Panne im Bildungssystem: Kein Abitur wegen fehlender Plätze

SPD-Landtagsabgeordneter Norbert Zeller verlangt mehr Plätze an Beruflichen Gymnasien

Stuttgart/Bodenseekreis (wak) Nicht jeder Schüler, der einen mittleren Bildungsabschluss hat, kann an einem beruflichen Gymnasium sein Abitur machen. „Die Landesregierung muss mehr Klassen einrichten und allen zugangsberechtigten Schülern Besuch ermöglichen.“ Das fordert der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Zeller. Die SPD fordert einen Rechtsanspruch auf einen Schulplatz und will den skandalösen Zustand nicht länger hinnehmen.

Viele Bewerber gehen leer aus


Auch im kommenden Schuljahr werden viele Bewerber um Plätze an den beruflichen Gymnasien im Bodenseekreis eine Absage erhalten. Das ist das Ergebnis einer entsprechenden Anfrage des SPD-Abgeordneten Norbert Zeller an Kultusministerin Marion Schick. Demnach haben sich 650 zugangsberechtigte Schüler um einen Platz an einem der beruflichen Gymnasien allein im Bodenseekreis beworben. Dazu zählen neben 79 Schülern aus den jetzigen Klassen 9 und 10 der achtjährigen Gymnasien auch 571 Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, also nach Realschule, Werkrealschule und zweijähriger Berufsfachschule, die die formalen Aufnahmevoraussetzungen erfüllen. Dieser Nachfrage von insgesamt 571 Bewerbern stehen jedoch voraussichtlich nur 433 Plätze an den beruflichen Gymnasien gegenüber. So viele Schüler besuchen in diesem Schuljahr die Eingangsklassen der beruflichen Gymnasien im Kreis. Es fehlen somit 138 Plätze, was rund 25 Prozent entspricht.

Kein Abitur wegen fehlender Plätze

„Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass die beruflichen Gymnasien allein aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage sind, alle Interessierten aufzunehmen“, so SPD-Landtagsabgeordneter Norbert Zeller. Zwar könnten gegebenenfalls einige so genannte Pool-Klassen eingerichtet werden. Da sich aber auch die Zahl der Bewerber durch die Wiederholer noch erhöhen werde, würden diese vermeintlich zusätzlichen Plätze an der Situation kaum etwas ändern.

SPD will Rechstanspruch

Norbert Zeller forderte deutliche Verbesserungen vom Land: „Das Problem ist ja nicht neu. Die Landesregierung muss endlich einsehen, das ihr bisher verfolgtes Prinzip „Es wird schon alles nicht so schlimm werden“ gescheitert ist.“ Er verwies auf eine aktuelle Gesetzesinitiative der Landtagsfraktion, mit der die SPD künftig jedem zugangsberechtigten Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss gesetzlich einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einem beruflichen Gymnasium garantieren will. „Mit dieser Gesetzesinitiative wollen wir die Landesregierung dazu zwingen, die Zahl der Klassen an den beruflichen Gymnasien deutlich zu erhöhen und ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stellen“, so der Parlamentarier, der auch Vorsitzender des Schulausschusses im Landtag ist.

Schüler leiden unter verfehlter Schulpolitik

Es sei ein falsches Signal, dass Schüler unter einer verfehlten Schulpolitik des Landes leiden müssten. „Einerseits wirbt das Land für seine Realschulen mit dem Hinweis auf gute schulische Anschlussmöglichkeiten, andererseits stellt es aber zu wenige Plätze an beruflichen Gymnasien zur Verfügung“, kritisierte Zeller. So müssten sich viel engagierte Schüler nach einer Absage demotiviert auf die Suche nach Alternativen machen.

Durchlässigkeit des Bildungssystems ist Farce

Voraussetzung für die Aufnahme in die Eingangsklasse der beruflichen Gymnasien ist die mittlere Reife. Für Realschüler, Werkrealschüler und Berufsfachschüler ist dabei ein Notenschnitt von mindestens 3,0 in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie der ersten Pflichtfremdsprache notwendig. „Wenn dieser Schnitt nicht als Rechtsanspruch gilt, werden die Notenschnitte vom Ministerium so angehoben, dass dies für die Schüler zum Lotteriespiel wird“, befürchtet Zeller. Die so genannte Durchlässigkeit des Bildungssystems sei ohne Rechtsanspruch nur eine Farce, weil ein Schüler mit durchaus guten Notenschnitt wegen einem Zehntel schon aus dem Aufnahmeraster fallen könne. „Dies ist nicht hinnehmbar“, so Zeller und das Land müsse nun handeln.

Foto: wak

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