Schweizer Nachbarn sind mal wieder deutlich schneller

Bauprojekte: Konstanz prüft, Kreuzlingen handelt

Konstanz/Kreuzlingen (gro) Am Helvetia-Platz in Kreuzlingen haben die Umbauarbeiten für den künftigen Boulevard begonnen. Das Projekt, eine langgestreckte Begegnungszone im Verlauf der Hauptstrasse, eine so genannte Begegnungszone für Fussgänger und Tempo 20 für mobile Verkehrsmittel, soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. In Konstanz dagegen lässt eine wegen des negativen Bürgerentscheids zum Kongress- und Konzerthaus heftig verschnupfte Verwaltungsspitze die für den Konstanzer Bahnhofplatz vom Gemeinderat längst beschlossene und auch schon geplante Begegnungszone erst einmal erneut überprüfen.

Schon wieder sind Verzögerungen in Sicht

„Alles“ will die Stadtverwaltung auf „den Prüfstand“ bringen, liess Oberbürgermeister Horst Frank schon einen Tag nach dem missglückten Bürgerentscheid über seinen Stadtsprecher Walter Rügert dem „Südkurier“ ausrichten. Damit könnte sich auch die überfällige, seit Jahrzehnten anstehende Sanierung des Konstanzer Bahnhofs – wie schon so oft – weiter verzögern. Die Erneuerung der Kreuzlinger Bahnhöfe ist dagegen inzwischen abgeschlossen. Allein im Bereich des Hauptbahnhofs wurden rund 24 Millionen Franken (16,8 Millionen Euro) verbaut.

In Konstanz wird vor allem diskutiert

Keine Frage, unsere Schweizer Nachbarn sind in letzter Zeit um einiges schneller, wenn es um Bauprojekte der öffentlichen Hand geht. Neue Bahnhöfe für Triboltingen und das Seeparkzentrum in Kurzrickenbach, ein komplett sanierter Hafenbahnhof sowie ein neuer Hauptbahnhof, die 2006 in Betrieb genommene Dreispitzhalle am Bärenplatz (mit einem Konzertsaal für immerhin 600 Zuhörer), dazu die gerade fertiggestellte, schwierige Untertunnelung des Helvetiaplatzes und nun bis zum Jahresende der „Boulevard“ im Verlauf der oberen Hauptstrasse – im gleichen Zeitraum, in dem dies beim kleinen Nachbarn nebenan realisiert wurde, wurde in Konstanz vor allem diskutiert.

Immer wieder übles Sumpfgelände

So diskutiert man in Konstanz nicht nur seit 100 Jahren über eine angemessene Spielstätte für das Konstanzer Sinfonieorchester, sondern auch seit 30 Jahren über einen innerstädtischen Haltepunkt der Bahn am Sternenplatz. Ein Parkhaus auf dem Döbele, mal als Provisorium, mal als Tiefgarage propagiert, wird auch schon etliche Jahre planerisch, aber letzten Endes vor allem verbal und ohne Folgen verfolgt. Ähnliches gilt für das Projekt eines Parkhauses im Bereich des Lutherplatzes, für das vor 10 Jahren immerhin ein starker Bedarf amtlich festgestellt wurde. Klein Venedig wird zwar von allen Seiten, von grünen, roten, gelben, grauen und schwarzen, als die „letzte“ und „besonders wichtige“ Grünfläche des historischen Zentrums beschworen. Doch die ehemalige Müllkippe, die auf der Kreuzlinger Seite längst solide hergerichtet, mit Sportanlagen und einem Hotel bestückt wurde, verwandelt sich nach drei Tagen Regen – wie das seit Jahrzehnten eben so ist – in ein unansehnliches, übles Sumpfgelände.

14 Jahre Ralf Fischer waren genug

Dank des Interregnums eines gewissen Ralf Joachim Fischer lief es in Konstanz eine Zeitlang ganz anders. Als Baubürgermeister gelang es Fischer, der 1982 sein Amt übernahm, die Innenstadt umzubauen, zwei öffentliche Grossgaragen, das Zentrenkonzept, die Sanierung des Hafens und eine Neuordnung des Verkehrs durchzusetzen. Doch nach 15 Jahren hatten Gemeinderat und der neu gewählte, Grüne Oberbürgermeister offensichtlich genug von Fischers Tatkraft. Fischer fühlte sich an- und hinausgeekelt und wechselte nach Chemnitz.

Was die Stadtparlamentarier vergessen haben

Während Ralf Fischer seinen Beitrag leistete zum Aufbau der neuen Bundesländer, leistete sich der Gemeinderat in Konstanz mit Volker Fouqet und später mit dem Regensburger Kurt Werner hochqualifizierte, kreative Architekten und Stadtplaner. Die Parlamentarier vergassen aber, dass ein Konstanzer Baubürgermeister mindestens ebenso ausgiebig mit Durchsetzungskraft bis hin zu einer gewissen Rücksichtslosigkeit, mit diplomatischen Fähigkeiten und politischer Gewandtheit gesegnet sein muss, wenn er in dieser Stadt Erfolg haben will.

Gemeinderat steht hinter Werners Vorzeigeprojekt

Es sollte nicht übersehen werden, dass die Konstanzer den neuen Münsterplatz Volker Fouquet verdanken, der nun und trotz seines Holperpflasters (der Platz!) zur Anziehung der Stadt Konstanz enorm beiträgt. Ähnliche Anerkennung dürfte die Stadt für einen gut gestalteten Bahnhofplatz (und Bahnhof) erfahren, der mit seiner Begegnungszone bereits zu einem republikweiten Pilotprojekt hochstilisiert wurde. Es würde sich also lohnen, wenn Kurt Werner sich dafür einsetzte, das Projekt Bahnhofplatz (samt Unterführung am Ende der Hafenstrasse) vom oberbürgermeisterlichen Prüfstand herabzuholen und schnellstmöglich ganz real durchzusetzen. Die Mehrheit des Gemeinderats dürfte der Baubürgermeister hinter sich wissen

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