Sabine Reiser bei Konstanzer OB-Wahl im ersten Wahlgang mit 26,8 Prozent knapp vorn

Wahlbeteiligung bei 42 Prozent – Auszählung und Erstaunen im verregneten Rathaus-Innenhof

Konstanz. Die Chancen, dass die Grünen das erste grüne Rathaus in den Universitätsstädten Baden-Württembergs verteidigen, stehen nicht sehr gut. Der erste Wahlgang endete am Sonntagabend mit einer Überraschung. Die unabhängige und von keiner Partei nominierte Bewerberin Sabine Reiser kam auf 26,8 Prozent der Stimmen und holte den Tagessieg. Uli Burchardt, den der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung unterstützt und hinter dem Konstanzer CDU Größen stehen, schaffte es mit 25,9 Prozent der Simmen auf Platz zwei. Das waren 230 Stimmen weniger als Sabine Reiser. Sabine Seeliger musste sich mit 20,1 Prozent der Stimmen und damit nur mit Platz drei zufrieden geben. Nach der Landtagswahl, bei der der Grüne Siegfried Lehmann das Direktmandat geholt hatte, rechneten viele damit, dass Seeliger nach dem ersten Wahlgang sogar vorn stehen könnte. Der Abstand zwischen ihr und Sabine Reiser beträgt bereits 1.747 Stimmen. Sven Zylla (SPD) kam nur auf den vierten Platz und 14,3 Prozent der Stimmen.

Auch Hennig Tartsch unter 5 Prozent

Praktisch keine Rolle spielten die anderen Kandidatinnen und Kandidaten. Henning Tartsch holte gerade einmal 4,6 Prozent der Stimmen, Narrenchef Andreas Kaltenbach 2,2 Prozent, Martin Luithle 1,9 Prozent und Mykola Neumann ein Prozent. Auch Pirat Benno Buchczyk schaffte keinen Hingucker. Er kam gerade einmal auf 1,1 Prozent der Stimmen. Roman Urban, der den Konstanzern einen Hektar Land versprochen hatte, bekam 124 Stimmen oder 0,5 Prozent der Stimmen und will anscheinend weitermachen.

Im zweiten Wahlgang entscheiden Tausende neu

Die spannendste Frage in den kommenden Tagen lautet: Wer macht kämpft nun weiter und wer profitiert, wenn Bewerber beim zweiten Wahlgang möglicherweise nicht mehr antreten? Wie entscheiden sich die 2.288 Wählerinnen und Wähler, die im ersten Wahlgang Martin Luithle, Henning Tartsch oder Andreas Kaltenbach gewählt haben? Was machen die 3.713 Zylla-Wähler? Steigt beim zweiten Wahlgang die Wahlbeteiligung – von 62.400 Wahlberechtigten haben im ersten Wahkgang nur 26.179 Wählerinnen und Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Sabine Reiser sagte am Wahlabend bescheiden: „Ich wollte in der Spitzengruppe sein, dieses Ziel habe ich erreicht.“

Nebulöse Aussagen zu wenig

Die drei aussichtsreichsten Bewerberinnen und Bewerber, Sabine Reiser, Uli Burchardt und Sabine Seeliger schulden den Konstanzerinnen und Konstanzern bis zum 15. Juli noch einige Antworten. Die Zeit nebulöser Wahlaussagen, die oft sehr im Vagen geblieben sind, dürfte seit Sonntagabend vorbei sein.

Glaubwürdigkeit und Praxistauglichkeit

Die brennenden Fragen lauten jetzt, wir möchten die Bewerberinnen und der Bewerber ihre politischen Ziele tatsächlich umsetzen? Im Klartext heißt das: Wann und wo werden sie zum Beispiel Wohnraum schaffen? Werden sie neue Stellplätze in der Innenstadt unter das Döbele bauen? Wie stellen sie sich Bürgerbeteiligung ganz praktisch vor? Welche Aussagen werden die Kandidatinnen und Kandidaten machen, die über Floskeln hinaus gehen?

Kandidaten intensiv prüfen

Am Montag werden sich die Bestplatzierten die Wahlergebnisse genau anschauen müssen und zunächst analysieren, in welchen Bezirken sie gewonnen und wo sie verloren haben. Auch die Biografien und Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber dürfte in den kommenden zwei Wochen neu oder vielleicht auch erstmals intensiver durchleuchtet werden. Immerhin acht Jahre werden die Konstanzer mit dem oder der neuen OB dann leben müssen. Mehr als ein Etappensieg ist nach dem Sonntagabend auch der erste Platz von Sabine Reiser nicht. Der Wahlkampf fängt am Montag noch einmal ganz neu an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier geht es zum vorläufigen Ergebnis der OB-Wahl am 1. Juli http://www.konstanz.de/ergebnisse_wahlen/ob2012.htm

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