Redakteure wollen landesweit unbefristet streiken

SÜDKURIER vorerst nicht betroffen – Hier entscheidet zunächst Haustarifkommission über Aktionen

Konstanz. Die Lage in den Medienhäusern spitzt sich zu. Jetzt haben Redakteure des Mannheimer Morgens, der Fränkische Nachrichten, Heilbronner Stimme, Ludwigsburger Kreiszeitung, Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, der HIER-Lokalzeitungsgesellschaft, der Leonberger Kreiszeitung, Eßlinger Zeitung, des Schwäbischen Tagblatts, des Reutlinger General-Anzeigers, der Neuen Württembergischen Zeitung, der Südwest Presse, der Schwäbischen Post, der Waiblinger Kreiszeitung, der Heidenheimer Zeitung und der Heidenheimer Neuen Presse abgestimmt. Sie möchten unbefristet streiken.

Unbefristete Streiks bei vielen Zeitungen möglich

Bei den Tageszeitungen in Baden-Württemberg könnte es deswegen vom heutigen Donnerstag an unbefristete Streiks geben. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi stimmten 98 Prozent der zur Urabstimmung aufgerufenen Journalisten für einen Arbeitskampf. Das teilte Verdi am Mittwoch in Stuttgart mit. Wie bereits mehrfach berichtet, drohen Redakteuren Einbußen in Höhe von mehreren Hundert Euro im Monat. Solche Kürzungen wollen der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger (VSZV) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) durchsetzen, um Kosten zu sparen. Journalisten und Journalisten-Gewerkschaften warnen vor Billig-Journalismus. Gestern berichteten auch betroffene Zeitung wie die Stuttgarter Zeitung und die BILD-Zeitung über die Urabstimmung und das Ja zu einem unbefristeten Ausstand.

SÜDKURIER hat Sonderrolle

Nicht abgestimmt hat die Belegschaft des SÜDKURIER. Da der SÜDKURIER aus dem Verbund ausgeschieden ist, geht es im Medienhaus nicht um einen Flächentarifvertrag wie bei anderen Zeitungen, sondern isoliert um einen neuen Haustarifvertrag, den die Belegschaft durchsetzen möchte. Ein Haustarif wäre eine Art Minimalziel oder Mindeststandard. Die Verlagsleitung möchte hingegen, dass Mitarbeiter ihre Gehälter und Löhne in Zukunft individuell aushandeln. Dagegen wehrt sich der Betriebsrat mit Unterstützung von Verdi und Deutschem Journalisten Verband (DJV). In der vergangenen Woche hatte es deswegen im Verbreitungsgebiet der Regionalzeitung einen dreitägigen Warnstreik von Redakteuren, Verlagsangestellten und Druckern gegeben. Der SÜDKURIER war während des Ausstands trotzdem erschienen. Eine Berichterstattung über den Streik und den Konflikt gab es im SÜDKURIER nicht.

Streikziel der Belegschaft nicht erreicht

Ob sich auch Mitarbeiter des SÜDKURIER einem möglicherweise baden-württembergweiten unbefristeten Streik anschließen wollen, ist unklar. Nach Aussage des Betriebsrats müsste zuerst einmal die 20-köpfige Haustarifkommission entscheiden, in der gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter sitzen. Fakt ist aber in jedem Fall, dass das Streikziel, ein Haustarifvertrag für beim SÜDKURIER Beschäftigte bisher  nicht erreicht ist. Redakteure, die ihre Entlohnung individuell aushandeln müssen, könnten damit möglicherweise an einer freien, unabhängigen und kritischen Berichterstattung gehindert werden, so die Meinung von Betroffenen.

 

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