Oberbürgermeister fürchtet Verletzung religiöser Gefühle

Lenk-Plastik bleibt vier Wochen lang im Konstanzer Bahnhof stehen

Konstanz (wak) Die umstrittene Papst-Skulptur bleibt mindestens noch vier Wochen in der Mobilitätszentrale des Konstanzer Bahnhofs stehen. Solange haben Bahnhofsbesucher Gelegenheit,  die Figur des Künstlers Peter Lenk dort zu besichtigen. Das teilte die Stadt Konstanz in einer Pressemitteilung mit. Oberbürgermeister Horst Frank fürchtet, der Nackedei in Sandalen könnte religiöse Gefühle verletzen. Keine Aussage macht der Konstanzer OB zu Behauptungen, er sei aus Stuttgart unter Druck gesetzt worden. Ministerpräsident Stefan Mappus hatte diesen Verdacht dementieren lassen. Berichten über den Gesprächsverlauf, die Peter Lenk nach dem Treffen  mit dem Konstanzer Oberbürgermeister öffentlich gemacht hatte, widersprach Horst Frank in der Pressemitteilung nicht.

Päpstliche Gauklerfigur nimmt an Eröffnung teil

Am kommenden Freitag um 12 Uhr eröffnen Horst Frank, Oberbürgermeister der Stadt Konstanz, Felix Gemperle, Leiter Region Säntis-Bodensee, Schweizerischen Bundesbahnen, Jürgen Ruff, Vorsitzender Förderverein Mobilitätszentrale Konstanz, Reinhold Pohl, Leiter DB Vertrieb Südwest, und Sven Hantel, Leiter Regionalbereich Südwest, DB Station&Service AG, die neue Mobilitätszentrale im Bahnhof Konstanz. Die Deutsche Bahn AG, die Schweizerischen Bundesbahnen und die Tourist-Information Konstanz GmbH bieten künftig ihre Dienstleistungen für Bahnkunden und Besucher der Stadt unter einem gemeinsamen Dach an.Zugegen sein wird bei der Eröffnung des Bahnhofs auch noch die Papst-Figur des Bildhauers Peter Lenk. Sie wird mit erklärenden Anmerkung von Peter Lenk versehen und nicht verhüllt sein. Lenk weist darauf hin, dass es sich bei der Figur um einen „Gaukler“ handele, der sich die Insignien der geistlichen Macht angeeignet habe.

Über das Gespräch zwischen Künstler und OB

Über das Gespräch zwischen Peter Lenk und Horst Frank am Montag dieser Woche informierte die Stadt so: „Bei einem Treffen im Rathaus haben Oberbürgermeister Horst Frank und der Bildhauer Peter Lenk über dessen Plastik in den Räumen der Mobilitätszentrale und das weitere Verfahren gesprochen. Der Bildhauer legte Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Plastik nicht um die Darstellung eines Papstes handelt, sondern um die Darstellung eines Gauklers, der sich Insignien der geistlichen Macht angeeignet hat.“

Missverständnisse und verletzte Gefühle

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Die Reaktionen über die Berichterstattung zur Aufstellung der Plastik wie zum Beispiel der Bild-Zeitung zeigten, dass sie bei Orts- und Landespolitikern wie auch bei Kirchenvertretern offensichtlich erhebliche Missverständnisse ausgelöst hat.“ Wörtlich schreibt der Pressesprecher des OB, Walter Rügert: „Auch Bürger sehen sich durch die Plastik in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Da diese Missverständnisse und Verletzungen der religiösen Gefühle auch zukünftig bei Bürgern, Besuchern und Gästen der Stadt nicht ausgeschlossen werden können, hält Oberbürgermeister Frank die im Aufsichtsrat der TIK besprochene Entfernung der Figur aus den Räumen der Mobilitätszentrale für eine mögliche und angemessene Lösung.“ Über den Zeitplan und die technischen Einzelheiten der Entfernung würden sich die Tourist-Information und Peter Lenk nach einer erneuten Behandlung des Themas im Aufsichtsrat der Tourist-Information absprechen.

Pfingst-Attraktion für Konstanz-Besucher

Peter Lenk sagte, er sei mit der Erklärung der Stadt voll und ganz einverstanden. Vor allem freut sich der Künstler nun darüber, dass alle Kunstinteressierten und sonstige Schaulustige von Freitag dieser Woche an vier Wochen Zeit haben, sich die Kopie der Figur, die ansonsten nur aus der Ferne und in Händen der Imperia zu besichtigen ist, selbst aus der Nähe anzuschauen. Die Stadt Konstanz hat über Pfingsten eine zusätzliche touristische Attraktion. Bemerkenswert dürfte aus Sicht Lenks ansonsten auch die Formulierung der Stadt sein, die Entfernung der Figur aus den Räumen der Mobilitätszentrale sei „eine“ mögliche Lösung. Spätestens, wenn sich gut 80.000 Konstanzer und ihre Gäste ein eigenes Urteil gebildet haben, werden sich die Lokalpolitiker, die die Figur anstössig finden, wohl noch einmal erklären müssen. Mappus ist der Papst ja glücklicherweise egal.

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