Rotstift könnte Strich durchs Passivkongresshaus machen

Gelungene Architektur erschwert Widerstand gegen Konzerthausneubau

Konstanz (wak) Selbst Gegner des Konzert- und Kongresshauses auf dem Gelände Klein Venedig äußerten sich am Donnerstagabend spontan begeistert über die Pläne der Architekten Dietrich und Untertrifaller. Das stärkste Argument gegen das Konzerthaus ist in Zeiten der Wirtschaftskrise aber die Finanzierbarkeit. SPD, Linke und mehrheitlich auch die Freie Grüne Liste sind gegen den Bau. Entscheiden werden aber erst einmal die Bürger. Nur wenn beim Bürgerentscheid am 21. März das nötige Quorum von 25 Prozent verfehlt werden sollte, würde er nicht zählen. Dann läge die Entscheidung über das Konzerthaus wieder beim Gemeinderat.

Ein Konzerthaus wie ein Concept Car

So wie es aussieht, könnte das von den Architekten Dietrich und Untertrifaller geplante Konzert- und Kongresshaus besser als von Gegnern gedacht auf die Freifläche Klein Venedig passen. Selbst Klimaschützer dürfte ein Konzert- und Kongresshaus, das ein Passivhaus ist, begeistern. Ein bisschen ist es in Konstanz seit Donnerstagabend deswegen tatsächlich so, als ob Oberbürgermeister Horst Frank den Konstanzern ein schön designtes Concept Car mit null Emission vor die Tore der Stadt gefahren hätte. Am liebsten würden die meisten Konstanzer sofort einsteigen und losfahren. Dass sie das so viele Emotionen weckende Automobil – konkret die Immobilie auf Klein Venedig – auch finanzieren müssen, ist aber ein Problem.

FGL mehrheitlich gegen Konzerthaus auf Klein Venedig

Zu Wort meldete sich im Gemeinderat denn auch Till Seiler (FGL). Die Mehrheit der FGL lehne das Projekt ab. Seiler unterstellte dem OB und vielen seiner Ratskollegen Selbstgerechtigkeit. Sie machten falsche Hoffnung, auf ein Konzert- und Kongresshaus. Als die dringendsten Aufgaben der Stadt sieht Seiler die Gesundheit, sprich das Krankenhaus, und die Bildung an. Seiler erinnerte daran, dass Konstanz ein Stadttheater habe und deswegen eher keinen Bedarf an Tourneetheatern. Er bezweifelte auch, dass sich Vereine das neue Konzert- und Kongresshaus überhaupt leisten könnten. „Jedem wird alles versprochen“, sagte Seiler. Einlösbar seien die Versprechen aber nicht. Auch das Thema Verkehr spreche gegen ein Konzerthaus auf Klein Venedig. Konstanz hätte dann mit dem Konzil und dem Konzert- und Kongresshaus zwei Veranstaltungs- und Konferenzhäuser am See. Ein neues Parkhaus bedeute aber mehr Verkehr. „Es ist idiotisch, da ein Parkhaus zu bauen“, sagte Seiler. Er spüre in der Bevölkerung momentan Skepsis. An den OB appellierte er, den Ausgang des Bürgerentscheids zu respektieren, auch wenn das Quorum nicht erreicht würde.

Am Wasser noch Platz für einen Sportplatz

Alexander Fecker (CDU) dagegen trug vor, dass Konstanz sich schon seit 100 Jahren um den Bau eines Konzerthauses bemühe. Noch einmal zählte Fecker diverse Pläne auf, die aus den unterschiedlichsten Gründen in der Vergangenheit alle wieder verworfen worden waren. Ein Verkehrsproblem sieht Alexander Fecker nicht. Durch die Begegnungszone beim Bahnhof, verringere sich die Zahl der Autos. Was ihm wichtig ist, hat Fecker dem OB auch noch einmal in einem Brief mitgeteilt. Unbedingt erwähnenswert fand es Fecker, dass zwischen dem Konzerthaus und dem Wasser sogar noch Platz für einen Sportplatz wäre.

SPD bezweifelt Finanzierbarkeit und sagt nein

Jürgen Leipold (SPD) tat sich dagegen sichtlich schwer, den Bau des Konzert- und Kongresshauses nach Plänen von Dietrich und Untertrifaller abzulehnen. Die SPD Fraktion sagt aber trotzdem nein. Leipold lobte also einerseits den Entwurf der Architekten und die energetische Qualität, die das Haus hätte. Aus zwei Gründen aber müsse er gegen das Konzerthaus sein, so Leipold. Erstens kann sich Leipold nicht mit einem Parkhaus jenseits der Bahnlinie, also auf der Seeseite, anfreunden. Es ziehe zusätzlichen Verkehr an. Vollkommen unklar sei, ob es eine Zufahrt von Kreuzlingen aus gibt. Leipold unterstellte, dass Klein Venedig zusätzlich auch mit Einkaufsverkehr belastet würde. Zweitens machte Leipold ein dickes Fragezeichen hinter die Finanzierbarkeit. Er zweifelte an, dass es tatsächlich eine Kostensicherheit gibt. „Kann sich Konstanz das Projekt leisten?“, fragte Leipold. Er erinnerte an den gerade verabschiedeten Nachtragshaushalt 2010. Der SPD-Rat zählte zusätzliche Kredite in zweistelligen Millionenhöhe auf, die Konstanz aufnehmen müsse. Die Rücklagen würden gleichzeitig bis auf die Mindestrücklage aufgebraucht. Jürgen Leipold malte schon einmal 60 Millionen Euro Schulden an die Wand, die Konstanz anhäufen könnte, wenn das Konzerthaus gebaut würde. Leipold rechnet damit, dass die Stadt 30 Millionen Euro zusätzlich für das Klinikum ausgeben muss. Gleichzeitig seien die Einnahmen der Stadt eingebrochen. Leipold glaubt zudem nicht, dass die Stadt mit jährlich 2,6 Millionen für laufende Kosten eines Konzerthauses und mit 300.000 Euro Betriebskostenzuschuss richtig rechne. Der SPD Stadtrat geht eher vom Doppelten aus. „Im Sommer 2008 war von der Wirtschaftskrise noch keine Rede“, warnte Leipold. Schulen und das Klinikum müssten in Konstanz Vorrang haben.

Venedeys Schwärmerei für ein einzigartiges Passivkongresshaus

Anselm Venedey (Freie Wähler) dagegen wollte am Donnerstagabend lieber über die Qualität des Entwurfs reden. Er nannte sie „herausragend“. Das Konzerthaus werde zu einem Anziehungspunkt für Architekturtouristen, sagte Venedey. Das Haus, so wie es Dietrich und Untertrifaller planen, versperre weder den Weg nach Kreuzlingen noch den zum See hin. Vor allem aber begeisterte den Stadtrat die Aussicht auf ein Passivhaus. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal, so Venedey. In Konstanz könnten klimaneutrale Kongresse veranstaltet werden. „Das ist ein gewaltiger Markt“, sagte Venedey. Er warb leidenschaftlich für ein Ja zum Konzert- und Kongresshaus.

Foto: wak, Architektur/Stadt Konstanz, Horst Frank

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.