Posse um Päpste und Papstfiguren in Konstanz

Bildhauer holt Papstskulptur nicht aus dem Konstanzer Bahnhof

Konstanz (wak) Die mehr als zwei Meter hohe und 700 Kilo schwere Papstfigur bleibt im Konstanzer Bahnhof vorerst noch stehen. Der Bodmaner Bildhauer Peter Lenk wird der Aufforderung, die Figur zu entfernen, nicht nachkommen. Die Aufforderung kam für den Künstler vollkommen überraschend. Tourismus-Geschäftsführer Nobert Hennberger hatte Lenk am Freitagnachmittag dazu aufgefordert.

Panoramafoto soll Bezug zu Imperia herstellen

Ein überdimensional großes Panoramafoto soll den Bezug zur Imperia im Konstanzer Hafen herstellen. So sei es vereinbart, sagte Lenk am Samstagvormittag. Die Fotografie würde Bahnhofsbesuchern vor Augen führen, dass es sich bei der Papstfigur im Bahnhof nicht etwa um ein anstössiges Portrait Papst Benedikts XVI. handelt, sondern um eine Kopie jener nackten Figur, die mit Papstkrone auf dem Kopf und übereinandergeschlagenen Beinen auch Bestandteil der Imperia ist. Seit 1993 dreht sich die Imperia im Konstanzer Hafen. Lenk erklärte immer wieder, dass es sich bei der Figur um einen „Gaukler“ handele, noch nicht einmal um Papst Martin V. und allein schon von den Zeitabläufen her, könnte die Figur unmöglich Benedikt XVI. sein. (Mehr über die Imperia http://de.wikipedia.org/wiki/Imperia_(Statue).

Der lange Arm der „schwarzen Brüder“

Aufgeführt wird in Konstanz derzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Posse, ein Bühnenstück also, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik das Publikum zum Lachen – oder je nach dem auch zum Heulen – bringt. Für Lenk ist klar, die Aufforderung, die Papstfigur wieder abzubauen, komme aus Stuttgart. „Ich möchte wissen, ob die Konstanmzer so blöd sind wie die Stuttgarter glauben.“ Mit Stuttgartern meint der Bodmaner Bildhauer insbesondere CDU-Generalsekretär Thomas Strobl und Innenminister Heribert Rech (CDU) sowie nicht namentlich benannte Kirchenvertreter, die Lenk gern als „schwarze Brüder“ bezeichnet.

„Nackt“ geht wegen Sex-Priestern und Mixa nicht

Es sei abgemacht, dass die Figur als Leihgabe im Bahnhof stehen bleibe. Sollte die Leihgabe beschädigt werden, haften die Konstanzer mit 20.000 Euro. Das hat Lenk so verfügt. Als ihn Henneberger anrief, fiel der Künstler offenbar aus allen Wolken. Dass seine Figur weg soll, sieht Lenk in einem gewissen Zusammenhang mit jüngst bekannt gewordenen Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche. Nachdem auch der zurückgetretene Bischof Walter Mixa unter dem Verdacht steht, einen minderjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben, nehmen Kirche und konservative Politiker offenbar erst Recht Anstoss an einem nackten Kirchenmann, glaubt der Künstler.

Vermeintlichen Skandal war aus der Welt geschafft

Zu sehen war die zwei Meter hohe Figur zuvor auch schon einmal auf einer Messe in Berlin. Nun sollte sie im Konstanzer Bahnhof aufgebaut werden. Dass am Aufbautag auch die Presse vor Ort war, hatte Lenk gar nicht gefallen. „Es ist Knochenarbeit“, so der Bildhauer. Zuschauer braucht er da nicht. Es folgte ein Bericht in der Bildzeitung. Bild hatte prompt fälschlicherweise behauptet, die Skulptur von Lenk, die im Konstanzer Bahnhof ausgestellt werden soll, bilde Papst Benedikt XVI ab. Die Schlagzeile lautete: „Nackter Papst schockt im Bahnhof“. Ein Skandal. Lenk setzte mit Hilfe des Berliner Medienanwalt Johannes Eisenberg durch, dass die Bild-Zeitung sich verpflichtet, die Äußerung nicht mehr zu verbreiten und eine Gegendarstellung veröffentlichte. „Alles war aus der Welt“, sagte Lenk. Anscheinend stimmte das dann aber doch nicht so ganz. Nach einer Sondersitzung des TIK-Aufsichtrats stand plötzlich die Aufforderung im Raum, die, wie Lenk sagt, „bedingt nackte Figur“ wieder abzubauen. (Zum Thema http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/bild-kennt-seinen-papst-nicht/.)

Sollte Papstfigur bei Konzilfeirerlichkeiten stören..

Weiter sagte Lenk See-Online, er habe sich sogar bereit erklärt, die Figur freiwillig wieder abzubauen, wenn sie bei den Konzil Feierlichkeiten stören sollte. Die Konstanzer hätten doch nur Angst, dass der Papst wegen der Imperia nicht komme, glaubt der Künstler. Das Konstanzer Konzil (1414–1418) sei aber sowieso eine „Schande für die Kirche“, weshalb kein Papst käme, meinte Lenk. Bekanntlich wurden die Konzilgäste Jan Hus und Hieronymus in Konstanz als Ketzer verbrannt, obwohl ihnen freies Geleit zugesichert war. Lenk weiter: Der Fotograf solle das Foto nun wie verabredet machen und es ausstellen. Die Posse um Papstfiguren in Konstanz wird – so oder so – fortgesetzt.

Fotos: wak

3 Kommentare to “Posse um Päpste und Papstfiguren in Konstanz”

  1. dk
    8. Mai 2010 at 19:38 #

    Es geht auch einfacher, wenn die „Nackheit“ ein Problem sein sollte.

    Die streng gläubigen Nonnen vom Kloster Hegne stricken oder häkeln ein angemessenes Kleidungsstück oder die anonymen Gegner schneidern ein solches aus Seidenstoffen (sponsort bei den Befürwortern).

    Wenn ein Schild des Künstlers mit einem erläuternden Titel „Gaukler der Imperia“ daneben steht, dürfte der Zusammenhang deutlich werden; ein Lenk-Werk in sittsamer Verhüllung dürfte provokanter sein (weil höchst ungewöhnlich).

    Wenn man emotional veranlagt wäre, würde Hr. Lenk mit seinen Werken auf der KNer Provokations-Skala inzwischen auf eine der hinteren Ränge zurückgefallen sein.
    KN dürfte andere Probleme haben als den Titel „Lenk-Stadt“.

  2. Fenedig
    10. Mai 2010 at 09:46 #

    Lenk muss periodisch den Anstössigen markieren, sonst fühlt er sich nicht wohl. Der kabarettistische Figurenmacher versucht in seiner einschlägigen, als Persönlichkeitsmerkmal stets plump erotisierenden Fantasie das Publikum zu entzücken, was beileibe nicht immer zu klappen scheint. Aber selbst für objektiv Anstössiges gibt es in unserer „aufgeklärten Zeit“ bekanntlich noch viele Klatscher, die sich öffentlich wirksam nicht als „Kulturbanausen“ outen wollen. Kultur? Es ist simple Unterhaltung – halt einmal ertragbar, halt einmal böse daneben gelangt. Das Letztere wird der viel beschäftigte, regionale Alleinunterhalter allerdings nie begreifen und beschäftigt entsprechend seine Anwälte.

  3. der motzer
    10. Mai 2010 at 14:42 #

    Fenedig – haben Sie überhaupt ein bisschen Ahnung von Kunst? Sie besitzen vermutlich soviel Humor, dass Sie zum Lachen in den Keller gehen. Ich bin stolz darauf, solch einen Künstler hier am Bodensee zu wissen!

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