Rentner-Terror gegen Jugendliche in Konstanz

Egoistischer Anwohner hetzt gegen Jugendliche in Litzelstetten – Lärmschutzinitiative verurteilt feiges Vorgehen angeblicher Initiative

Konstanz. Das jugendfeindliche Flugblatt in Litzelstetten ist echt. Die Hetze gegen Jugendliche ist ernst gemeint. Als Verfasser hat sich in der Nachbarschaft offenbar ein in den Konstanzer Ortsteil zugezogener Rentner geoutet. Als presserechtlich Verantwortlicher hat er sich auf dem Flugblatt allerdings nicht genannt. Ein entsprechender Hinweis fehlt. Ortschaftsräte und Jugendbeirat im Konstanzer Teilort sind entsetzt über das hohe Maß an Egoismus. Auch der in Litzestetten wohnende Joachim Bullermann, Vorsitzender der Lärmschutzinitiative, verurteilt das „feige“ Vorgehen des Rentners, der versucht, Anwohner gegen Jugendliche aufzuhetzen und zu einer Mahnwache aufgerufen hat.

Lärmschuzinitiative distanziert sich von Rentner-Flugblatt

Joachim Bullerman sagte: „Ich kämpfe mit offenem Visier.“ Der Vorsitzende der Lärmschutzinitiative hat sich von der angeblichen „Initiative zur Bekämpfung von Lärmbelästigung durch Jugendliche“ unmissverständlich distanziert. Er sagte, seiner Meinung nach geben Jugendliche keinen Anlass zur Beschwerde. Auch Feste auf dem Purren seien kein Thema mehr. Bullermann sagte wörtlich: „Ich bin total entsetzt.“ Schlimm finde er, dass sich der Initiator der Kampagne noch nicht einmal geoutet hat. Das sei „Feigheit“.

Anwohner: Litzelstetten ist nicht Neukölln

Ein Anwohner sagte, Litzelstetten sei doch nicht Neukölln. Der Mann kritisierte die „Ich-Bezogenheit“ der Stänkerers. Der Rentner habe sich zum Beispiel über ein nachts um zwei Uhr vorbeifahrendes Moped aufgeregt. Er selbst schlafe bei offenem Fenster und habe keine Lärmbelästigung wahrgenommen. Offenbar gebe es in Litzelstetten Wohngebiete, in den Anwohner hyper-sensibel reagieren. Angeblich soll der Rentner, der ein „Aufenthaltsverbot für Jugendliche ab 19 Uhr im Bereich Litzelstetten-Nord“ fordert und die „Lärmbeslästigung durch Minderheiten“ nicht mehr länger dulden will, auch den Versuch gemacht haben, Unterschriften zu sammeln.

Ortschaftsrätin Irene Mohn beklagt Egoismus

Irene Mohn, Ortschaftsrätin in Litzelstetten und frühere Konstanzer Stadträtin, sagte, sie erlebe die Litzelstetter Jugendlichen als freundlich. Offenbar hätte der Initiator der Kampagne ein Problem mit dem Miteinander. Dafür, dass ein Rentner versucht, das Dorf aufzuhetzen, hat sie kein Verständnis. Irene Mohn sagte: „Der Egoismus wird immer größer – das ist unser Problem.“ Sie beklagte die nicht mehr vorhandene Toleranz.

Mahnwache muss angemeldet werden

Nach Auskunft des Bürgeramts muss der Rentner, der zu einer Mahnwache am 23. Oktober um 19 Uhr am Parkplatz der Evangelischen Kirche aufgerufen hat, die Demonstration anmelden. Das gilt auch, wenn die Mahnwache auf einem privaten Grundstück stattfinden sollte, sofern sie von der Straße aus wahrzunehmen ist. Spätestens dann muss sich der Rentner, der mit seinem Pamphlet „Litzelstetten-Nord ist jugendfrei“ massiv gegen Jugendliche hetzt, outen und sich der Stadtverwaltung gegenüber offenbaren. Möglicherweise könnte er auch eine Ordnungswidrigkeit begangen haben, da auf dem Flugblatt kein presserechtlich Verantwortlicher benannt ist.

Jugendratsmitglied von Heftigkeit überrascht

Dennis Riehle, als so genannter fachkundiger Bürger Mitglied im Jugendbeirat des Ortschaftsrats, sagte, das Flugblatt sei bereits Thema am Rande eines Gottesdienstes in der Evangelischen Kirche gewesen. Der 25-jährige Student und zwei Schüler vertreten im Rat die Interessen der Jugendlichen. Riehle sagte, ihn habe vor allem die Heftigkeit des Vorstosses überrascht. In der Vergangenheit habe es immer wieder Widerstände gegeben. Als es um einen Jugendplatz am See ging, habe ein Anwohner so heftig protestiert, dass der Platz aufgegeben worden sei. Mittlerweile gibt es einen provisorischen Jugendtreff in einem Bauwagen am Sportplatz. Auch dort hätten Anwohner zunächst Befürchtungen wegen Lärms und Mülls gehabt. „Es hat sich aber sehr gut entwickelt“, sagte Riehle. Es gebe einen Dialog. Der Student beklagte, dass verwöhnte Bürger offenbar meinen, dass ab 22 Uhr absolute Ruhe herrscht und sie sogar Gespräche als Lärm empfinden. „Die Gangart war die größte Überraschung“, so Riehle. In der kommenden Woche wolle sich der Jugendbeirat in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. Einige Jugendliche wollten auch zur angekündigten Mahnwache kommen und das Gespräch mit etwaigen Teilnehmern suchen.

Bedenkliches Vokabular

Das mit dem Satz „Bürger wehrt euch“ überschriebene Flugblatt, das in Litzelstetten fast ausschließlich auf Unverständnis stößt und Empörung auslöst, enthält drastische Formulierungen, die an den Jargon Rechtsradikaler erinnern. So werden auch „regelmäßige Kontrollen an den Zufahrtsstraßen nach Litzelstetten-Nord“ gefordert. Der wirre Rentner verlangt zudem ein „Verbot der Zusammenrottung von Jugendlichen“.

Ein Kommentar to “Rentner-Terror gegen Jugendliche in Konstanz”

  1. cxb
    11. November 2010 at 22:19 #

    Seien Sie versichert, dass auch in Neukölln mit wachem Blicke verfolgt wird, was in Litzelstetten abläuft. Zwei Ortsteile, zwei Krisenherde! Und beide nah am Wasser gebaut (Neuköllner Schiffahrtskanal / Bodensee).

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