Politikwissenschaftlerin über Schulessen für Hartz IV-Kinder

Prof. Nathalie Behnke zu Wohlfahrtsstaat und die Klippen des Fiskalföderalismus

Konstanz (wak) Wenn es darum geht, ob zum Beispiel Hartz IV Leistungen von Familien zu kürzen und mit dem Geld Schulessen finanzieren zu können, glaubt jeder mitreden zu können. Oft geht es mutmaßlich bei solchen Debatten um die Lufthoheit über den Stammtischen. Dass alles ein bisschen komplizierter ist, erklärt Prof. Nathalie Behnke bei ihrer Antrittsvorlesung über den Wohlfahrtsstaat und die Klippen des Fiskalföderalismus an der Universität Konstanz. Selbst plausible Vorschläge lassen sich sich nicht unbedingt umsetzen.

Wohlfahrtsstaat im 21. Jahrhundert

In dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Berechnung der Regelsätze für Hartz IV-Leistungen vom Februar dieses Jahres wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass bei der Berechnung der Regelsätze für Kinder deren spezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden müssten. Infolgedessen wurde in der politischen Diskussion wiederholt der Vorschlag geäußert, einen Teil der Hartz IV-Leistungen nicht auszuzahlen, sondern stattdessen den Kindern ein kostenloses Schulessen zur Verfügung zu stellen. Prof. Nathalie Behnke befasst sich in ihrer öffentlichen Antrittsvorlesung am Mittwoch, 7. Juli, unter dem Titel „Kostenloses Schulessen für Hartz IV-Kinder – Oder: Scheitert der Wohlfahrtsstaat an den Klippen des Fiskalföderalismus?“ mit diesem Vorschlag. Die Veranstaltung im Hörsaal A 702 beginnt um 16.15 Uhr.

Große Herausforderungen und Verwaltungsprobleme

Die Politikwissenschaftlerin wird ausführen, dass der Vorschlag, so plausibel er erscheinen mag, doch in Hinblick auf seine praktische Umsetzung eine Reihe von Fragen nach sich zieht, die geradezu idealtypisch die hochgradige Verflechtung des deutschen politischen Systems exemplifizieren, etwa die Verflechtungen des öffentlichen und des privaten Sektors. Ziel des Vortrags ist es, anhand dieses Beispiels aufzuzeigen, wie schwierig es ist, in einem sozialpolitisch so relevanten und brisanten Aufgabenfeld eine administrative Koordinierung der Leistungserbringung sowie deren Finanzierung zu leisten. Nathalie Behnke spricht sich für die Notwendigkeit aus, nach neuen organisatorischen Lösungen für die Leistungserbringung zu suchen.

Föderale Machtverteilungen im Fokus der Porfessorin

Nathalie Behnke, Jahrgang 1973, nahm zum Sommersemester 2010 den Ruf auf die Professur für Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz an. In ihrer aktuellen Forschung beschäftigt sie sich mit den Möglichkeiten, föderale Machtverteilungen in Verfassungsreformprozessen zu verändern. Im Anschluss an ihr Studium der Politikwissenschaft von 1992 bis 1998 an Universitäten Bamberg und Bologna, wurde sie im Jahr 2003 an der FernUniversität Hagen mit einer Arbeit zum Thema „Ethik in Politik und Verwaltung“ promoviert. Bevor sie nach Konstanz kam, folgte sie 2009 einem Ruf auf die Professur für Empirische Sozialforschung an der Ruhr-Universität Bochum.

Foto: Uni Konstanz

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