Servergate – ein schwarzer Freitag nicht nur für Piraten in Deutschland

Der Tag, an dem der Piraten-Server wegen polizeilicher Ermittlungen abgeschaltet worden ist

Konstanz. Am Freitag war die Piratenpartei offline. Der Grund: polizeiliche Ermittlungen. Das Netz sprach von „Servergate“. Der neue Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Nerz, kritisierte den Cyber-War gegen die Partei als „absoluter Skandal“. Zeitweise waren am Freitag auch die Webseiten des Bundeskriminalamts (bka.de) und der Polizei (polizei.de) offline. Die Piratenpartei distanzierte sich von Attacken auf die Seiten.

Server abgeschaltet

Die Server der Piratenpartei sind am Freitagvormittag um 9:15 Uhr auf Grund eines Durchsuchungsbefehls der Staatsanwaltschaft Darmstadt auf richterliche Anordnung hin abgeschaltet worden. Davon betroffen waren die Webseite der Piratenpartei Deutschland sowie der Landesverbände Rheinland-Pfalz, Nordrhein Westfalen (zeitweise) und Saarland. Außerdem konnten die Mailserver und viele weitere IT-Dienste -nicht angeboten werden. Das stand in einer Mitteilung der Partei, die auch der Konstanzer Kreisverband online stellte.

Piratenpad im Visier

Die Ermittlungen richteten sich dabei nicht gegen die Piratenpartei, sondern gegen unbekannte Nutzer der IT-Angebote und den Inhalt eines sogenannten Piratenpads, teilten die Piraten mit. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden sei darüber ein SSH Key veröffentlicht worden, der zu einem Angriff auf einen Server des französischen Energiekonzerns EDF verwendet werden könne, heißt es in einer Mitteilung der Piratenpartei. Das Ziel der Untersuchungen sei, die Motive für den Angriff zu ergründen.

Sebastian Nerz: absoluter Skandal

Die Tragweite und der Schaden für die Piratenpartei sei enorm. „Zwei Tage vor der Bürgerschaftswahl in Bremen wird unsere Homepage und ein Großteil unserer Kommunikationsinfrastruktur durch die Polizei lahm gelegt. Der Umfang der Aktion ist völlig überzogen und der Termin kurz vor der Wahl ein absoluter Skandal“, kritisiert Sebastian Nerz, Vorsitzender der Piratenpartei. Er verweist darauf, dass das IT-Angebot der 12.000 Mitglieder starken Piratenpartei durchaus mit dem eines mittelständischen Unternehmens vergleichbar sei. „Dass die gesamte Informationsstruktur der größten außerparlamentarische Oppositionspartei mit einem Streich vom Netz genommen wird, ist ein einmaliger Vorfall.“ Die Piratenpartei wird prüfen, inwiefern die Möglichkeit zur politischen Willensbildung durch §21 Grundgesetz verletzt worden sei.

Piraten distanzieren sich von Angriff

Unterdessen distanzierte sich die Piratenpartei von den Attacken auf die Webseiten des Bundeskriminalamts (bka.de) und der Polizei (polizei.de). „Wir kritisieren und verurteilen das völlig unangemessene Vorgehen der Ermittlungsbehörden zwar, aber die Geschehnisse sind kein Grund, andere Webseiten anzugreifen. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich.“ erklärt Nerz. Die Seiten waren heute vorübergehend nicht erreichbar.

Foto: See-Online-Archiv

Ein Kommentar to “Servergate – ein schwarzer Freitag nicht nur für Piraten in Deutschland”

  1. Hinterwäldler
    21. Mai 2011 at 10:31 #

    Die Beruhigungspillen in Ehren, aber keine Aktion gegen die Piratenpartei? Und wer soll das glauben. Wenn das BKA feststellt, das ein Chatroom einer Partei für illegale Zwecke genutzt wird, dann geht man zum Betreiber und bittet um Übergabe des Chat-Protokolls. Das ist seriös und im Rahmen aller Gesetze einschließlich dem Grundgesetz.

    BMI-Friedrich hat einige Stunden zuvor eine angeblich repräsentative Statistik zur Internetkriminalität veröffentlicht und alle Printmedien stürzten sich auf den Inhalt, um ihn auf ihre Art zu interpretieren. Sie brachten es allerdings nicht fertig, beides miteinander in Verbindung zu bringen. Aber genau das wäre bei kritischer Betrachtung notwendig gewesen. Das wurde dann im Web diskutiert. Auch hier auf diesem Blog.

    Es fehlt also der gemeinsame Nenner in den Printmedien. Nun glauben viele Menschen, das trotz aller Beteuerungen die Piratenpartei Kriminelle unterstützt. Dabei scheint es sich ganz offensichtlich um französische Atomkraftgegner zu handeln. Sind die jetzt auch schon kriminell? Wenn sie kriminell wären, dann frage ich mich, weshalb sie zur Kommunikation den öffentlichen Chat einer Partei benutzten. Wären dann nicht ein verschlüsseltes Account bei GoogleDocs, ADrive oder humyo.com die bessere Adressen gewesen? Sind Internetkriminelle tatsächlich so primitiv und unwissend?

    Liebes http://www.BKA.de und liebe http://www.Polizei.de ihr habt noch viel zu lernen. Es reicht nicht ein Fachdezernat zu besitzen. Man muss die Leute auch mit logisch denkenden Personal besetzen. Eine Lehre wurde euch gestern erteilt. Und denkt daran: Protestierende sind keine Kriminelle. [ironie]Der Bundesbürger wird wohl auf euren Pagen noch in Erfahrung bringen dürfen, was dort aus eurer Sicht geschah. Das die Server dem Andrang nicht standhalten konnten, ist nicht die Schuld derer die sich dort informieren wollten.[/loriot]

    Morgen sind Wahlen in Bremen. Ich denke BMI-Friedrich (CSU) konnte der Piratenpartei keine besser Wahlhilfe geben. Besonders die 16-25-jährigen Wähler werden ihr Wahlverhalten darauf ausrichten. Ich denke, sie gehen wählen.

    Adios CDU/CSU!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.