Satire auf die Nazis oder Ungehorsam auf dem Theater

„Sein oder Nichtsein“ in der verbotenen Fassung von Jürgen Hofmann

Konstanz (wak) Aufsehen erregt das Konstanzer Stadttheater kurz nach Ostern nicht nur mit dem Stück „Noch ist Polen nicht verloren“ in der (verbotenen) Fassung von Jürgen Hofmann, sondern auch mit einem großflächigen Werbebanner an der Fassade des leer stehenden ehemaligen Woolworth-Kaufhauses an der Konstanzer Marktstätte.

Ein Streifen auf der Bühne

„Noch ein Film auf der Bühne – muss das sein?“, fragt das Konstanzer Stadttheater dieser Tage rhetorisch. Aktuell haben die Konstanzer ein Auge auf den erfolgreichen Komödienklassiker von Ernst Lubitsch „Sein oder Nichtsein“ von 1941/42 geworfen (Videos). Ja, es müsse sein, dass dieser Film auf die Bühne kommt, meint das Konstanzer Stadttheater im Frühjahr 2010.

Ironische Reflexion über das Theater

Bei dem Filmklassiker handele es sich nämlich nicht nur um „eine Satire auf die Nazis und ihren Hang zu theatralem Pomp, Selbstdarstellung und Selbstüberheblichkeit“, sondern vor allem um „eine intelligente und ironische Reflexion über das Theater“. „Und damit finden auf der Bühne Form und Inhalt zueinander“, so die Botschaft des Konstanzer Stadttheaters. Doch die Konstanzer setzen noch einen drauf.


Ungehorsam gegenüber Twentieth Century Fox

Jürgen Hofmann hat Lubitschs Film 1984 für die Bühne adaptiert. Seine Fassung mit dem Titel „Noch ist Polen nicht verloren“ ist inzwischen aber zur Aufführung gesperrt, da die Filmgesellschaft Twentieth Century Fox die alleinigen Aufführungsrechte einem anderen Autor und damit einem anderen Verlag übertragen habe. Theater wie das Deutsche Theater in Berlin, das Staatsschauspiel Dresden oder auch das Ulmer Theater hätten diesem Verbot Folge geleistet. Damit sei das Theater Konstanz in dieser Spielzeit das einzige, das die Fassung von Jürgen Hofmann noch zur Aufführung bringe. Marc Lunghuß, der in Konstanz bereits Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ inszenierte, wird Regie führen.


Foto: wak

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