Prawda „Spiegel“ schreibt übers überfüllte Konstanz

Schweizer shoppen in Deutschland – Nachrichtenmagazin über die unerträgliche Verstopfung der Einkaufsstadt

Konstanz. Der „Spiegel“ ist die Prawda. Wenigstens die Ausgabe vom Montag dieser Woche schreibt „gefühlt“ sozusagen die Wahrheit. Immerhin eine Seite widmet das Nachrichtenmagazin dem Kurs des Schweizer Frankens, den Mehrwertsteuerrückerstattungen für Schweizer Kunden und den Schlangen in Konstanz. Der Beitrag dürfte vielen Konstanzern und auch Kreuzlingern aus dem Herzen sprechen. Vor kommt auch das verwaiste Kreuzlinger „Karussell“-Einkaufszentrum.

Deutschland ist Schnäppchenland

Ein Euro kostete heute 1,162 CHF. Ein Franken ist also fast einen Euro wert. Für die Schweizer ist die Nachbarstadt aufgrund des Wechselkurses zu einem wahren Einkaufsparadies geworden. Fast alles ist in Deutschland billiger als im Nachbarland. Deswegen kaufen die Schweizer Lebensmittel und vor allem auch Drogerieartikel bevorzugt in Konstanz. Sie nutzen nicht nur den günstigen Wechselkurs, sondern lassen sich auch gleich noch die 19-prozentige Mehrwertsteuer zurückerstatten.

Deutsche holen sich Mehrwertsteuer zurück

Unter den „Schweizern“ sind, was viele Konstanzer  wissen, auch noch in der Schweiz arbeitende und lebende Deutsche. Sie haben ihren Wohnsitz ins Nachbarland verlegt, weil dort Mieten günstiger und Steuern niedriger sind.

Über Gedränge in Drogeriemärkten

Im „Spiegel“ steht zu lesen: „Jeden Samstag überfallen die Schweizer unsere Stadt.“ Weiter heißt es, auch die Flucht aus Konstanz sei keine Option, denn Tausende Autos mit Schweizer Kennzeichen verstopften die Zu- und Ausfallstraßen. Besonders groß sei das Gedränge in Konstanzer Drogeriemärkten, schreibt der „Spiegel“.

Rotes Tuch sind grüne Zettel

Das Nachrichtenmagazin unterschlägt auch nicht, dass sich auch deshalb lange Schlangen bilden, weil die Kassiererinnen den Schweizer Kunden deren Ausfuhrformulare ausfüllen, damit diese sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen können. Grüne Zettel verlangsamen das Bezahlen an den Kassen beträchtlich. Während dessen seien, wie der „Spiegel“ weiter berichtet, Läden in Kreuzlingen verwaist.

Handel profitiert vom Ansturm

Der Konstanzer Handel profitiert vom Run auf die Stadt. Die in Konstanz ansässige Regionalzeitung berichtet über die Prakplatznot und sich stauenden Verkehr, würde aber niemals die Invasion der Shopper kritisieren und damit womöglich Anzeigenkunden, den Handel, verärgern.

Unerträgliche Überfüllung der Stadt

Wer in Konstanz lebt, müsste den „Spiegel“-Artikel freilich ausschneiden, ihn gerahmt an die Wand hängen und sagen, ja genauso ist es. In dem Beitrag steht, worunter viele Konstanzer leiden. Innenstadtbewohner machen in diesen Wochen regelmäßig die Erfahrung, dass ihre Stadt verstopft ist. Fakt ist: Es gibt kaum ein Durchkommen und so mancher genervte Konstanzer dürfte schon einmal entschieden haben, angesichts der samstäglichen Schlangen in der Metzgerei in der Rosgartenstraße auf den Sonntagsbraten lieber zu verzichten und der eine oder andere dürfte auch schon einmal einen mit Duschbad und Shampoo gefüllten Einkaufskorb im Drogeriemarkt abgestellt und ohne Ware die Flucht ergriffen haben. Manchmal sind die Kaffeepads aus – heute gab es kein Cola Zero mehr.

Stopp-and-Go rund um die Altstadt

Während der Ferien ist die Lage besonders dramatisch. Zu den Schweizer Einkäufern kommen auch viele Städtetouristen – wenn kein Badewetter ist auch Urlauber, die sonst lieber im Strandbad wären. Nicht nur in der Fußgängerzone ist in diesen Tagen praktisch kein Durchkommen mehr. Stopp-and-Go für Fußgänger gibt es mittlerweile nicht nur rund ums Lago, auf der Markstätte, in der Kanzlei- oder Rosgartenstraße sondern auch rund um den Münsterplatz in der Wessenbergstraße. Fahrradfahrer steigen am besten ab. Wo Biker eigentlich zügig vorankommen könnten, treten so wie in der Konzilstraße plötzlich Fußgänger auf die Fahrradspur. Auf der alten Rheinbrücke oder in der Spanierstraße kommen Radlern Geister(rad)fahrer entgegen. Auch der Traffic über die Fahrrad- und Fußgängerbrücke und in der Fahrradstraße Schottenstraße nimmt zu. Beim Abbremsen und Abbiegen ist größte Vorsicht geboten. Der Ton wird vielerorts rauer. Das Auto lassen Innenstadtbewohner sowieso am besten auf dem Anwohnerparkplatz stehen. Wer zu einem Grillfest in Litzelstetten oder Wallhausen eingeladen ist, entscheidet sich notgedrungen dafür, den (überfüllten) Bus zu nehmen.

Teure Ferien in den Schweizer Bergen

Eine Alternative wäre, sich aus der Einkaufsstadt in die schönen Schweizer Berge zu verabschieden und Ferien in der Schweiz zu machen. Angesichts des Wechselkurses dürfte die Sommerfrische in der Schweiz aber längst keine Alternative mehr sein. Selbst ein Kaffee am Kreuzlinger Hafen oder ein Getränk im Schlössli in Bottighofen wird so langsam unerschwinglich.

Hier geht’s zu unserer kleinen Blog-Schau. Das Blog dornroeschen.nu sieht’s dieses Mal ganz anders.

Fotos: wak

Ein Kommentar to “Prawda „Spiegel“ schreibt übers überfüllte Konstanz”

  1. Hinterwäldler
    26. Juli 2011 at 18:29 #

    Irgendwie ist es doch seltsam was so ein Papier-Euro alles verursachen kann. Dabei sind die Konstanzer Kleinhandelsunternehmen recht froh über den hohen Umsatz. Wurde das Lago nicht auch für die armen Eidgenossen gebaut oder habe ich da was falsch verstanden ?-)

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