Schweizer Bodensee Schifffahrt verlangt Linien quer übern See

Vereinigte Schifffahrtsunternehmen handeln Zusammenarbeit neu aus – Schweizer bleiben nicht um jeden Preis bei VSU

Konstanz/Romanshorn. Die vier Schifffahrts-Unternehmen Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH, SBS Schifffahrt AG, Vorarlberg Lines und Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG verhandeln aktuell darüber, wie sie zukünftig gemeinsam die touristischen Angebote auf dem Bodensee gestalten können. Auslöser war ein Brandbrief, den sie SBS Schifffahrt AG nach Konstanz schickte. Die Schweizer möchten ein attraktiveres Schifffahrtsangebot, mehr Schiffe quer über den See und einen fairen Wettbewerb auf dem Bodensee. Andernfalls könnten sich die Schiffsbetriebe aus Romanshorn im kommenden Sommer aus dem Verbund für den Bodensee und Rhein verabschieden.

Von Schiffen, Euros und Franken

Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) bestehen seit 1885. Zuletzt hat es aber offenbar Unstimmigkeiten wegen der neuen Querverbindung von Hagnau nach Altnau gegeben. Die Schweizer kamen für sich zu dem Schluss, dass die bestehende VSU-Vereinbarung dem touristischen Markt nicht mehr gerecht wird. Sie möchten mehr Touristen quer über den See in die Schweiz befördern, damit sie Tagesausflügen im Thurgau unternehmen. Neu verhandeln wollen die Schweizer anscheinend darüber, welche Ausgleichzahlungen fließen. Die Quoten könnten sich ändern. Das geht aus einem Schreiben aus Romanshorn hervor.

Schweizer wollen quer übern See

Die Schweizer möchten – das haben sie angekündigt – mit der Schifffahrt den Tourismus am Schweizer Ufer beleben. Im St. Galler Tagblatt sagte zum Beispiel der Thurgauer Regierungspräsident Kaspar Schläpfer, der Kanton Thurgau habe immer erklärt, dass er weitere seequerende Verbindungen wolle. Vor allem auch Radfahrer könnten mit dem Schiff übersetzen, glauben die Schweizer. Sie wünschen sich also offenbar mehr Verbindungen quer über den Bodensee, während die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH vor allem am Ufer entlang oder auf die Mainau schippern.

Defizit tragen erst mal die Schweizer

In diesem Sommer gibt es einen ersten Testlauf. Die Kosten für die neue Schiffverbindung Altnau-Immenstaad-Hagnau mit der MS Rhyspitz schätzt die SBS auf 112.000 Franken jährlich. Die Erlöse der Schifffahrtslinie sollen in dieser Saison nur bei rund 22.000 Franken liegen. Das voraussichtliche Defizit von 90.000 Franken teilen sich zu je einem Drittel Altnau, Hagnau und Immenstaad sowie der Kanton Thurgau. In Zukunft soll aus dem Versuchsbetrieb eine reguläre Strecke werden – so wünschen es sich die Schweizer. Und sie möchten auch Langenargen und Arbon mit einer Linie quer über den See verbinden.

VSU bestätigen nur Verhandlungen

Die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH in Konstanz wollten sich zu dem Thema erst einmal nicht äußern. Statt dessen erklärten die vier Schifffahrtsunternehmen: „Die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) befinden sich derzeit in Gesprächen aufgrund des neuen Quer- und Längsverkehrs zwischen Altnau (CH), Hagnau (D) und Immenstaad (D).“ Der Kurs sei sehr kurzfristig im Juni von der SBS Schifffahrt AG aufgenommen worden. Das neue Angebot werde „im Rahmen der Statuten und der bisherigen Gepflogenheiten“ der VSU diskutiert. Weiter heißt es in der Erklärung: „Die vier Unternehmen Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH, SBS Schifffahrt AG, Vorarlberg Lines und Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG beschäftigen sich jetzt mit der Frage, wie man zukünftig gemeinsam die touristischen Angebote gestalten kann.“ Die VSU würden sich erst nach „interner Abklärung“ weiter dazu äußern.

Kritik auch wegen Katamaran

Zuletzt hatte es auch Irritationen wegen einer anderen „Querverbindung“ – dem Katamaran zwischen Konstanz und Friedrichshafen gegeben. Die Schwäbische Zeitung hatte berichtet, dass der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand zum Beispiel bemängelte, dass an Schaltern der Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH keine Tickets für den Katamaran verkauft worden seien – und Aktionen in Konstanz weniger stark als in Friedrichshafen beworben worden seien. Nach Auskunft der Katamaran-Reederei gehen denn auch mehr Passagiere in Friedrichshafen an Bord, um Konstanz zu besuchen als umgekehrt. Offenbar dauern dem Friedrichshafener OB auch manche Entscheidungsprozesse bei der BSB zu lange.

Foto: wak

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