Piratenpartei veröffentlicht Wahlprogramm als Hörbuch

Sonstige liegen in Baden-Württemberg laut Emnid bei 3 Prozent – Darunter Rechtspopulisten

Piraten werbenKonstanz. Der Landtagswahlkampf ist spannend. „Stuttgart 21“, die Bildungspolitik, das G8-Gymnasium, die Werkrealschule und der Ausbau des Betreuungsangebots für Kleinkinder sind Themen, die viele Menschen bewegen. Vier im Landtag bereits vertretene Parteien, CDU, SPD, Grüne und FDP sowie eine große Anzahl anderer Parteien, darunter Linke und Piratenpartei, werben um Wähler. Die Piraten haben jetzt sogar ein Hörbuch veröffentlicht.

Running for Villa Reitzenstein

Von ihrem Wahlrecht hatten bei der letzten Landtagswahl 2006 nur noch 53,4 Prozent der insgesamt 7,5 Millionen Wahlberechtigten Gebrauch gemacht. Die andere Hälfte blieb entweder aus Desinteresse oder Protest zu Hause. Die sogenannten kleinen Parteien, die in Wahlstatistiken unter Sonstige auftauchen, kamen 2006 zusammen auf 8,2 Prozent der Stimmen. Bei der aktuellen Wahlumfrage von Emnid vom 19. Dezember liegen die sonstigen Parteien, unter ihnen sind in der Regel Rentnerlobbyisten genauso wie Tierschützer, die konservative ÖDP, die NPD oder andere Rechtspopulisten, bei 3 Prozent. Wie viel Zulauf die Rechten haben werden, ist angesichts der in Deutschland angezettelten Islam-Debatte unklar. So fand zum Beispiel Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ 1,2 Millionen Käufer. Die Süddeutsche Zeitung hatte am Dienstag ihren Lesern vorgerechnet, wie viel Prozent der Wahlberechtigten das wären. Am selben Tag sammelte die NPD Unterstützerunterschriften zum Beispiel auf der Straße in Überlingen. Die Linke hat in der Emnid Umfrage aktuell mit 4 Prozent einen eigenen Balken. Neu unter Sonstigen ist die Piratenpartei, die erstmals bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg antritt und in allen 70 Wahlkreisen Wahlkreiskandidaten aufstellen möchte.

Dreistündiges Piratenparteiprogramm-Hörbuch

Die Piraten sagen von sich, dass sie anders seien. Um zum Beispiel die im Wahlprogramm verankerte Forderung nach Barrierefreiheit umzusetzen, hat die Piratenpartei Baden-Württemberg ihr Landtagswahlprogramm für 2011 jetzt tatsächlich als Hörbuch veröffentlicht. Dank einer „aufwändigen Produktion“ sei es seh- oder lesebehinderten Menschen nun einfacher möglich, sich über das Wahlprogramm zu informieren, heißt es in einer Mitteilung. Auch Wählern, die nicht die Zeit hätten, das Wahlprogramm zu lesen, kämen die Piraten auf diesem Wege entgegen. „Ähnliches fordern wir natürlich auch von den anderen Parteien. An dem Aufwand, den eine Partei treibt, um den Bürger zu erreichen, kann man erkennen, wie sehr sie sich tatsächlich für ihn interessiert“, so Sebastian Nerz, Vorsitzender des Landesverbands. Das dreistündige Hörbuch ist – ganz im Piratenstil – über P2P-Filesharing-Torrents, wie sie zum Beispiel The Pirate Bay indiziert, als Download auf der Homepage der Piratenpartei Baden-Württemberg sowie über den Apple iTunes Store zu bekommen. Wähler, die nicht die Möglichkeit hätten, sich das Wahlprogramm aus dem Internet zu laden, erhalten an den Infoständen kostenfrei eine CD mit der Aufnahme. Das kündigten die Piraten an.

Apropos Urheber – Kopieren der CD ist erlaubt

Keine Überraschung: Das Kopieren und Weitergeben dieser CD sowie der darauf enthaltenen Daten sei uneingeschränkt erlaubt und sogar erwünscht. Die Hörbuchversion sei nur der Anfang einer Serie von Interviews und Hintergrundberichten, mit denen Programm und Partei den Hörern als Podcast näher gebracht werden solle. Aus Kostengründen scheiterte bislang aber der „ehrgeizige Plan“, das Wahlprogramm auch als Gebärdensprachenvideos zur Verfügung zu stellen, so die Piraten.

Das Wahlprogramm kann bei der Piratenpartei heruntergeladen werden.

12 Kommentare to “Piratenpartei veröffentlicht Wahlprogramm als Hörbuch”

  1. René Wagner
    12. Januar 2011 at 10:41 #

    Na, da bekommt das Wort „Piraten“-Partei doch eine völlig neue Bedeutung! Warum? Weil ich am 29.1.2010 und dann noch mal am 3.2.2010 der Geschäftsstelle dieser Partei den Vorschlag gemacht habe, dass sich sogar ihr Wiki sehr gut als Hörbuch eignen würde – und dass ich gerne zur Vertonung bereit stehe. Schön, dass ich eine so taugliche „Anregung“ geben konnte, ohne auch nur eine einzige Antwort (!) zu bekommen. Jetzt also das Wahlprogramm als Hörbuch. Welch glorreiche Idee, die selbstverständlich einzig und allein aus der „Piraten“-Partei geboren wurde. Nachtigall, ick hör dir trapsen…

  2. Klaus
    12. Januar 2011 at 11:02 #

    „Angezettelte Islamdebatte“? Wenn es damit kein Problem gäbe, müsste auch nichts „angezettelt“ werden, oder? Die Bedrohung unserer Freiheit durch die islamische Ideologie ist real, auch wenn es nicht in die Heile-Welt-Vorstellung des Establishments passt. Es nutzt nichts, arrogant mit den Schultern zu zucken und besorgte Bürger als Rechtspopulisten abzustempeln.
    (siehe einmal hier: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=hTheVwj64k8#!)

    Eine Frage an die linken Rechenkünstler und Kaffeesatzleser der „Süddeutschen“: Wieviel Prozent der Wahlberechtigten haben Dieter Bohelns Biografie im Regal stehen?

  3. Thomas Weber
    12. Januar 2011 at 11:57 #

    @Herr Wagner, zu Ihrer Unterstellung die Piratenpartei hätte Produktpiraterie betrieben, möchte ich dann doch Stellung beziehen. Die aktuelle Gesetzeslage läßt eine Kopie von Geschäftideen zu. Wenn Sie der Geschäftsstelle Werbung zusenden und der Beworbene diese Idee aufgreift und wo anders einkauft so ist dies ein völlig legaler Vorgang. Zudem kann ich Ihnen versichern, der aktuelle Vorstand des Landesverbands Baden-Württemberg hatte keine Kenntnis von Ihrem Angebot die Wiki-Seite als Hörbuch zu sprechen. Also nichts mit Anregung, die echte Anregung für das Wahlprogramm kam wirklich nicht von Ihnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Weber
    -Schatzmeister-
    Landesverband Baden-Württemberg
    Piratenpartei Deutschland

  4. Lama
    12. Januar 2011 at 11:57 #

    @Rene: Das Wiki zu vertonen ist nicht möglich, da dieses durch keine wirkliche Struktur, tausende Artikel und vor allem stetige Änderungen gekennzeichnet ist.
    Da das Wiki außerdem von der Bundespartei betrieben wird, stellt sich mir auch die Frage an welche Geschäftsstelle Du Dich (in welcher Form) gewandt hast. Gelegentlich werden nunmal auch Emails übersehen, außerdem hatten wir zumindest auf Landeseben damals noch einen anderen Vorstand.
    Ich frage mich nun worüber Du Dich aufregst: dass Dir nicht geantwortet wurde, oder dass „Deine Idee“ ohne Dich umgesetzt wurde?
    Allein schon die Tatsache, dass zwischen der Idee und der Umsetzung von etwas völlig anderem (!) ein Zeitraum von einem Jahr liegt, lässt vermuten, dass der Vorschlag aus anderer Quelle kommt. Wenn Du Dich nun bei unserer Wahlkampf-Gruppe umschaust (ja, wir sind so transparent: news.piratenpartei.de) erhältst Du dann noch einmal die Bestätigung, dass die Idee nicht von Dir „geklaut“ wurde, sondern anders entstand. Aber dennoch vielen Dank für den Versuch uns zu helfen, bitte wende Dich beim nächsten mal doch möglichst an die oben genannte Seite oder einen der Bezirksvorstände und ich verspreche Dir, dass Du auch eine Antwort erhältst

    @Klaus: Die Zahlen und „Fakten“ Sarrazins wurden alle schon mehrfach als Lügen, Erfindungen und gezielte Fehlinterpretationen entlarvt. Insofern ist die Formulierung von see-online noch recht zurückhaltend.

  5. Carsten Lenz
    12. Januar 2011 at 12:20 #

    Hallo Herr Wagner,

    dem derzeitigen Landesvorstand (gewählt im April 2010) waren Ihre Anfragen von Anfang 2010 leider nicht bekannt. Dafür, dass Sie keine Antwort von unseren Amtsvorgängern auf Ihre Anregung erhalten habe, möchte ich mich entschuldigen.

    Uns jetzt als Ideenraubkopierer darzustellen kann ich daher nicht ganz unterschreiben ;)

    Die Entscheidung das Landeswahlprogramm zu vertonen wurde nach einem entsprechenden Vorschlag eines Parteimitglieds (Mela Eckenfels) getroffen. Frau Eckenfels ist einfaches Parteimitglied und konnte von Ihrem Vorschlag nichts wissen. Unabhängig davon haben wir auch Anfragen von Blindenverbänden zu diesem Thema erhalten – wenn auch erst nach Fertigstellung des Audioprogramms.

    Sie sehen also, manchmal entstehen gute Ideen parallel und unabhängig voneinander.

    Mit freundlichen Grüßen
    Carsten Lenz
    Beisitzer im Landesvorstand der Piratenpartei Baden-Württemberg

  6. René Wagner
    12. Januar 2011 at 13:00 #

    @Thomas Weber, @Lama, danke für Ihre Antworten. Die Kommunikation in Ihrer Partei lässt allerdings wirklich zu wünschen übrig, denn auch diesmal habe ich keine E-Mail als Antwort erhalten, sondern nur über diese Kommentarfunktion von Ihren Statements erfahren. Im Übrigen hätte ich mich nicht an die Bundesgeschäftsstelle gewandt, wenn das Wiki für eine Vertonung nicht getaugt hätte – logisch, dass man es nicht einfach „runterliest“. Ein Blick auf http://www.hoerbuch-seminare.de sollte genügen.

  7. Stefan Täge
    12. Januar 2011 at 17:37 #

    Moin Herr Wagner,

    haben sie sich über das Kontaktformular auf Piratenpartei.de an die Bundesgeschäftsstelle gewendet? Ich bin einer derjeniges die die Mails da beantworten und mir ist keine Mail mit dem Thema in Erinnerung.

    mfG

    Stefan Täge

  8. René Wagner
    12. Januar 2011 at 18:09 #

    @ Stefan Täge: Wir machen besser direkt per E-Mail weiter. Würden Sie mich anmailen? Sie finden mich auf auf XING – oder auf http://www.hoerbuch-seminare.de.

  9. Mela
    13. Januar 2011 at 00:34 #

    Sehr geehrter Herr Wagner,

    die Initiative das Wahlprogramm als Hörbuch umzusetzen stammte ursprünglich von mir, da mir Barrierefreiheit sehr am Herzen liegt.

    Auf Barrierefreiheit zu achten ist (zum Glück) keine Idee, die nur aus einem einzigen Hirn entspringen kann. Haben sie auch Gebärdenvideos angeboten, oder woher haben wir diesen Einfall ‚raubkopiert‘?

    Wie bereits erwähnt wurde, sind Ideen nicht schützbar, sondern nur die Umsetzung. Einfach aus dem schlichten Umstand heraus, dass einfache Ideen nicht einmalig sind.

    Was mich hier besonders befremdet … scheinbar möchten Sie die Piratenpartei als Kunden gewinnen. Gehört zu einem Geschäftsverhältnis kein gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Achtung? Sie scheinen beides vermissen zu lassen.

  10. Mela
    13. Januar 2011 at 00:54 #

    Ich korrigiere mich: Gebärdensprachenvideos

  11. René Wagner
    13. Januar 2011 at 08:18 #

    @ Mela: Offenbar habe ich da einen Nerv getroffen, da Sie von „Raubkopieren“ sprechen – nichts dergleichen habe ich so formuliert. Fakt ist, dass ich am 29.1. und 3.2.2010 der Bundesgeschäftsstelle die Anregung gegeben habe, das Wiki als Hörbuch vertonen zu lassen – völlig unabhängig von mir. Mir hat das Wiki nicht nur persönlich gut gefallen (!), den Service fand ich ehrlich klasse, sondern ich habe auch genügend Erfahrung im Bereich Hörbuch, um diese Anregung geben zu können.

    Leider habe ich damals keine einzige Antwort dazu erhalten. Jetzt, genau 1 Jahr danach, davon zu lesen, dass die Partei ein Hörbuch herausgebracht hat – egal, ob Wiki oder Wahlprogramm -, würde jeder, der keine Antwort erhalten hat, sagen wir, als „befremdlich“ empfinden. Es mag ja sein, dass Ideen parallel entstehen, nur hätte man vielleicht mal auf meine Anregung eingehen sollen.

    Mir jedoch zu unterstellen, Vertrauen vermissen zu lassen, überrascht sicher jeden, der diese Diskussion hier verfolgt. Hinzu kommt, dass ich – abseits dieser öffentlichen Diskussion – auch weiterhin (!) KEINE einzige E-Mail zu diesem Thema erhalten habe, obwohl ich sehr freundlich darum gebeten habe. Mein Angebot besteht weiterhin – ich würde mich freuen.

  12. Michael Ebner
    13. Januar 2011 at 10:56 #

    Um da mal ein wenig Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen: Die beiden erwähnten eMails gingen an geschaeftsstelle@piratenpartei.de, also an den Bundesverband. Bei dieser eMail-Adresse haben wir das Problem, dass diese bei der Übergabe der Geschäftsstelle versehentlich nicht mit übergeben worden ist (aber auch schon vorher nicht so wirklich zeitnah bearbeitet wurde). Ja, das starke Wachstum 2009 hat uns Chaos in die Organisation gebracht. Inzwischen haben wir das halbwegs im Griff, auch geschaeftsstelle@piratenpartei.de wird nun wieder bedient, aber die Abarbeitung der bis dahin aufgelaufenen Mails (rund 2000 Stück) dauert noch an.

    Kurz: Die Bundesgeschäftsstelle übernimmt die volle Verantwortung und bittet, diesen Fehler zu entschuldigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Ebner

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