Pad der Piratenpartei gekapert und mit Links zu Kinderpornografie verseucht

Piratenpad missbräuchlich genutzt – Piratenpartei erstattet Anzeige

Berlin/Konstanz. Am Donnerstag wurde dem Berliner Tagesspiegel eine anonyme E-Mail zugestellt. Darin wurde mitgeteilt, dass in einem Piratenpad Internetadressen zu kinderpornografischem Material aufgeführt seien. Das teilte die Partei mit, die in Baden-Württemberg derzeit Umfragen zu Folge bei vier Prozent liegt.

Ungute Erinnerungen an den Fall Tauss

Nachdem die Piratenpartei über die Vorwürfe informiert worden sei, haben die Piraten der Zugriff auf das betreffende Pad sofort technisch unterbunden. In der Vergangenheit war die Piratenpartei in Zusammenhang mit Jörg Tauss in die Schlagzeilen geraten. Der ehemalige SPD-Politiker und spätere Pirat wurde im vergangenen Jahr wegen des „Besitzes kinderpornographischer Schriften unter anderem in insgesamt 102 Fällen“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung verurteilt. Jörg Tauss, der aus der Partei austrat, nahm seither wieder an Piratenstammtischen teil. Die Piraten lehnten die Wiederaufnahme von Tauss aber ab, in der Berliner Parteizentrale wurde ihm ein Hausverbot auferlegt.

Vorstand erstattet Strafanzeige

Vom Bundesvorstand wurde wegen des kinderpornografischem Materials auf dem Pad – das aber nicht in Zusammenhang mit dem Fall Tauss steht – bei der Polizei in Berlin Strafanzeige erstattet. Der Tatvorwurf gegen Unbekannt beziehe sich auf § 184b StGB (Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornographischer Schriften). Bis auf Weiteres wurden auf Empfehlung des zuständigen Landeskriminalamtes die Piratenpad-Server abgeschaltet, um einen weiteren Missbrauch zu verhindern.

Sebastian Nerz: Es ist widerlich

Zu diesem Sachverhalt erklärt Sebastian Nerz, Bundesvorsitzender der Piratenpartei Deutschland: „Wir sind entsetzt. Die Piratenpartei kämpft gegen Kinderpornografie. Es ist widerlich, dass ausgerechnet das Piratenpad jetzt für solche Links genutzt wird. Wir haben unverzüglich Anzeige bei der Polizei erstattet und werden selbstverständlich mit den Behörden zusammenarbeiten, um diesen Fall vollständig aufzuklären. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Mitglied der Piratenpartei derartiges Material verbreitet hat.“

So funktioniert das Pad

„In den Piratenpads werden Vereinssitzungen protokolliert, Briefe verfasst oder – innerhalb der Partei – politische Texte ausgearbeitet“, so Nerz weiter. „Wir reden hier von zigtausend Zugriffen jeden Tag. Es ist abstoßend, dass die Pads jetzt für solche Zwecke genutzt werden. Wir werden überprüfen, wie wir dagegen in Zukunft besser vorgehen können.“ Die Piratenpartei stehe für Rechtsstaatlichkeit. Sie wird auch in Zukunft umgehend handeln, wenn wir über Missbrauch informiert werden.

Technischer Hintergrund

Beim Piratenpad handelt es sich um einen sogenannten kollaborativen Texteditor, was bedeutet, dass dort über eine Browseranwendung mehrere Benutzer gleichzeitig an einem Text arbeiten können. Das Piratenpad ist dabei ein öffentlicher Dienst der Piratenpartei, der von beliebigen Personen genutzt werden kann. Die Piratenpartei verwendet diesen Dienst beispielsweise zur Ausarbeitung politischer Texte. Auch andere Organisationen, wie etwa der Deutsche Evangelische Kirchentag, nutzen das Piratenpad, um tägliche Arbeiten zu erledigen. Das teilte die Piratenpartei mit.

Kontrolle der Inhalte nicht möglich

Rein technisch ist eine Kontrolle der Inhalte von Piratenpads nicht möglich. Wie in großen Webforen oder Anwendungen wie Google Docs kann die Piratenpartei nur auf Meldungen reagieren – und tut dies auch unverzüglich. Derzeit sind im Pad-Bereich der Piratenpartei über hunderttausend verschiedene Pads angelegt.

2 Kommentare to “Pad der Piratenpartei gekapert und mit Links zu Kinderpornografie verseucht”

  1. kukuk
    25. November 2011 at 08:26 #

    Ihre Schlagzeile zur Kindergeschichte im Pad vom 25. November ist diffamierend. Sicher lebt eine Zeitung auch vom Geld, aber es kann nicht auf dem Rücken von grossstädtischen Familien ausgetragen werden. Es bleibt zu hoffen, dass in keinem Ihrer Links auf den provinziellen süddeutschen Schnee, oder den Live-Cams in Ihren Empfehlungen jeweils Sünder, Hausfrauen und deren Friseure auftreten, die sich für diese heldenhafte Meldung wirklich interessieren.
    In diesem Sinne,
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  2. dk
    25. November 2011 at 13:43 #

    Das Thema dürfte hier vielmehr sein, dass die Piraten als Experten für IT-Sicherheit scheinbar ihr Auto oder ihre Wohnung im öffentlichen Raum nicht abschliessen, sondern sogar einladend offen stehen lassen.

    Vielleicht wurde diese „nackte Transparenz und Offenheit“ in Wahlkämpfen von anderen Parteien (bisher) noch nicht angesprochen, weil bei diesen „Technokraten“ eher „friedliche Koexistenz“ statt „ruppiges Bolzen“ effektiver erschien.

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