Oberstaatsanwalt im Ravensburger Drogenprozess gnadenlos

Drei Jahre und neun Monate Gefängnis für Drogenhändler – ZF Kollege schwieg

Friedrichshafen/Ravensburg (sig) Zu einer Freiheitssrafe von drei Jahren und neun Monaten hat das Landgerichts Ravensburg einen 40jährigen Langenargener verurteilt. Der Mann hat nach Überzeugung des Gerichts über Jahre 15 Kilogramm Drogen gekauft, verkauft und selbst konsumiert.

Dealer nannte seine Abnehmer nicht

Insgesamt 18 Fälle des nicht erlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge hat ihm eine Große Strafkammer nach dreitägiger Verhandlung unter Vorsitz von Richterin Martina Hirsch zwischen 2005 und 2009 im Raum Langenargen, Friedrichshafen bis nach Baindt nachgewiesen und in seinem Urteil Haftfortdauer angeordnet. Elf Kilogramm von einem Brüderpaar gekauft, mit Gewinn verkauft oder für den Eigenverbrauch reserviert zu haben, räumte der Angeklagte ein. Von dem Angebot des Gerichts, seine Abnehmer zu nennen und damit auf eine mildere Strafe hoffen zu können, machte er keinen Gebrauch. Das Brüderpaar war in Fußfesseln aus der Justizvollzugsanstalt in Hinzistobel vorgeführt und als Zeugen vernommen worden. Sie sitzen ein, weil sie den Anbau und Verkauf von Drogen in einer Menge von über 140 Kilogramm zu verantworten haben.

Von der Marihuana-Plantage

Als derzeitigen „Haus- und Hof-Zeugen“ bezeichnete die Vorsitzende den Bruder im Zeugenstand, der das Marihuana auf der eigenen Plantage hochgezogen hat und bereits zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe abgeurteilt ist. Fast täglich sitzt er momentan im Landgericht, um sein Wissen bei diversen Drogenprozessen kundzutun. Der 38jährige Konstruktionsmechaniker produzierte angeblich mehr als sein mitinhaftierter Bruder absetzen konnte. Unter anderem an den Angeklagten. Zwischen 108 und 142 Kilogramm sollen es gewesen sein, die im Umlauf waren. Einer der Brüder, mit dem der Angeklagte befreundet war, nahm die jeweils in Tüten abgepackten Lieferungen seines Bruders entgegen und verkaufte sie weiter. Alle vier Wochen, wie er meinte, oder alle sechs Wochen, wie sein die Drogen anbauender Bruder sagte, ging der Stoff über den Tisch. „Das war eine gewisse Regelmäßigkeit“, berichtete der Häftling im Zeugenstand.

ZF Kollege sagte nichts

Nicht so gesprächig waren gestern zwei weitere als Zeugen Geladene. Der eine wollte einen Nachbarn nicht belasten und verweigerte die Aussage, der andere wollte nicht sagen, ob er von seinem befreundeten ZF-Kollegen auf der Anklagebank etwas gekauft habe. Auch Nachfrage des Staatsanwalts auch nichts dazu, ob man den Gewinn der letzten 89 Gramm Marihuana für die gemeinsame Pokerkasse verwendet habe.

Oberstaatsanwalt gandenlos

Wie „blöd und blauäugig“ müsse man eigentlich sein, so etwas zu machen, fragte der Oberstaatsanwalt, der im Angeklagten nicht den typischen Drogendealer sieht, aber dennoch auf vier Jahre und neun Monate sowie eine Geldstrafe von 30.000 Euro plädierte.

Reue des Angeklagten

Rechtsanwalt Thomas Mayer versuchte die Glaubwürdigkeit des Brüderpaares zu erschüttern und ging von einem minderschweren Fall aus. Von den von seinem Mandanten eingeräumten elf Kilogramm seien drei Kilogramm für den Eigenverbauch gewesen, bat er um Milde. Sein Mandant sei durch seine erschwerende Alltagssituation in eine schlichte Abhängigkeit von Cannabis geraten. Vom Gewinn habe er gelebt, in seine Modellautos investiert und einen Teil des Geldes an seine Eltern weitergegeben. In seinem letzten Wort bereute der Angeklagte sein Tun. In der Haft sei ihm „richtig klar geworden“, nicht nur seine Existenz aufs Spiel gesetzt zu haben, sondern auch die seiner Mutter, seines Sohnes und seiner Lebensgefährtin.

Verurteilter zuvor nicht vorbestraft

Zugunsten des Angeklagten legte das Gericht aus, dass er nicht vorbestraft war und er ein Teilgeständnis ablegte, zu seinen Lasten, dass er erhebliche Mengen über eine lange Dauer angekauft und verkauft habe. Dafür trage er die Verantwortung. Zu der Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten kommt eine Geldstrafe von 28.000 Euro, die der Angeklagte in etwa als Gewinn erlöst hat.

Foto: Edith Ochs pixelio

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