Protest gegen Entlassungen bei Nycomed/Takeda in Konstanz

IG Bergbau Chemie Energie und Betriebsrat rufen am Dienstag zu Demonstration auf – Landrat spricht bei Kundgebung

Konstanz. Die IG Bergbau Chemie Energie, der Betriebsrat von Nycomed und die Politik empören sich weiter über die angekündigte Streichung von 700 Arbeitsplätzen bei Nycomed in Konstanz. Die Abteilung Forschung und Entwicklung wird geschlossen. Der Vertrieb zieht nach Berlin und wir verkleinert. Am morgigen Dienstag, 24. Januar, ziehen Protestierende deswegen durch Konstanz. Auf einer Kundgebung auf der Marktstätte sprechen werden auch Justizminister Rainer Stickelberger (SPD), Landrat Frank Hämmerle (CDU) und der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne).

Widerstand in Konstanz

In einer Mitteilung von Gewerkschaft und Betriebsrat heißt es: Die Arbeitnehmervertretungen und Belegschaften des Takeda/Nycomed-Konzerns in Deutschland wurden über die vorgesehenen „Personalabbaumaßnahmen“ seitens der Unternehmensleitung informiert. IG BCE und Betriebsrat hätten bereits in der vergangenen Woche angekündigte, dass dieser „radikale Kahlschlag“ nicht ohne Protest und Gegenwehr hingenommen werde.

Appell an globale Verantwortung

Bezirksleiter Wilfried Penshorn von der IG BCE sagte: „Nachdem nunmehr fest steht, dass in Deutschland rund 1200 Arbeitsplätze durch diese Fusion gestrichen werden sollen, werden wir jetzt öffentlich deutlich machen, was wir davon halten. Es kann nicht sein, dass dieser Kahlschlag ohne Protest und Gegenwehr, sozusagen durch die ,kalte Küche‘, über die Bühne geht. Wir werden Herrn Hasegawa und Herrn Morich auf dieser Veranstaltung deutlich machen, dass es in diesem nach Ihren Worten ,wahrhaft globalen Unternehmen‘, auch globale Verantwortung für die Beschäftigten und Bürger gibt.“

Hohe Erwartungen der Arbeitnehmervertretungen

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Rolf Benz erklärte: „ Auf dieser Protestkundgebung werden wir uns „Luft verschaffen“ und die Verantwortlichen mit den dramatischen Folgen ihrer sozial unverantwortlichen Vorgehensweise konfrontieren. Wir rechnen mit einer sehr großen Beteiligung der Belegschaften und der Bürger der Bodenseeregion. Die Beschäftigten haben hohe Erwartungen an uns, wie wir ihre Situation in den anstehenden Verhandlungen verbessern sollen. Es geht ihnen um Zukunftsperspektiven, materielle Absicherung und Beschäftigungssicherung. Wir lassen keine Möglichkeiten ungenutzt, um diese Erwartungshaltungen zu erfüllen, das steht fest.“

Das Kreuz der Arbeitslosigkeit

Die Protestkundgebung beginnt am Dienstag, 24. Januar, um 14.00 Uhr am Konzil-Gebäude mit einem Demonstrationszug durch die Stadt Konstanz. Am Münster wollen die Demonstranten einen kurzen Zwischenstopp einlegen, um das Kreuz der Arbeitslosigkeit in Empfang zu nehmen. Anschließend geht es weiter auf die Marktstätte. Gegen 14.30 Uhr werden dort mehrere Kundgebungsredner sprechen, darunter Gesamtbetriebsratsvorsitzender Rolf Benz, das Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE Egbert Biermann, ein Vertreter der Landesregierung, Landrat Frank Hämmerle, Oberbürgermeister Horst Frank sowie weitere Redner.

Nachricht erreichte Betroffene am Mittwoch

Die schlechte Nachrichten für den Wirtschaftsstandort Konstanz war in der vergangenen Woche bekannt geworden. Seit Mittwochvormittag herrscht Gewissheit: Takeda gibt die Forschung in Konstanz auf und der Sitz den Vertriebsorganisation verlagert das Pharmaunternehmen nach Berlin. Der Standort Willinghusen veräußert Takeda. Rund 1.200 Stellen sind somit von Veränderungen betroffen. In Konstanz fallen 700 Arbeitsplätze weg. Am vergangenen Donnerstag verabschiedete der Konstanzer Gemeinderat eine Resolution gegen die Unterscheidung des Unternehmens.

Unternehmen ist vernichtet worden

Wir sind uns bewusst, dass die jetzt vorgestellte Planung zu tiefen Einschnitten in Deutschland und zu gravierenden Veränderungen für viele unserer Mitarbeiter führen werden“, sagte Gilbert Rademacher, Leiter von Nycomed in Deutschland und des deutschen Integrationsprozesses. Rademacher weiter: „Die Veränderungen sind notwendig, denn Deutschland ist das Land mit den größten Überschneidungen im Konzern. Hier gibt es sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene erhebliche Doppelstrukturen und Überkapazitäten.“ Solche Aussagen waren auch im Konstanzer Gemeinderat scharf kritisiert worden. Viele empfinden sie als zynisch: Seit dem Verkauf von Altana an Nycomed und der Eingliederung des einst erfolgreichen Unternehmens in den Takeda Konzert sind rund 2000 Arbeitsplätze gestrichen und dabei mindestens 5 Milliarden Euro verdient worden.

Verblasste Mythen

Nycomeds Bestseller war  das Magenmittel Pantoprazol. Der Patentschutz für Pantoprazol lief bereits 2009 in mehreren europäischen Ländern aus. Billigere Generika ließen die Verkaufszahlen schrumpfen.

 

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