Schluss mit Ästhetik vor Funktionalität vorm Konstanzer Münster

Münsterplatz bekommt Spur für Rollstühle, Gehbehinderte und hohe Absätze – Züricher Platzgestalter soll Vorschlag machen

Konstanz. Der Münsterplatz soll begehbarer werden. Das hat der Konstanzer Gemeinderat am Donnerstagabend entschieden. Notfalls würde eine Mehrheit sogar Abstriche bei der Ästhetik zugunsten der Begehbarkeit des Platzes in Kauf nehmen. Spuren für Gehbehinderte und Pumpsträgerinnen soll es geben. Ein wüster Fußweg, der den Platz zerstört, soll es aber nicht werden. Die Verwaltung wird sich erst einmal an das Büro Vogt in Zürich wenden, das den Platz gestaltet hat.

Behinderter stellt Platz miserables Zeugnis aus

Den Antrag, einen „begehbaren Fußweg“ über den Münsterplatz zu bauen, hatte die CDU gestellt. Der Behindertenbeauftragte Conrad Schechter führte aus, weshalb das nötig sei. Er sagte, das Pflaster sei für Gehbehinderte ungeeignet. Behinderte müssten den längsten Weg gehen, da das am besten begehbare Pflaster am Rande des Platzes entlang führe und vor den Häusern verlegt worden sei. Den Platz zu queren, sei für viele nicht möglich. Es fehlten auch Sitzgelegenheiten. Schechter ließ keinen Zweifel: Barrierefrei ist der Konstanzer Münsterplatz nicht. Viele scheuten deswegen den Weg von der Niederburg in die Altstadt.

Nichts für hohe Absätze und Rollstühle

Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) sagte, dass der Platz nicht nur ein Hindernis für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte, sondern für alle Menschen sei. Er sprach von einem „Buckelpflaster“. Peter Müller-Neff (Freie Grüne Liste) sagte, auf den ersten Blick komme ihm die Angelegenheit wie ein „Schildbürgerstreich“ vor. Die FGL wolle aber eine ernsthafte Diskussion führen. Er fragte: „Was nützt ein schöner Platz, wenn er von der Funktion her eingeschränkt ist?“ Auch Brigitte Leipold, die sich als gelegentliche Pumpsträgerin outete, sah Handlungsbedarf. Mit höheren Absätzen sei der Platz kaum begehbar. Johann Hartwich (FDP) sprach von einem architektonisch sehr schönen Platz, sagte aber, die Funktionalität sei genauso wichtig. Sein Fraktionskollege Michael Fendrich erklärte den Platz für mit dem Rollstuhl unbefahrbar. Er sei auf dem Münsterplatz aus dem Rollstuhl ausgestiegen und habe den kurzen Weg an Krücken zurückgelegt.

Züricher Büro soll beraten

Selbstkritisch merkten mehrere Räte an, dass die Stadt bei der Pflasterung des Münsterplatzes einen Fehler gemacht habe. Auch Bürgermeister Kurt Werner, der damals noch nicht in Konstanz Bürgermeister war, aber im Preisgericht saß, sagte, der Platz sei schlecht begehbar. Er sagte aber auch, Bänder könnten mehrere Hunderttausend Euro kosten. Oberbürgermeister Horst Frank wies darauf hin, dass damals auch Behinderte beteiligt gewesen seien. Sehr emotional reagierte Alexander Stiegeler, Freie Wähler Gemeinschaft. Der Kunstfreund fürchtete offenbar eine Verschandelung des Platzes. Soweit wird es aber kaum kommen. Dafür dürften Bürgermeister Kurt Werner und das Züricher Büro Vogt sorgen.

Ein Kommentar to “Schluss mit Ästhetik vor Funktionalität vorm Konstanzer Münster”

  1. dk
    20. Januar 2012 at 22:56 #

    Bei Gelegenheit kann man auch noch die Fusswege am Lutherplatz kritisch prüfen: in der Lutherkirche gibt es regelmässig musikalische Kulturereignisse. An der Ecke Lutherplatz/Laube gibt es ein Bankinstitut. Ein Blick auf die dortige Laube lohnt sich ebenfalls.
    Was einem bei einem sehr selten Besuch in der Altstadt nicht alles auffällt, wenn man zwischen Weihnachten und Neujahr den Optiker aufsuchen muss?

    PS.
    Einen Parkplatz kann ich in der Nähe bei einem Verwandten nach Anmeldung stundenweise benutzen; da ich diesem teilweise ziemlich kritisch gegenüber stehe, ist eine Parteilichkeit unwahrscheinlich. Vielleicht ist mir nur ein Hauch von Protestantismus erhalten geblieben.

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