Sehnsucht nach STO, ÜB und TT am Bodensee

Kreis Konstanz/Bodenseekreis. Die Sehnsucht nach Heimat und Identität treibt die Bürgerinnen und Bürger in gleich in drei kleineren Städten am Bodensee um. Autofahrer in Stockach, Überlingen und Tettnang wünschen sich die Rückkehr zu den alten Kfz-Kennzeichen ihrer Städte, die früher selbst einmal Kreisstädte waren. Statt KN und FN wollen sich viele Autofahrer auch weiterhin die Altkennzeichen STO, ÜB und TT ans Auto schrauben. Das schnöde Nein des Konstanzer und Friedrichshafener Kreistags möchten die Kämpfer für die Wunschkennzeichen nicht akzeptieren. Rückenwind bekommen die Widerspenstigen aus den Rathäusern.

Minister fragt Kreise

Die bundesweite „Kennzeichen-Liberalisierung“ machte im vergangenen Jahr den Weg zur Wiedereinführung der Altkennzeichen frei. Das Land stellte aber, obwohl viele Städte gern zu ihren Altkennzeichen zurückkehren möchten, eine wohl zu hohe Hürde auf, die bisher weder Stockach noch Überlingen oder Tettnang überspringen konnten. Das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg bat die betroffenen Kreise – und nicht die Städte selbst – via Regierungspräsidien um eine Interessensbekundung in Sachen Wiedereinführung der Altkennzeichen. Der Minister möchte sich trotz des Widerstands in den betroffenen Städten an eine derartige Interessensbekundung halten. Wenn die Kreise nein sagen, haben die Städte keine Chance.

Kreistage mauern

Während das Konstanzer Landratsamt noch nicht einmal Einwände gegen STO gehabt hätte und nur der Kreistag blockte, standen in Friedrichshafen Landratsamt und Kreistags offenbar Seite an Seite und verwehrten es den Städten Überlingen und Tettnang einträchtig zu ihren Altkennzeichen ÜB und TT zurückzukehren.

Bürger wehren sich

Für die neuen (alten) Kennzeichen machen sich jetzt die Bürgerinnen und Bürger stark, die sich in Facebook zu Gruppen zusammen geschlossen haben, Unterschriften sammeln oder gar wie in Tettnang mit einer eigenen Website präsent sind. Zwangsweise zum alten Kennzeichen zurückkehren, müsste übrigens, sollten die Initiativen erfolgreich sein, niemand. Die Bürger in den alten, ehemaligen Kreisstädten hätten dann die Wahlfreiheit zwischen KN und STO sowie FN und ÜB oder TT.

Verfahren in Frage gestellt

Viele meinen, dass es nicht Sache der Kreis sein können, so entscheiden, ob die ehemaligen Kreisstädte zu ihren alten Kürzeln auf den Autokennzeichen zurückkehren können. „Das ist Sache der Städte“, heißt es seitens der Widerspenstigen.

Politiker solidarisieren sich

Dass die Städte und ihre Bürger für die Wiedereinführung ihrer ehemaligen Autokennzeichen weiter kämpfen, findet der grüne Landtagsabgeordnete Martin Hahn aus Überlingen gut. Der frühere Überlinger Landtagsabgeordnete Hans-Peter Wetzel (FDP) hat zumindest die Facebook-Seite ge(like)t.

Argumente der Widerspenstigen

Es gehe nicht darum, die Kreisreform von vor 40 Jahren rückgängig zu machen. Das sei Quatsch, so heißt es rund um den Bodensee. Es gehe um die Wahlfreiheit und nicht darum, die Landkreise in Frage zu stellen. Die Widerständler mahnen eine Gleichbehandlung an. Denn während einige Städte nach der Freigabe durch den Bund tatsächlich zu ihren alten Kennzeichen zurückkehren dürfen und es im Kreis Böblingen zum Beispiel schon knapp  2.500 Vormerkungen für das alte Leonberger Kennzeichen LEO gibt, sieht es zwischen Stockach und Tettnang ganz anders aus. 

Kampagne in Überlingen beginnt – Oberbürgermeisterin steht dahinter

In Überlingen haben Stadträte aus der FDP Fraktion eine Seite „ÜB – FÜR UNS“ auf Facebook gestellt. Auch die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker steht hinter der Kampagne für das Kennzeichen ÜB. Auch sie hat auf Facebook wie 360 andere Facebook Nutzer längst “gefällt mir” angeklickt. Dem Vernehmen nach möchte sie in Sachen Altkennzeichen auch noch einen Brief an Verkehrsminister Winfried Hermann nach Stuttgart schreiben. Vor Fasnacht schon begannen die Überlinger zudem Unterschriften zu sammeln. Die Listen liegen auch in der Bodensee Therme Überlingen, dem städtischen Ü-Punkt und bei der Kur und Touristik aus.

Tettnanger Bürgermeister kämpft für TT

In Tettnang hat sich Bürgermeister Bruno Walter mit an die Spitze der Kampagne für das Wunschkennzeichen TT gestellt. Er warb zum Beispiel beim samstäglichen Städtlesmarkt fürs Wunschkennzeichen. Wer in Tettnang für die Wiedereinführung des Altkennzeichens unterschreibt, bekommt einen Aufkleber. Unterschriften-Listen und Auto-Aufkleber liegen in über 50 Tettnanger Geschäften und Betrieben aus. In Tettnang gibt es auch eine eigene Homepage . Die Stadt Tettnang verlinkt zudem von der städtischen Homepage direkt auf die Aktions-Seite. Von der Homepage geht es auch zu einer Facebook-Gruppe und zu einer Online-Petition

Stockacher Bürgermeister hakt nach

Der Stockacher Bürgermeister Rainer Stolz schrieb in Sachen historisches Kfz-Kennzeichen STO an Minister Winfried Hermann. Er vertrat die Meinung,ein Votum des Kreistages sei gesetzlich nicht erforderlich; auch sei die Angelegenheit nicht von solcher Bedeutung, dass sie politisch entschieden werden müsste. Er bat den Stockacher Antrag, auf Wiedereinführung des Kennzeichen STO beim Bund anzumelden. 

3 Kommentare to “Sehnsucht nach STO, ÜB und TT am Bodensee”

  1. bernhard lörcher
    29. Dezember 2013 at 17:30 #

    Endlich tut die politik mal was für unsere regionen und dann verhindern arrogante und selbstgerechte kreisräte hier die Rückkehr zu mehr regionaler vielfalt.gegen den willen der bürger.skandalös.so etwas sollte es nicht geben.
    Zum Glück gibt es wenigstens in vielen anderen gegenden unserer republik bessere kreisräte als hier am bodensee.trotzdem schade.
    Abwählen!
    Bernhard lörcher

  2. Bernhard Lörcher
    17. Februar 2014 at 09:15 #

    Eigentlich eine wunderschöne Idee,und gar nicht mal so typisch Deutsch,den Bürger mal etwas selbst entscheiden zu lassen.Ein klitzekleiner Hauch von Freiheit…
    Nur ungeschickt,so etwas ausgerechnet Kreistage entscheiden zu lassen.Kreistage scheinen -wie man hierbei sehr gut erkennen kann- so etwas wie “eine EU der Regionen” zu sein.Pfui Spinne.Wirklich abstoßend,diese Reaktionen von dort.
    Vielleicht wird das ja mal geändert.Dann haben auch die Bürger in ALLEN Kreisen Baden-Württembergs das Recht frei zu entscheiden.
    In vielen geht es ja jetzt schon,liebe Überlinger,Tettnanger,Stockacher!
    Bernhard Lörcher aus Lahr (bald LR)

  3. Philipp Bock
    4. Oktober 2014 at 20:28 #

    Grüße aus Bayern an den Bodensee. Bei uns im Landkreis Landshut war es ähnlich, dort hat der frühere Landrat eine Wiedereinführung der ehemaligen Kennzeichen ROL (Rottenburg/Laaber), VIB (Vilsbiburg), MAL (Mallersdorf), MAI (Mainburg) verweigert, obwohl die Nachbarlandkreise die Kennzeichen zugelassen hatten (und zwei ehemalige Kreisstädte im Kreis Landshut die alten Nummern VIB und ROL nicht bekamen, aber Gemeinden der Altlandkreise, die in der Gebietsreform den Nachbarlandkreisen zugeschlagen wurden, schon …)
    Nach der Kreistags- und Landratswahl im Frühjahr 2014 führte der neugewählte Landrat die früheren Kennzeichen einfach ein – und so hat die Geschichte bei uns zu einem guten Ende geführt … Vielleicht ist das ja auch eine Lösung für die betreffenden Landkreise am Bodensee?

Hinterlasse eine Antwort

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.