Ramsès Alfa: Afrikanischer Gast in Konstanz

Togolesischer Regisseur Ramsès Alfa inszeniert am Konstanzer Theater – Christoph Schlingensiefs Operndorf gefällt ihm

Konstanz. „Die Deutschen grüßen sich nicht“, sagt der togolesische Regisseur Ramsès Alfa, der im tristen November zwei Stücke am Konstanzer Theater auf die Bühne bringt. Ramsès Alfa spricht sehr gut deutsch und er sagt, er fühlt sich wohl. Daran dass das deutsche Publikum während einer Vorstellung ruhig in den Theatersesseln sitzen bleibt und nicht dazwischen ruft, hat sich der Afrikaner mittlerweile gewöhnt.

Kulturdialog auf Augenhöhe

Ramsès Alfa inszeniert am Konstanzer Theater „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka und „Warten auf Godot“ (En attendant Godot) von Samuel Beckett. Gefördert wird die deutsch-togolesische Begegnung von der „Aktion Afrika – Kulturdialog auf Augenhöhe“, die das auswärtige Amt unterstützt. Theaterintendant Christoph Nix kommt während des Gesprächs vorbei und erzählt von leeren Weinflaschen, die er wegräumen müsse, und von vielen Gästen. Der Dialog findet in Konstanz nicht nur am Theater statt, sondern auch ganz privat in der Wohnung des Intendanten.

Regisseur macht modernes Theater

Ramsès Alfa klappt sein Notebook zu. Er kennt Theater in Afrika und er kennt Theater in Deutschland. Folkloristisches darf das Publikum nicht erwarten. Der Regisseur, der aus Togo stammt, steht für modernes Theater. In Konstanz inszeniert er Stücke von Kafka und Becket.

Den König nachgeahmt

Der aus Togo stammende Regisseur erzählt ein bisschen über das afrikanische Theater, wie es früher einmal gewesen ist. „Die Urform war das Märchen“, sagt Ramsès Alfa. Nach der Erntezeit kamen die Dorfbewohner zusammen und spielten Geschichten, bei denen Schauspieler den „Chef“ oder den „König“ nachahmten. So wie in Fabeln stellten Tierfiguren Personen dar.

Ein Stück deutsch-afrikanische Geschichte

Bis zum Ersten Weltkrieg war das Gebiet Togos deutsche Kolonie. Das ist lange her. „Schade, dass es so wenig Kultur- und Austauschprojekte gibt“, sagt Ramsès Alfa. Deutschland und die ehemalige Kolonie verbinde doch gemeinsame Geschichte. Er redet von einer „kulturellen Brücke“. Theater in Afrika ist trotzdem anders als Theater in Deutschland. Es gibt zum Beispiel keine festen Bühnen – kein Stadttheater aus Steinen gebaut so wie in Konstanz. Die Truppen spielen in Kulturzentren oder, wenn ihnen das Goethe-Institut eine Bühne anbietet, auch gern dort. „Theater muss nicht nur Spaß bringen“, sagt der Regisseur. Es soll sensiblisieren. „Durch das Theater sagt man immer etwas“, so der Regisseur. Modernes Theater ist auch in Afrika nicht unpolitisch.

Publikum reagiert anders

Auf die Bühne bringen afrikanische Regisseure wie Ramsès Alfa auch Stücke von Brecht oder Goethe oder die afrikanischer Autoren. „Oder meine eigenen Stücke“, erzählt Ramsès Alfa. Das könnte vielleicht auch ein deutscher Regisseur so sagen. Einen großen Unterschied macht aber das Publikum, das in Afrika eine ganz andere Rolle spielt als in Deutschland. „Das Publikum nimmt nicht teil“, berichtet Ramsès Alfa. „Die Zuschauer schweigen und sie berühren sich nicht.“ In Afrika sei das anders. Zwischenrufe gehören zum Theater. „Es war total komisch“, erzählt der Afrikaner über seine erste Begegnung mit dem deutschen Publikum.

Eintritt ins Theater oft frei

Ähnlich wie in Deutschland ist es auch in Togo nicht die große Masse, die Theateraufführungen besucht. „Es gibt populäre Formen“, sagt Ramsès Alfa. Dieses populäre Theater werden auf Straßen und Märkten gespielt. Modernes Theater, wie es der Regisseur macht, schaue sich eher eine Elite an. Viel Geld für den Eintritt dürften Theater nicht nehmen. Oft sei der Eintritt sogar frei, wenn Organisationen Geld für Theater-Projekte geben.

En attendant Godot

„Warten auf Godot“ (En attendant Godot) von Samuel Beckett führt das Konstanzer Theater in französischer Originalsprache auf. So ähnlich hat der Regisseur das Stück auch schon in Afrika inszeniert – damals stand Christoph Nix mit auf der Bühne. Dass der Regisseur Afrikaner ist, zeige sich bei „Warten auf Godot“ höchsten bei ein paar „Kleinigkeiten“. Nix‘ Part übernimmt bei der Konstanzer Aufführung nun Heimo Scheurer. Weitere Rollen spielen drei togolesische Schauspieler und Christoph Nix‘ Sohn Johannes. „Für die Afrikaner ist es, als ob sie ihre eigene Geschichte spielen“, erzählt der Regisseur, der so gut deutsch spricht, weil er Deutschkurse in Togo, Mannheim und München besucht hat und im Alltag gerade wieder deutsch redet.

Teures Deutschland

„Ich bin zum vierten Mal hier“, sagt der Regisseur. „Ich fühle mich zu Hause.“ Er ist in eine kleine Wohnung gezogen. Was ihn irritiert, ist, dass sich die Deutschen auf der Straße nicht „begrüßen“. Besonders fällt Ramsès Alfa auf, dass sich nicht einmal Afrikaner grüßen, wenn sie sich in Deutschland unterwegs begegnen. Und sonst? Ramsès Alfa sagt, dass das Leben in Deutschland sehr teuer ist. „Und der Winter ist zu kalt“. Ramsès Alfa grinst – wenigstens für ein Klischee ist er gut.

Ramsès Alfa wünscht sich viele Operndörfer

Letzte Frage: Was er über Christoph Schlingensiefs Operndorf in Afrika denkt? „Als Theatermacher finde ich es sehr wichtig“, erzählt der Togolese. Das Ziel müsse sein, von anderen Kulturen zu lernen. „Ich träume von dem Tag, an dem wir in Afrika große Opernhäuser und große Theater bauen, in denen Sänger Opern aufführen. Ramsès Alfa schwärmt von einer begabten afrikanischen Opernsängerin. Er sagt, die Afrikaner seien neugierig, auch auf ein Operndorf.

Hier geht es zum Spielplan des Theaters Konstanz.  Die Premiere von „Warten auf Godot“ ist heute, Dienstagabend. Aufführungen in der Werkstatt gibt es anschließend täglich bis Samstag. Vorstellungsbeginn ist jeweils um 20 Uhr.

Fotos: wak

Ein Kommentar to “Ramsès Alfa: Afrikanischer Gast in Konstanz”

  1. Fafnir
    9. November 2011 at 08:27 #

    Die Deutschen grüßen nicht? Für ein zackiges Grußerlebnis an jeder Ecke hätte der Herr Alfa halt ein paar Jahrzehnte früher kommen müssen. Schönen Gruß. Schönen Gruß. Schönen Gruß.

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