Rauskicken und wegducken: Was ist los an der VHS Konstanz-Singen?

VHS-Gesellschafter äußern sich nicht zur Kündigung von Reinhard Zahn

Konstanz. Weshalb soll Reinhard Zahn, seit 1. August neuer Leiter der VHS-Hauptstelle Konstanz, die Volkshochschule Konstanz-Singen noch während der Probezeit wieder verlassen? Eine schlüssige Antwort gibt es auch nach einer Woche noch nicht. Die Linke Liste Konstanz (LLK) hatte den VHS-Vorstand, namentlich Nikola Ferling und Dorothee Jacobs-Krahnen, am Mittwoch dieser Woche aufgefordert, Gründe für die Kündigung von Reinhard Zahn zu nennen. Die LLK verlangte, die Kündigung zurückzunehmen. Passiert ist bisher aber weder das Eine noch das Andere. Auch die VHS-Gesellschafter, Bürgermeister Claus Boldt (Konstanz), Bernd Häusler (Singen), Rainer Stolz (Stockach) und der Vorsitzende, der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle, halten sich bedeckt.

Hämmerle und Boldt nehmen keine Stellung

Am Donnerstag fragte See-Online im Landratsamt an, ob Frank Hämmerle Stellung zur Kündigung des 51-jährigen VHS-Leiters nehmen möchte oder ob sich möglicherweise Günter Lieby, Hauptamtschef und Personalverantwortlicher und von Landrat Frank Hämmerle mit VHS-Angelegenheiten betraut, zu den Vorkommnissen an der VHS öffentlich äußern wolle? Am Freitagvormittag antwortete Manfred Roth, Mitarbeiter der Kreistagsgeschäftsstelle und für Presse im Landratsamt zuständig: „Der hauptamtliche Vorstand der vhs hat sich zu der von Ihnen genannten Personalie bereits in einer Pressemitteilung geäußert. Eine darüber hinausgehende Kommentierung durch unser Haus erfolgt nicht“ Die Pressemitteilung wurde anscheinend von der Volkshochschule verschickt. See-Online liegt sie nicht vor. Auch im Konstanzer Rathaus verspürt der zuständige Bürgermeister Claus Boldt offenbar kein Bedürfnis, sich zu der Personalangelegenheit zu äußern. „Herr Boldt nimmt keine Stellung zu Ihrer Anfrage“, Ulrich Hilser Pressebüro der Stadt Konstanz.

Mutmaßung über „Abschussliste“

Die Linke Liste Konstanz behauptete in dieser Woche in einer Pressemitteilung, die „öffentliche Bildungseinrichtung“ solle „an die Wand gefahren“ werden. Die Linke Liste Konstanz fragt, wer – außer Reinhard Zahn – noch auf der Abschussliste des hauptamtlichen Vorstands stehe? Die Vorstandvorsitzende des kristierten Vorstands ist Nikola Ferling, vormals Leiterin der VHS-Außenstelle Stockach. Ihre Stellvertreterin ist Dorthee Jacobs-Krahnen. Die promovierte Biologin, die für die Freie Grüne Liste auch im Konstanzer Gemeinderat sitzt, verantwortet den Bereich „Politik, Gesellschaft und Gesundheit“.

Zweifel an Personalpolitik des VHS-Vorstands

Tatsächlich werden an der VHS führende Mitarbeiter anscheinend häufiger ausgewechselt als Trainer in der Fußball-Bundesliga. Im vergangenen Jahr feuerte die VHS Reiner Schmid samt Ehefrau. Die Gründe wurden nie öffentlich. Jana Mühlstädt-Garczarek, die zu dieser Zeit nicht unumstrittene kurzzeitige Gesamtleiterin und Direktorin der Volkshochschule war, kehrt nach einer Babypause nun wieder zurück – allerdings nicht als Vorstandvorsitzende. Diese Stelle würde nach einer Umstrukturierung in etwa ihrer alten Position entsprechen. Die Linke Liste Konstanz fragte in einer Pressemitteilung: „Wie lange lässt man den Vorstand in seiner zynischen und geschäftsschädigenden Personalpolitik noch gewähren?“ Weiter heißt es in der Pressemitteilung der LLK: „Ist dieser Vorstand seiner Aufgabe überhaupt noch gewachsen?“

Richtiger Mann oder falsche Personalentscheidung an VHS?

Tatsächlich stellt sich die Frage: Ist Reinhard Zahn der richtige Mann als Leiter der Hauptstelle Konstanz? Wenn ja, warum soll er dann gehen? Oder, wenn nein, wer hat die falsche Personalauswahl zu verantworten? Auch auf diese Fragen gibt es zunächst keine Antwort. Indizien sprechen aber dafür, dass Reinhard Zahn ein qualifizierter VHS-Leiter ist.

Zahn in Weil am Rhein nicht vom Hofe gejagt

Als er sich nach elf Jahren von der Volkshochschule in Weil am Rhein verabschiedet hat, schrieb die Badische Zeitung im Untertitel: „In elf Jahren zahlreiche bleibende Akzente gesetzt.“ Statt 6000 Kurseinheiten bot die Weiler VHS vor dem Weggang Zahns 9000 an. Zum Vergleich: In Konstanz sind es 60.000 Kurseinheiten. Wörtlich heißt es in dem Bericht der BZ vom 8. Juli 2011: „An dieser quantitativen Steigerung allein ist das Wirken Zahns aber nicht zu messen.“ Auch inhaltlich und strukturell habe der VHS-Leiter „bleibende Akzente“ gesetzt.

Sprach er zu viel mit Dozenten?

Interessant ist folgende Abschnitt des Zeitungsberichts: „Nach Amtsantritt verschaffte er sich über Befragungen einen Überblick über die Erwartungen, die Bürger, Kursteilnehmer und Dozenten an die Volkshochschule hatten. Hat er womöglich auch in Konstanz das Gespräch mit Dozenten gesucht, was im schlimmsten Fall vom Vorstand nicht gewollt war? Das Verhältnis zwischen der alten VHS-Leitung und einigen Dozenten ist, bevor Reinhard Zahn in diesem Sommer kam, zerrüttet gewesen. In der Pressemitteilung der Linken Liste Konstanz heißt es: „MitarbeiterInnen sind verschüchtert und verängstigt.“

Zahn von Kolleginnen nicht akzeptiert?

Ist Zahn womöglich mit seinen Kolleginnen Ferling und Jacobs-Krahnen nicht klar gekommen? Das Blog dornroeschen.nu warf eine Nebelkerze, als es titelte „Mit Reinhard Zahn den einzigen Mann entfernt“ In der Pressemitteilung der Linken Liste Konstanz wird behauptet, „Ohne Angaben von Gründen wird hier ein allseits geschätzter und angesehener VHS-Mann gemobbt, demontiert und in seiner beruflichen Existenz massiv geschädigt.“

Mann mit Kontakten

Dass Reinhard Zahn soziale Inkompetenz vorgeworfen werden könnte, scheint eher unwahrscheinlich zu sein. So beschreibt die Badische Zeitung wie Zahn in Weil am Rhein mit Hochschulen und der Nachbar-VHS in Lörrach kooperierte und dass beide Volkshochschulen über einen gemeinsamen Dozentenpool verfügen. Zahn habe ein „Netz an Kontakten im Dreiländereck aufgebaut“, so die BZ. Als Fortbildungsbeauftragter des Volkshochschuleverbandes würden auch berufliche Verbindungen zur Weiler VHS fortbestehen.

Es geht bergab

Die Linke Liste Konstanz behauptet: Seit dem Weggang von Lothar Setz, dem Vorvorgänger von Jana Mühlstädt-Garczarek, der bis 2008 VHS-Chef in Konstanz war, gehe es mit der VHS Konstanz-Singen ständig bergab. In einem Wortlaut-Interview, das das Blog Seemoz veröffentlicht hat, äußerte sich Setz zu den Zuständen an der VHS in Konstanz.

Foto: wak/Landrat Frank Hämmerle und Dorthee Jacobs-Krahnen stellten im Januar 2011 neues Programmheft vor.

3 Kommentare to “Rauskicken und wegducken: Was ist los an der VHS Konstanz-Singen?”

  1. Markus
    4. November 2011 at 10:47 #

    Als (ehemaliger) Dozent an der VHS möchte ich mitteilen, dass Herr Zahn aktuell der einzig kompetente Ansprechpartner im Bereich berufliche Weiterbildung, der VHS Konstanz Singen ist.
    Mit seiner Kündigung werden viele qualifizierte Dozenten der VHS gehen.
    Insbesondere seine soziale Kompetenz macht Herrn Zahn zu einem geschätzen Hauptstellenleiter.
    Seine Kündigung kann von keinem Dozenten, der mit ihm direkt oder indirekt zu tun hatte nachvollzogen werden.

  2. dk
    5. November 2011 at 23:13 #

    Im Medium Internet scheint es eher wenige zwischenmenschliche Probleme zu geben, da zwischen 2 Usern noch 1 Hoster/Provider zwischengeschaltet ist (ausgenommen ist die Problematik der Malware und des Hackings).
    Lernprogramme gibt es als Video-CD/DVD vom Fachhandel, aber auch schon als Payment-Angebote im Internet (auch als Abo).
    Ebooks scheinen in den USA weit verbreitet und gegenüber Print auch deutlich günstiger, die Dichte an Sonderangeboten überrascht.

    Bsp. für Internet-Video-Angebote: Design + Programmierung, usw. (für Web, Print, allg.)

    http://www.video2brain.com/de/
    http://www.lynda.com/

    Es gibt sicher Vor- und Nachteile für „VHS-Schulunterricht“ im Vergleich zum „Video-Learning“; alles ist auch nicht als Video vermittelbar. Zumindest werden die Lektoren meistens sehr lobend im Vorwort erwähnt.

  3. hans paul lichtwald
    6. November 2011 at 16:02 #

    Geht es hier um dienAufarbeitung eines ernsthaften Problems oder Marketing? Die KOmpetenz von Herrn Zahn scheint auf diesem Gebiet unumstritten zu sein.

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