Pleitegeier über VHS Konstanz-Singen: Ohne Extra-Zuschuss ab Mitte 2012 zahlungsunfähig

Mitglieder müssen 150.000 Euro mehr bezahlen – Volkshochschule braucht frisches Geld

Konstanz. Die regionale Volkshochschule Konstanz-Singen benötigt frisches Geld. Wenn sich die Mitglieder, der Landkreis Konstanz und die Städte Konstanz, Singen und Stockach, weigern sollten, den sechsstelligen Betrag zu zahlen, wäre die Bildungseinrichtung Mitte 2012 zahlungsunfähig. Dies steht so in der Sitzungsvorlage für den Haupt-und Finanzausschuss des Konstanzer Gemeinderats, der am Nikolaustag tagt.

Gewaltiges Schlamassel

Das Schlamassel scheint gewaltig. Die Mitgliederversammlung der VHS Konstanz-Singen e.V. hatte aufgrund ihrer Zweifel an der „Ordnungsgemäßheit der finanz- und buchalterischen Abläufe in der VHS“ schon in der Sitzung im Januar 2010 das Hauptamt des Landratsamtes beauftragt, die Geschäftsführung und die Geschäftsabläufe in der VHS zu prüfen. So steht es in der Sitzungsvorlage. Der Auftrag zur Prüfung der Jahresabschlüsse und der Herstellung einer ordnungsgemäßen Buchhaltung ging an das Steuer- und Wirtschaftsprüferbüro Schmid & Schnur (heute: Schmid & Tritschler – STP).

Abschlüsse mit gravierenden Mängeln

Wörtlich heißt es in der Sitzungsvorlage: „Die Prüfung ergab, dass die Buchführung der VHS und die erstellten Jahresabschlüsse in den zurückliegenden Jahren nicht den gesetzlichen Anforderungen an eine ordnungsgemäße Buchführung entsprach und gravierende Mängel aufwies.“

Vorstände blieben über Situation im Unklaren

Deshalb sei es für die Mitgliederversammlung und den damaligen ehrenamtlichen Vorstand – ehrenamtlicher Vorsitzender war Landrat Frank Hämmerle – nicht ersichtlich gewesen, dass die wirtschaftliche Situation sich nicht, wie dargestellt, positiv, sondern seit 2007 negativ entwickelt hatte. Die damalige Geschäftsführung habe demgegenüber noch im Sommer 2009 erklärt, dass das Geschäftsjahr 2008 mit einem Überschuss im fünfstelligen Bereich abgeschlossen worden sei.

Jahresabschlüsse neu erstellt

Im Zuge der „Aufräumarbeiten“ wurden die Jahresabschlüsse 2006 bis 2008 neu aufgestellt, geprüft und im April 2011 von der Mitgliederversammlung genehmigt. „Mittlerweile liegen auch die testierten und im Oktober 2011 von der Mitgliederversammlung genehmigten Jahresabschlüsse 2009 und 2010 vor“, heißt es in der Sitzungsvorlage weiter.

Seit 2007 Fehlbeträge

Aus diesen – jetzt zutreffend aufgestellten Jahresabschlüssen – ergebe sich, dass die Volkshochschule bereits ab dem Jahr 2007 einen jährlichen Fehlbetrag ausgewiesen habe. Besser geworden ist seither aber anscheinend noch nichts – auch im vergangenen Jahr erwirtschaftete die VHS wieder ein Defizit. „Das Geschäftsjahr 2010 schließt mit einem Jahresfehlbetrag von rund 283.000 Euro ab. Davon sind rund 26.000 Euro nicht durch Eigenkapital gedeckt“, heißt es in der Sitzungsvorlage, die im RIS auf der Homepage der Stadt Konstanz eingestellt und somit öffentlich zugänglich ist.

Günther Lieby als Kontrolleur

Die „Aufräumarbeiten“ hätten gezeigt, dass die VHS ihre Vereinsstrukturen anpassen musste. Seit Mai 2011 gibt es einen hauptamtlichen Vorstand – Nikola Ferling und Dorothee Jacobs-Krahnen. Dieser Vorstand arbeite seit Mai 2011 intensiv an den „Schwachstellen“, heißt es etwas nebulös in der Sitzungsvorlage. Hierzu gehörten neben der „Schaffung klarer Verantwortlichkeiten und Strukturen“ innerhalb der VHS auch die „nachhaltige Verbesserung der Wirtschaftlichkeit“. Zusätzlich wurde ein Beauftragter in der Mitgliederversammlung – Günther Lieby – bestellt, der als „Bindeglied“ zwischen der Mitgliederversammlung und dem hauptamtlichen Vorstand und als „zusätzliche Kontrollinstanz“ fungiere.

Weniger Minus seit 2011

Zum Stichtag 30.09.2011 habe sich ergeben, dass die negative wirtschaftliche Entwicklung der VHS gebremst werden konnte. Nach den vorliegenden Zahlen sei davon auszugehen, dass das Wirtschaftsjahr 2011 voraussichtlich mit einem „nichtgedeckten Fehlbetrag“ von etwa 50.000 bis 60.000 Euro abschließen werde.

Auch Abendschulen sind defizitär

Im Zuge der „Aufräumarbeiten“ sei auch ersichtlich geworden, dass die Zuschüsse des Regierungspräsidiums für die Abendschulen die entstehenden Kosten nicht decken. Der Fehlbetrag hierfür werde 2011 voraussichtlich die Größenordnung von etwa 50.000 Euro erreichen.

Fehlbetrag nicht durch Eigenkapital gedeckt

Wörtlich heißt es: „Aus dem Jahr 2010 wurde in das Geschäftsjahr 2011 ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 26.000 Euro mit übernommen, so dass zum Ende des Geschäftsjahrs 2011 insgesamt mit einem nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von ca. 76.000 bis 86.000 Euro zu rechnen ist.

Fixkosten ein dicker Brocken

Der Vorstand habe bereits 2010 damit begonnen, die „Organisations- und Kostenstrukturen“ auf den Prüfstand zu stellen. Insgesamt seien aber die Fixkostenseite wie Mietkosten für drei Standorte, Mieten für Kursräume, tarifgebundenes Personal und weite Teile der Sachausstattung kaum vom Vorstand zu beeinflussen.

Pleitegeier schwebt über VHS

Um ein wirtschaftlich ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, müsse die VHS ihre Mitgliedsbeiträge ab 2012 um insgesamt 150.000 Euro erhöhen. Für die Stadt Konstanz bedeutet dies eine Erhöhung um 55.129,58 Euro. Der mit der Prüfung der Jahresabschlüsse 2009 und 2010 beauftragte Wirtschaftsprüfer Spitznagel habe vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation seinen Prüfvermerk unter der Voraussetzung erteilt, dass die Mitgliederversammlung eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschließt, heißt es. Wörtlich steht in der Sitzungsvorlage: „Würde eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge im beantragten Umfang nicht erfolgen, so ist davon auszugehen, dass die VHS bis spätestens Mitte 2012 zahlungsunfähig würde.“

Foto: Ulla Trampert PIXELIO www.pixelio.de

2 Kommentare to “Pleitegeier über VHS Konstanz-Singen: Ohne Extra-Zuschuss ab Mitte 2012 zahlungsunfähig”

  1. Dr. Fritz
    1. Dezember 2011 at 20:07 #

    Das klingt doch alles schon sehr dubios – und Schuld sind immer die Anderen. Ist das jetzt die Strategie des „Vorstandes“, der nicht in der Lage war, die Dinge ordnungsgemäß zu prüfen? Schuld sind die anderen? Au weia! Warum hat er nicht entdeckt, was seit Jahren ein voraussehbares Ergebnis (von Fachleuten angekündigt) war, dass nämlich das ganze Konstrukt – zu Lasten von Konstanz – einfach schon seit langem obsolet ist? Auch wer ehrenamtliche Aufgaben übernimmt -und das tut ein Machtpolitiker sicher nicht uneigennützig – der muss den Job nicht nur machen , sondern auch können. Und wenn er dann auch noch einen weiteren Mitarbeiter an seiner Seite hat, der ihn unterstützt, aber offensichtlich auch nicht kann, dann ist das der Offenbarungseid, Herr Landrat und Herr Lieby! Die beiden VorstandsdämInnen, von denen man zuletzt nur im Zusammenhang von fein ausgesponnen, bösartigen Intrigen hört, sind auch nach Meinung der Expderten für den Job völlig ungeeignet. Was muss noch alles passieren im Grün regierten Konstanz, damit dieser „Saftladen“ (der Fisch stinkt vom Kopf her!) endlich so aufgeräumt wird, dass er seiner eigentlichen inhaltlichen Aufgabe nachkommen kann? Allerorten schreit man um mehr Bildung, am Bodensee scheint man darauf verzichten zu können. Gut lernen tut man nur in einer angenehmen Umgebung mit motivierten Mitarbeiter- und DozentInnen. Das ist das Kapital der VHS Konstanz und das wird aus meiner Sicht aus welchen Gründen auch immer mutwillig von ca. 4-6 Personen zerstört.

    Langer Rede kurzer Sinn: Es reicht nicht aus, kein Konzept zu haben, man muss auch noch unfähig sein, es umzusetzen.

  2. crumble
    1. Dezember 2011 at 21:10 #

    Hut ab Dr. Fritz…hätte ich nicht besser schreiben können…hoffentlich lesen die Gemeinderätinnen und Räte Ihre Worte…es MUSS eine Wende in Sachen VHS geben….BILDUNG ist unsere Zukunft! SO geht`s nicht weiter!

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