Pianist Davide Martello spielt gegen das KKH

Giftige Töne und Wahlkampf-Events vor dem Bürgerentscheid

Konstanz (wak) Befürworter und Gegner der Konzert- und Kongresshauses auf dem Areal Klein Venedig in Konstanz sind drei Wochen vor dem Bürgerentscheid nicht mehr zu stoppen. Mit Plakaten, Informationen, Festen und Events wollen sie so viele Konstanzer wie möglich überzeugen und auf ihre jeweilige Seite ziehen. Auf Wochenmärkten und im Internet trommeln die Wahlkämpfer. Die Marschrichtung ist klar. Beide Seiten brauchen die Mehrheit der Wähler und das müssen auch noch 25 Prozent aller Wahlberechtigten sein. Andernfalls wäre der Bürgerentscheid ungültig.

Stadt informiert im Konzil – Bürgerinitiative zeitgleich im Hotel Zeppelin

Am Mittwoch, 3. März, findet um 19 Uhr im Konzil (Unterer Konzilsaal) eine Informationsveranstaltung zum Konzert- und Kongresshaus auf Klein Venedig statt. Einladen wird die Stadt. Zur Sprache kommen unter anderem die Themen Architektur, Nutzung, Standort, Verkehr, Städtebau, Kostensicherheit und Finanzen. Nach der Vorstellung des Projekts durch Oberbürgermeister Horst Frank, Bürgermeister Claus Boldt, Bürgermeister Kurt Werner, Georg Reisch (Bietergemeinschaft), Much Untertrifaller (Architekt) und Andreas Schele (Drees&Sommer) haben Interessierte die Möglichkeit, Fragen zu den verschiedenen Themen zu stellen. „Die Bürgerinnen und Bürger sind zu der Veranstaltung herzlich eingeladen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Die Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Venedig“ will den Abend offenbar nicht zur Debatte nutzen. Denn zeitgleich, am 3. März, um 20 Uhr lädt sie in Hotel Graf Zeppelin. Dort soll es eine Diskussion, Fragen und Antworten von Interessierten und der Bürgerinitiative geben.

Bürgerfest auf dem Bauplatz

Am Wochenende vor dem Bürgerentscheid planen dann wiederum Befürworter und Gegner des Projekts Veranstaltungen – dieses Mal vor Ort auf dem Gelände Klein Venedig. Am Samstag, 13. März, möchte die Initiative „Konstanz gibt den Ton an“ auf dem „Bauplatz“ ein Fest feiern. Treffpunkt ist Klein Venedig. Von 14 bis 17 Uhr können sich Interessierte das abgesteckte Areal für das Konzert- und Kongresshaus ansehen und auf der riesigen freien Fläche davor einen Frühlings-Sonntag am See genießen. Für Unterhaltung ist laut Veranstalter gesorgt – und verdursten und verhungern muss ebenfalls niemand. Wer am Samstag keine Zeit hat, könnte sich ein Modell, das das Gelände Klein Venedig samt Sea Life, Konzerthaus, Hotel und Parkhaus zeigt, auch im Lago anschauen – und sich ein Bild über den Standort und die Größe des Konzerthauses sowie das künftige Ensemble machen.

Kulturevent am Tag danach am selben Ort

Am Sonntag, 14. März, halten dann wieder die Gegner dieses Mal mit einem Live-Event dagegen. Davide Martello, Pianist und Komponist, plant ein „FreieSeesicht – Konzert“ auf Klein Venedig. Die Vorführung soll eine Woche vor dem Bürgerentscheid zwischen 15.30 Uhr und 17.30 Uhr stattfinden. Davide will sein Stagepiano mit 12 Aktivboxen einsetzen (ca. 3.500 Watt Leistung gesamt). Das Problem des Pianisten war, woher er Strom bekommt. Sea Life Konstanz wollte ihm nach Aussage von Konzerthausgegnern angeblich eine Steckdose zur Verfügung stellen, habe dieses pragmatische Angebot dann aber sehr plötzlich wieder zurückgezogen. Macht nichts: Davide Martello hat inzwischen einen wunderbaren Stromgenerator. „Er hält uns auf dem Laufenden“, freut sich die Bürgerinitiative. Davide Martello wünscht sich übrigens selbst ein Konzerthaus in Konstanz, aber nicht auf Klein-Venedig und nicht das, das die Vorarlberger Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller planen.

Band-Szene ärgert sich über Konzerthaus-Millionen

Kritisch sieht ein Konzert- und Kongresshaus auch die Konstanzer Band-Szene. Ihre Proberäume, die sie als Ersatz für die Räume Gustav-Schwab-Straße bekamen, gehen mit der Erweiterung des Lago-Parkhauses verloren. „Ersatz gibt es vorerst keinen und für die sogenannte Hohe Kultur werden Millionen ausgegeben, während die vielen kleinen Musik- und Kulturschaffenden um jeden Pfennig betteln müssen“, so die Kritik der Musiker.

Am liebsten ein Sprechverbot für den OB

Überhaupt werden die Parteien zunehmend nervös. So empört sich die Onlinezeitung Seemoz darüber, dass Oberbürgermeister Horst Frank im Gemeinderat an Stelle des Stadtkämmerers Hartmut Rohloff eine Frage zur mittelfristigen Finanzplanung selbst beantwortete. Die Mitglieder im Gemeinderat seien verärgert, der Stadtkämmerer düpiert, empörte sich der Autor und redet gar von einem Skandal.

Wortgefechte zwischen Kunstfreund und Architekt

In die Haare geraten sind sich auch Konzerthausbefürworter Alexander Stiegeler und Architekt Andreas Rogg. Stiegeler warf Rogg in einer E-Mail vor, dass Rogg angeblich seine Position als „Vize-Vorsitzender des Architekturforums“ benutze um, wie Stiegeler behauptet, „Äußerungen als die des Architekturforums darzustellen“. Rogg widerspricht nicht nur, sondern kritisiert auch noch einmal das nicht-öffentliche Verfahren, das die Stadt beim Konzerthaus anwandte, und erklärt: „Öffentliche Projekte brauchen offene und transparente Verfahrensformen und keine Geheimniskärmerei hinter verschlossenen Türen.“ Das Verfahren habe dem Konzert- und Kongresshaus am meisten geschadet. Das finden übrigens auch Mitglieder der Piratenpartei, die schon am Samstag vor zwei Wochen im Gespräch an einem Info-Stand vor allem die Heimlichtuerei der Stadt kritisiert hatten.

Grüne Giftpfeile ins Rathaus

Günther Schäfer, ehemals Landtagsabgeordneter der Grünen und Sprecher der Bürgerinitiative „Nein-zu-Klein-Vendig“, giftet derweil in einem Schreiben an OB Horst Frank, nachdem Kämmerer Rohloff und Stadtplaner Jerusalem doch nicht öffentlich mit Vertretern der Bürgerinitiative diskutieren dürfen: „Diesen Wunsch hast Du uns in Deinem Schreiben vom 24.02.2010 leider versagt. Wir schließen daraus, dass sich die Stadtspritze nicht sicher ist, ob die Verwaltungsfachleute aufgrund ihrer Fachkenntnisse nicht weitere problematische Details des geplanten Projekts offenbaren und offensichtlich der Sachverstand der Herren Rohloff und Jerusalem gefürchtet wird.“


3 Kommentare to “Pianist Davide Martello spielt gegen das KKH”

  1. Fenedig
    2. März 2010 at 13:22 #

    Wenn sich der Barfuss-Weltmusiker „Davide Martello“ am 14. März 2010 auf Klein-Venedig auch noch dem 200. Geburtstag Frédéric Chopin’s (1810-1849) widmet, geht das in Ordnung. Die Performance klänge allerdings deutlich klassischer, wenn sich um den Flügel herum ein Konzertsaal entfalten würde! Räume kleineren Formats reklamiert berechtigterweise immer wieder mal die „Band-Szene“. Die Schwierigkeiten sind seit Jahrzehnten durch die Charakteristik dieser Kulturart bekannt – nicht nur in KN. Die Stadt sollte sich daher stets besonders flexibel zeigen, um zufrieden stellende Lösungen anbieten zu können. Mit dem zu erstellenden KKH hat das wenig zu tun: Beide „Szenen“ – die „klassische“ wie die „alternative“ – sind getrennt zweckentsprechend zu fördern. Wenn „Kunstfreund Alexander Stiegeler“ sich gegenüber dem „Architekten Andreas Rogg“ äussert, dieser tue so, als spreche er für das gesamte „Architekturforum“, so hat er – zumindest gefühlt – nicht Unrecht. Es ist zudem gerade für die Belange von Kultur kaum zielführend, unter Architekten etwa eine Neid-Debatte wegen des KKH’s aufkommen zu lassen. Konstruktive Mitarbeit zur Stärkung der Stadt gerade auf diesem Gebiet wäre da erstrebenswerter. Das hat „seemoz“ nicht im Sinn: Hier herrscht bekanntlich Fundamentalopposition. Und auch „KN-Piraten“ proben den Gegenpart: In der Diskussion vor Ort (Marktstätte) fiel allerdings auf, dass sich einige Internetjünger und -innen mit den Verhältnissen in Konstanz wenig auskennen. Daher fällt eine Identifikation mit der Stadt verständlicherweise nicht leicht. Allerdings wird hier weit offener (www.-like eben!) diskutiert, als in anderen Gruppen. Und ein Konzerthaus wird nicht grundsätzlich abgelehnt. Das ist schon mal was! Hier fährt allerdings der Totalneinsager Günther Schäfer – es gibt zur Ehrenrettung viele grüne Befürworter! – ganz anders in die städtische Parade. Er versucht auf vermeintliche Ecken des „kantigen KKH’s“ einzuhämmern, vermutet derzeit – wohl mehr in solistischer Manier – „unausgesprochene problematische Details“ hinter dem Projekt. Die Suche geht wohl weiter, doch wäre gerade von ihm und seiner illustren Gruppe ein gemeinsameres, sinnvolleres Mitreden über die zukünftige Stadtentwicklung angesagter, über das kulturell und touristisch zu verstärkende Zukunftsprofil nämlich, das die Stadtoberen mit dem KKH anzustreben versuchen, um gezielt weitere ganzjährige Aktivitäten einzuleiten (was nicht zuletzt neue Arbeitsplätze schaffen würde!).

  2. Wassermann
    5. März 2010 at 19:45 #

    Ich denke der „Barfuss-Weltmusiker “Davide Martello” wird das spielen, was ihm gefällt, ob Chopin, oder vielleicht sogar zeitgenössische Eigenkompositionen, das lassen sie doch am besten seine Entscheidung sein, oder? Ob das „klassisch“ klingt oder nicht.

    Beiträge wie Ihre bestärken mich übrigens mehr und mehr gegen so ein Konzerthaus zu stimmen.

    Viele liebe Grüsse

    Der Barfuss-Wassermann

  3. Fenedig
    6. März 2010 at 10:22 #

    Lieber Wassermann: Gar nichts gegen Zeitgenössisches – ganz im Gegenteil! Aber dass weitere 10-20 Jahre hinter Säulen in einem mittelalterlichen Lagergebäude am Hafen gespielt würde, wäre schon grotesk für eine Kulturstadt – entsprechend auch diskussionswürdig. Das soll man mal der hiesigen Jugend erklären in der Absicht, sie für das aktuelle Musikschaffen zu interessieren, gar zu begeistern! Das städtische Projekt geht übrigens bekanntlich weit über das Konzertieren hinaus. Wäre es nur „philharmonisch“ angedacht, könnte ja auch eine kleine Stadtecke den Zeck erfüllen – etwa am Lutherplatz. Klein-Venedig basiert auf einem Gesamtkonzept verschiedener kultureller, touristischer und wirtschaftlicher Projektionen (Konzert, Kongress, Hotel, neue Arbeitsplätze, usw.). Ich kann Sie, lieber W., nicht abhalten, dagegen zu sein. Die Gedanken sind – zumindest seit Heine – frei!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.