wo am 14. März ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird, hat sich ein Nein-Sager gar zur OB-Kandidatur entschlossen. In Garmisch-Patenkirchen ziehen der örtliche Bund Naturschutz und Traditionsvereine wie der Schützenverein, der die Olympia-Bewerbung allerdings nicht rundweg ablehnt, zeitweise an einem Strang. Im Internet treffen sich immer öfter Nein-Sager, die ihren Widerstand in die virtuelle Welt twittern. Längst kämpfen die Gruppen nicht mehr nur isoliert in ihrer Stadt gegen ein Projekt, sondern irgendwie auch miteinander und sie versichern sich gegenseitig, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Konzerthaus Konstanz = Kunstmuseum Ravensburg

„Ein Glücksfall für Ravensburg“, jubelt die 50.000 Einwohner-Stadt und begeistert sich zusammen mit ihrem Kuturreferenten Franz Schwarzbauer, der übrigens in Konstanz studierte und promovierte fürs Kunstmuseum. Doch längst nicht alle 50.000 Ravensburger jubeln mit. Mitten in der Altstadt könnte ein modernes Kunstmuseum entstehen – könnte, sofern die Gegner in der Minderzahl bleiben. Die Sache ist diese: Der Neubau ist Bedingung dafür, dass die oberschwäbische Stadt die beachtliche Sammlung Peter und Gudrun Selinka 30 Jahre lang ausstellen darf. Weil die Stadt Ravensburg selbst aber kein Geld hat, ein Kunstmuseum zu bauen, soll das ein Investor tun. Die Stadt Ravensburg plant das Museum dann zurückzumieten. 30 Jahre lang soll die Stadt jeden Monat eine Miete für die Immobilie bezahlen. Abenteuerlich finden das Gegner. Das Kunstmuseum würde Ravensburg am Ende rund 7,6 Millionen Euro kosten. So berichteten es Medien. Noch-OB Hermann Vogler verteidigt das Projekt – so wie der Konstanzer OB Horst Frank den Bau eines Konzert- und Kongresshauses verteidigt. Feiner Unterschied: Das rund 65 Millionen Euro teure Konzerthaus würde die 80.000 Einwohner Stadt Konstanz fast das zehn mal so viel wie die Stadt Ravenburger ihr Kunstmuseum kosten.

Nein zu gemeinsamem Auftritt

Die Akteure, die im Badischen und Schwäbischen oder Bayerischen Widerstand leisten, sind sich sehr einig. Gewisse Parallelen gebe es, ist nicht überraschend auch in einer E-Mail-Antwort zu lesen, die von Konstanz nach Ravensburg geschickt worden ist. Der Fall ist klar: Das Problem, dass Kommunen „ungeachtet ihrer finanziell stetig prekärer werdenden finanziellen Lage, an teuren Prestige-Objekten festhalten,“ beschränke sich leider wohl nicht auf Konstanz oder Ravensburg, heißt es in der Mail weiter. Trotzdem möchten die Konstanzer, die Widerstand gegen das Konzert- und Kongresshaus organisieren, keine Veranstaltung zusammen mit den Ravensburgern auf die Beine stellen. Der Grund: Bis zum Bürgerentscheid am 21. März läuft der Initiative „Nein zu Klein Venedig“ die Zeit davon. Sie will noch so viel Gegenöffentlichkeit wie möglich schaffen. In Konstanz angeklopft hatte ein Ravensburger, der mit seinen Mitstreitern seit Sommer 2009 gegen ein neues Museum für moderne Kunst kämpft. Die Ravensburger könnten sich eine gemeinsame Pressemitteilung oder Pressekonferenz zum Thema „Geldverschwendung in schlechten Zeiten für Dinge, die schön aber nicht notwendig sind“ vorstellen, heißt es in einer Mail aus Ravensburg. Am liebsten würden die Ravensburger, so wie es aussieht, wohl auch gleich noch die Nein-Sager aus Garmisch-Patenkirchen und Oberammergau einladen. Bei denen geht es um Wintersportstadien für jeweils 25.000 Menschen.

http://www.meine-meinung-rv.de

http://www.nein-zu-klein-venedig.de

Foto: Dieter Schütz PIXELIO

www.pixelio.de

Ein Kommentar to “Oberammergau ist in Konstanz und überall”

  1. Fenedig
    22. Februar 2010 at 23:15 #

    Eine weitere Olympiade in Bayern mag ein „Prestige-Projekt“ sein, das zu erstellende Konstanzer Veranstaltungshaus für Konzerte und Kongresse, KKH genannt, ist definitiv keines. Es ist eben nicht so, dass stets nur den Gegnern das Prädikat des „kritischen Bürgers“ zu unterlegen ist, auch die Befürworter ihrerseits mussten „kritisch“ durchleuchten, was für die Stadt heute machbar ist und wo die Grenzen zu liegen haben. Wie es aussieht, wurde die Aufgabe ansprechend gelöst. Über die Notwendigkeit eines KKH’s – besonders auch als Ersatz für das alte Konzilsgebäude! – musste dagegen wohl nicht lange gestritten werden. Dass Kritik immer besonders dann negativ aufkommt, wenn „Kultur“ angesagt ist, überrascht nicht, überzeugt aber auch nicht. Ganz besonders nicht gegenüber der heutigen Jugend, die neben der bunten alternativen Kultur durch ein klassisches Konzerthaus auch mal eine andere Spartenseite von Kultur echt erleben kann. Und gerade auch für Schulen erschliessen sich hier sehr schöne Perspektiven.

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