Polizei in Hannover fahndet auf Facebook – Konstanzer Polizei nicht in Social Media

Erste Fahndungserfolge der niedersächsischen Online-Sheriffs – Stuttgarter Polizeipräsidium mit Infos auf Facebook

Hannover/Konstanz. Die Polizeidirektion Hannover macht es, die Konstanzer Polizeidirektion tut es nicht. In Hannover geht die Polizei seit vergangenem Jahr mit Hilfe von Social Media auf Verbrecherjagd. In Konstanz war das bisher kein Thema. Das sagte Pressesprecher Peter Hauke. „Polizeidirektionen gehen nicht im Alleingang online“, erklärte der Polizeisprecher. Dazu bräuchte es eine Ansage des baden-württembergischen Innenministeriums. Auf Facebook angekommen ist mittlerweile aber das Polizeipräsidium Stuttgart, das auf einer Facebook-Seite über die polizeiliche Aktionen im Zusammenhang mit Stuttgart 21 informiert.

Fortsetzung der Verbrecherjagd auf Facebook

In Hannover begann alles mit einem sechsmonatigen Modellversuch und einer „Fanpage“ auf Facebook. Aktuell informiert die Polizei in Hannover nun aber: „Wir haben hier eine Nachricht, die uns sehr freut – und viele von Euch vielleicht auch: Der Account ,Polizei Hannover‘ bleibt als dauerhafte Einrichtung erhalten, die Phase als ,Modellversuch‘ ist damit abgeschlossen! Das hat Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann gerade bei einer Pressekonferenz verkündet. Wir von ,Polizei Hannover‘ möchten uns ganz herzlich bei Euch bedanken – für Euer Vertrauen und für Eure tolle Unterstützung. Ohne Euch hätte es die heutige Entscheidung nicht gegeben. Nochmals danke schön.“

Polizei erreicht Zielgruppe bis 35 Jahre

Weshalb die Polizei in Hannover auch auf Facebook fahndet, beantwortet sie auf ihrer Facebook-Seite. Dort steht: „Auf Facebook erreichen wir ein ganz anderes Publikum als die Tageszeitungen oder die Fernsehsender. Unsere Fans bei Facebook sind zu 70 Prozent unter 35 Jahre alt. Und ein Großteil der Beteiligten bei Gewaltdelikten ist statistisch ebenfalls eher jung – egal, ob es um Opfer, Täter oder auch Zeugen geht.“

Acht Facebook-Fälle aufgeklärt

Seit die Sheriffs auch online unterwegs sind, gab es laut Polizei Hannover insgesamt acht Fälle (Stand:15. Januar 2012), bei denen die Facebook-Fahndung geholfen haben: zwei Vermisstensachen, ein Sexualdelikt, zwei Fälle von gefährlicher Körperverletzung, ein Fall von gewerbsmäßigem Diebstahl, ein Autodiebstahl (Wolfsburg) sowie zuletzt ein Fall von Landfriedensbruch bzw. gefährlicher Körperverletzung (Göttingen). „Die Einzelheiten sind nach wie vor unter den älteren Meldungen auf diesem Account nachlesbar“, heißt es. „Also: Wir hören voneinander! Eure Polizei Hannover.“

Polizei bittet: Meldungen teilen

Die Polizei bittet: „Sie helfen uns sehr, wenn Sie die Zeugenaufrufe und Meldungen ,teilen’“. Vorsichtshalber weist die Polizei darauf hin, dass über Facebook keine Strafanzeigen, Zeugenhinweise oder Notrufe angenommen werden könnten. „Suchen Sie bitte die nächste Polizeidienststelle auf, nutzen Sie die Onlinewache oder wählen Sie für sachdienliche Hinweise die in den Meldungen angegebenen Rufnummern“, heißt es.

Polizei zeigt gestohlenen Schmuck

Aktuell sucht die Polizei Hannover nach einer Einbruchserie die Eigentümer von Schmuckstücken. 146 Personen gefällt das. 22 haben den Post kommentiert und geschrieben, sie hätten die Meldung viral weiter verbreitet. Eine Zwölfjährige sei wieder wohlbehalten zurück, steht an der Pinnwand der Polizei. „Das Mädchen wurde in einem Zug nach Hamburg von einer Zugbegleiterin aufgrund der Medienveröfftlichung erkannt“, heißt es. Ein 86-Jähriger konnte hingegen nur tot aufgefunden werden, steht in einem anderen Post an der Pinnwand. „Wir danken euch dennoch sehr für eure Unterstützung“, schreibt die Polizei. 97.970 Facebook-Nutzern gefällt diese Seite.

Bundeskriminalamt fahndet online nach Rechtsterroristen

Auch die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt bitten auf Facebook mitterweile um Mithilfe bei der Aufklärung der von der rechtsterroristischen Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“ begangenen schweren Straftaten.

Datenschützer sorgen sich

Datenschützer haben Bedenken. Was, so fragen sie, passiert, wenn versehentlich ein falsches Foto gepostet wird, das nicht den Täter, sondern zum Beispiel einen Zeugen zeige? Die Polizei Hannover schreibt dazu auf Facebook: „Eine öffentliche Fahndung stellt einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Gesuchten dar. Daher müssen die Ermittlungsbehörden genau und sorgfältig prüfen, ob ein Fall nicht auch auf andere Weise geklärt werden kann. Die Öffentlichkeitsfahndung ist also ein spätes, oder sogar das letzte Mittel, um nach Personen zu suchen.“ Wenn die Ermittler bei der Polizei sich von der Öffentlichkeitsfahndung Erfolg erhoffen, dann müsse zunächst die Staatsanwaltschaft mit ins Boot. Sie müsse zu jeder Fahndung, auch wenn es nur mit einem Phantombild ist, einen richterlichen Beschluss erwirken. Erst dann dürfe ein Bild zur Veröffentlichung freigegeben werden.

Polizeidirektionen entscheiden nicht selbst

Ob auch in Konstanz eines Tages die Polizei über Facebook informiert und fahndet? Die Polizeidirektion verweist erst einmal ans Innenministerium. Nur dort könnte eine Entscheidung für XY ungelöst in Social Media fallen.

 

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