Prozessauftakt: Mordversuch aus Eifersucht in Friedrichshafener Obstplantage

Frau wegen versuchter Mordes an Freundin angeklagt – Am Anfang Kontakte bei Facebook

Friedrichshafen/Ravensburg. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in heimtückischer Manier muss sich seit Dienstag eine 43jährige Frau aus Friedrichshafen vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Ravensburg verantworten. Ihr wird vorgeworfen, am 23. August vergangenen Jahres bei einem Spaziergang in einer Obstplantage in Friedrichshafen ihre 44jährige Freundin mit einem Hammer sowie einem in einer Umhängetasche mitgeführten Messer angegriffen zu haben. Beide Vorwürfe räumte die Angeklagte am ersten Prozesstag ein.

Freundin mit Hammer attackiert

Ob der Angeklagten im Laufe des von drei auf fünf Verhandlungstage erweiterten Prozesses nachgewiesen kann, ihr Opfer zusätzlich mit einer Wäscheleine gewürgt zu haben, wie die Anklage ihr vorwirft, ist noch offen. Während sie die Hammerschläge („ich habe wie von Sinnen auf sie eingeschlagen”) und Messerstiche am ersten Verhandlungstag eingeräumt hat, wollte sie sich an den Einsatz der in ihrer Handtasche befindlichen Wäscheleine nicht erinnern können.

Ehemann lernte Freundin kennen

Die beiden Freundinnen und ihre Männer lernten sich im örtlichen Narrenverein kennen. Später trafen sich die Frauen, die fast Nachbarn waren, privat zum Kaffee, und dabei stieß öfter der Ehemann der Angeklagten hinzu. Zwischen ihm und der 44-Jährigen entwickelte sich ein Verhältnis, das mit Facebook-Kontakten und Handy-Mitteilungen seinen Anfang nahm und in gemeinsamen Bootstouren auf dem Bodensee seine Fortsetzung fand. Von solchen Treffen zwischen Freundin und Ehemann erfuhr die Angeklagte auf verschiedensten Wegen. Sie wurde misstrauisch, denn sowohl mit ihrer Ehe als auch der ihrer Freundin stand es nicht zum Besten. Während sie und ihr Mann, mit dem sie seit dem 1. April 2004 verheiratet ist, immer öfter stritten, und dabei auch Kerzenständer und Blumenvasen durch die Wohnung flogen, gab es in der Ehe der Freundin sogar Schläge vom Ehemann. Dennoch beteuerte die Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer gestern, von Trennung sei in ihrer Beziehung nicht die Rede gewesen.

Mordwerkzeuge angeblich fürs Bootsreparatur

Warum die Angeklagte mit einer Handtasche spazieren gegangen ist, in der sich Gegenstände wie ein Taschenmesser, ein Tapeziermesser, eine Wäscheleine, ein Hammer, Müllsäcke und ein Klebeband befanden, erklärte die 43jährige damit, dass zunächst geplant gewesen sei, gemeinsam mit der Freundin das im Friedrichshafener Hafen liegende eigene Motorboot aufzusuchen, und man dort für einige handwerkliche Arbeiten am Schiff die Utensilien gebraucht hätte. Kurzfristig hatte man entschieden, den Schiffsgang ausfallen zu lassen und stattdessen spazieren zu gehen. Die Gegenstände seien dann auch zum Spaziergang in der Handtasche geblieben.

Opfer und Täterin erzählten Fantasiegeschichte

Das besonders Skurrile der Tat: Nach den Hammerschlägen und Messerstichen einigten sich beide Frauen darauf, die Tatwerkzeuge zu entsorgen und der Polizei gegenüber die Tatversion zu erklären, sie seien von zwei Männern russischen Aussehens überfallen worden. Nach Männern solchen Aussehens suchte die Polizei sogar mit einem Hubschrauber, ehe sich das Opfer im Krankenhaus nicht mehr an die vereinbarte Verabredung hielt und der Polizei den tatsächlichen Tathergang schilderte.

Das Urteil wird am 31. März erwartet.

Foto: Foto: Edith Ochs PIXELIO www.pixelio.de

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